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21.10.2014

19:09 Uhr

Zinsmanipulation

EU verhängt Millionenstrafen gegen Banken-Kartell

Wegen der Teilnahme an einem Franken-Zinskartell hat die EU eine Strafe von 32 Millionen Euro gegen Credit Suisse, UBS und JP Morgan verhängt. JP Morgan muss zusätzlich noch 62 Millionen zahlen.

Teilnahme am Zinskartell und Manipulation beim Franken-Libor: JP Morgan wurde von der EU-Kommission gleich in zwei Verfahren zu Millionenstrafen verurteilt. AFP

Teilnahme am Zinskartell und Manipulation beim Franken-Libor: JP Morgan wurde von der EU-Kommission gleich in zwei Verfahren zu Millionenstrafen verurteilt.

Brüssel/ZürichDie Serie von Geldstrafen gegen internationale Großbanken wegen Tricksereien bei Zinsgeschäften reißt nicht ab. Die EU-Kommission verhängte am Dienstag gegen die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse sowie gegen JP Morgan aus den USA eine Buße von insgesamt 32 Millionen Euro wegen Teilnahme an einem Franken-Zinskartell.

In einem zweiten Verfahren erhielt JP Morgan parallel dazu eine Strafe von knapp 62 Millionen Euro, weil die Bank 2008 und 2009 bei der Festsetzung des Libor-Referenzzins für den Franken mit Royal Bank of Scottland (RBS) Absprachen getätigt hatte. RBS ging straffrei aus, da sie den Fall aufgedeckt hatte. Der Liborsatz wurde damals täglich durch eine Umfrage bei großen Banken ermittelt und bildete die Basis für zahlreiche weitere Geschäfte.

Den beiden Schweizer Banken warf die EU-Kommission vor, zwischen Mai und September 2007 zusammen mit JP Morgan und RBS an Tricksereien bei Franken-Zinsabsicherungsinstrumenten beteiligt gewesen zu sein. Kunden seien schlechtere Kurse genannt worden als die Banken untereinander verrechneten. Davon, dass Credit Suisse und UBS versucht haben könnten, den Franken-Libor zu manipulieren, war in der Mitteilung der EU nicht die Rede.

Während Credit Suisse, auf die rund zehn Millionen Euro Strafe entfallen, im Zusammenhang mit Zinsmanipulationen zum ersten Mal eine Buße zahlen muss, sind die knapp 13 Millionen Euro für UBS vergleichsweise eine Kleinigkeit.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Die größte Schweizer Bank einigte sich Ende 2012 mit den Aufsichtsbehörden der USA, Großbritanniens und der Schweiz auf eine Strafe von 1,4 Milliarden Franken (1,1 Milliarden Euro) wegen Zinsmanipulationen in einer ganzen Reihe von Währungen.

Einer Milliarden-Busse der EU in der gleichen Sache entgingen die Schweizer Ende 2013, weil sie sich als Kronzeugen zu Verfügung stellten. Die Deutsche Bank zahlte damals mehr als 700 Millionen Euro.

Von

rtr

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