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06.08.2013

17:05 Uhr

Zinsmanipulation

Hypo Alpe Adria muss Italien-Tochter stützen

Nachdem vor einigen Monaten Zinsmanipulationen der Italien-Tochter der Hypo Alpe Adria aufgeflogen waren, muss die österreichische Bank der Italien-Tochter mit 150 Millionen Euro unter die Arme greifen.

Die kriselnde Staatsbank Hypo Alpe Adria muss ihre Italien-Tochter wegen der mauen Wirtschaftslage und eines Betrugsfalls mit 150 Millionen Euro stützen. Reuters

Die kriselnde Staatsbank Hypo Alpe Adria muss ihre Italien-Tochter wegen der mauen Wirtschaftslage und eines Betrugsfalls mit 150 Millionen Euro stützen.

WienDie Hypo Alpe Adria muss ihre Italien-Tochter wegen eines Betrugsfalls und der mauen Wirtschaftsentwicklung mit 150 Millionen Euro stützen. Bereits im Juli habe die kriselnde Staatsbank der Tochter mit dieser Summe unter die Arme gegriffen, bestätigte ein Sprecher am Dienstag eine Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die Geldspritze sei Voraussetzung für einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers für das Jahr 2012 gewesen.

Bei der Italien-Tochter waren vor einigen Monaten Zinsmanipulationen bei Leasingverträgen aufgeflogen. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der langjährige Bankchef Lorenzo Di Tommaso nahm seinen Hut. Er wird nun ab 2. September von Marco Gariglio ersetzt, der zuvor als Berater im Bankbereich tätig war, wie die Bank ebenfalls am Dienstag mitteilte.

Die Chronologie des Hypo Alpe Adria-/BayernLB-Dramas

22. Mai 2007

Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

28. November 2008

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

23. Januar 2009

Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

11. November 2009

Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009

Ein wochenlanger Poker zwischen Österreich und Bayern geht zu Ende: Die HGAA geht an Österreich zurück und soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

4. Januar 2010

Der Freistaat hofft auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

9. Februar 2010

Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist ein Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010

Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

13. Oktober 2010

Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

25. Oktober 2010

Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

5. Mai 2011

Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des Fehlkaufs der HGAA Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt. Das Gericht zweifelt an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag.

19. Juni 2012

BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager. Die BayernLB wirft allen acht ehemaligen Vorständen Pflichtverletzungen beim Kauf der HGAA vor.

10. Oktober 2012

Der Verkauf der HGAA an die BayernLB beschäftigt auch österreichische Gerichte: Der Ex-Landesparteichef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) aus Kärnten, Josef Martinz, wird zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Martinz hatte bei Verkauf der Bank Geld in die Parteikasse abgezweigt. Er legt Berufung ein.

13. Dezember 2012

Die HGAA setzt alle Rückzahlungen von Krediten in Milliardenhöhe an die BayernLB aus. Die bayerische Landesbank kündigt postwendend einen Prozess gegen ihre ehemalige Tochter an. Die Republik Österreich, die ebenfalls mit dem Gedanken einer Klage zur Rückabwicklung des Kaufs der HGAA wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung spielte, verzichtet zunächst auf einen Prozess.

14. Dezember 2012

Nach dem Zahlungsstopp der HGAA will Finanzminister Markus Söder (CSU) den Fall bei der EU-Kommission anzeigen.

19. Dezember 2012

Ministerpräsident Seehofer fordert die HGAA zur Rückzahlung der Kredite auf.

20. Dezember 2012

Eine fällige Zinszahlung von zwei Millionen Euro an die BayernLB wird nicht überwiesen.

Doch die Probleme der Hypo Alpe Adria beschränken sich nicht auf Italien: Der österreichische Staat hat kürzlich weitere 700 Millionen Euro in die Konzernmutter gepumpt, weil deren Verluste das Kapitalpolster aufgezehrt hatten. Durch die Hilfen für die Italien-Tochter entstehe jedoch kein neuerlicher Kapitalbedarf bei der Mutter, sagte ein Hypo-Sprecher.

Finanzministerin Maria Fekter hatte zuletzt eingeräumt, dass die Hypo im Laufe ihrer Abwicklung noch weitere Hilfen benötigen werde. Wie hoch der künftige Geldbedarf ausfallen könnte, ist offen. Neben dem Verkauf des Österreich-Geschäfts will sich die Krisenbank auch von ihren Töchtern in Zentral- und Osteuropa trennen. Die Italien-Tochter soll abgewickelt werden.

Von

rtr

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