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08.07.2012

14:03 Uhr

Zinsmanipulation

Investoren verklagen Deutsche Bank

Gegen die Deutsche Bank und andere Banken sollen mehrere Sammelklagen eingereicht worden sein. Sie werden der Manipulation des Marktzinssatzes Libor bezichtigt. Außerdem soll die Finanzaufsicht die Bank prüfen.

Die spiegelnde Fassade der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt. dpa

Die spiegelnde Fassade der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.

FrankfurtDie Deutsche Bank sieht sich wegen der mutmaßlichen Zinsmanipulationen durch europäische Banken mit Klagen von Investoren konfrontiert. Eine zum Frankfurter Bankhaus Metzler gehörende Kapitalanlagegesellschaft habe sich in New York an mehreren Sammelklagen gegen die Deutsche Bank und andere Banken beteiligt, die der Manipulation des Marktzinssatzes Libor bezichtigt werden, bestätigte ein Metzler-Sprecher am Sonntag einen Bericht des "Spiegel". "Das machen zurzeit sehr viele Kapitalanlagegesellschaften". Dem Magazin zufolge lässt die Deutsche Bank seit Monaten von externen Prüfern untersuchen, ob ihre Händler an Manipulationen beteiligt waren. Zwei Mitarbeiter seien bereits suspendiert worden.

Worum es beim Libor-Skandal geht

Was ist der Interbankenmarkt?

Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Geber und Nehmer wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen in die jeweilige Stabilität. Denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieser Handel, der lange reibungslos funktionierte, war nach der Lehman-Pleite 2008 gestört, weshalb die Notenbanken die Privatinstitute immer wieder mit billiger Liquidität versorgen müssen.

Was ist der Libor?

Der Libor - die London InterBank Offered Rate - wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Mit den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz an dem sich alle möglichen Kredite in der Realwirtschaft mit variablen Zinsen orientieren.

Wie kann der Libor überhaupt manipuliert werden?

Das Problem ist die im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft mangelnde Transparenz. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen. Eigentlich sollen die Mitarbeiter, die die Sätze nach London melden, völlig neutral die Daten abliefern. Wie offen sich Händler der Bank mit diesen Mitarbeitern austauschten und absprachen, verdeutlichen etwa von der britischen Finanzaufsicht veröffentlichten internen Mails bei Barclays.

Wie unterscheidet sich der Euribor vom Libor?

Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro InterBank Offered Rate - für den Euro. Er wurde 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die höhere Zahl soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen.

Welches Interesse steht hinter den Manipulationen?

Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung. Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können den Banken dabei in die Karten spielen.

Weiß man, wie viel Geld mit den Zinsmanipulationen „gemacht“ wurde?

Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen US-Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.

Warum ist das nicht früher aufgefallen?

Bis zur Lehman-Pleite 2008 konnten Banken praktisch unkontrolliert schalten und walten. Die Manipulationen und möglichen Absprachen fielen erst auf, weil sich die Libor-Zinsen in der Finanzkrise nicht wie erwartet veränderten.

Gibt es jetzt eine andere Kontrolle der Banken?

Nach der Lehman-Pleite sollte alles besser werden. Weltweit wollte die Politik die Finanzbranche an die Kandare nehmen. Doch der Reformeifer schlief wieder ein. So versucht die britische Regierung etwa, den Finanzplatz London zu schützen. Allerdings führen Skandale wie der Libor-Fall der Politik die Probleme schmerzhaft vor Augen.

Welche Folge hat das für Privatkunden?

Kredite mit variablen Zinssätzen hängen direkt von Libor und Euribor ab. Diese sind in Deutschland allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in Spanien oder Großbritannien. Hierzulande vereinbaren etwa Häuslebauer lieber Kredite mit festen Zinsen.

Die Kapitalanlagegesellschaft des Bankhauses Metzler verwaltet Publikums- und Spezialfonds. Die Beteiligung an den Klagen sei ein normaler Vorgang. "Wir sind verpflichtet, rechtlich vorzugehen, weil wir eine Vermögensbetreuungspflicht für die Fondsanleger haben", sagte der Metzler-Sprecher.

Ein Sprecher der Deutschen Bank lehnte am Sonntag eine Stellungnahme ab und verwies nur auf den jüngsten Quartalsbericht. Dort heißt es allgemein, dass die Bank von verschiedenen Behörden in den USA und in Europa um Auskunft "im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen" zwischen 2005 und 2011 gebeten worden sei. Sie arbeite dabei mit den Behörden zusammen.

Kommentare (9)

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08.07.2012, 16:38 Uhr

Unglaublich, was die Bankster dort treiben Da bleibt einem die Spucke weg!

Account gelöscht!

08.07.2012, 16:41 Uhr

Hoffentlich gibt man sich nicht wieder mit einem einfachen Ruecktritt zufrieden. Und hoffentlich klaert man genau auf, von wie weit oben die Order zum Betrug kam.

Madoff hat ja eine gerechte Strafe erhalten. Warum sollte es in diesem Falle anders sein? Es geht wieder um gewaltige Betraege. Nun ja, Madoff war ja keine Bank. Aber wo ist der Unterschied. Die Zugehoerigkeit zu einer Bank, die Rechtsfreiheit schafft???? Die Beteiligung gar von Politikern???

Account gelöscht!

08.07.2012, 17:11 Uhr

Ein neuer Skandal, und natürlich ist die "Deutsche Bank" dabei.
Sei es "Streumunition", "Anti-Personen Minen", "Nahrungsmittel", etc.; wer nie fehlt, ist die "Deutsche Bank"!
Die "Deutsche Bank" ist wie die Mafia, sie ist in alle kriminellen Geschäfte verwickelt.

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