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13.07.2012

11:12 Uhr

Zinsmanipulationen

Auf Deutsche Bank könnte Milliarden-Strafe zukommen

Analysten von Morgan Stanley haben die potenziellen Strafzahlungen der Libor-Manipulatoren geschätzt. Die Deutsche Bank müsste besonders tief in die Tasche greifen. Die Schätzung ist allerdings hoch spekulativ.

Die Deutsche Bank in Frankfurt. dpa

Die Deutsche Bank in Frankfurt.

FrankfurtUnter den 16 Banken, die sich dem Vorwurf der Manipulation des Londoner Interbankensatzes Libor ausgesetzt sehen, kommen die Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland (RBS) wohl die höchsten Kosten zu. Analysten von Morgan Stanley sagen beiden Banken Kosten in Höhe von jeweils über einer Milliarde Dollar für potenzielle Strafen und Gerichtsverfahren voraus. Am billigsten käme demnach Lloyds davon. Ihre Gerichtskosten im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Libor-Manipulation schätzt Morgan Stanley auf 59 Millionen Dollar.

Für die Deutsche Bank dürfte es mit bis zu 1,04 Milliarden Dollar (852 Millionen Euro) teurer werden, während die RBS sich auf bis zu 1,06 Milliarden Dollar einstellen sollte. Anfallen würden die Kosten voraussichtlich in den Jahren 2013 und 2014, schrieben zwei Analysten von Morgan Stanley in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht.

Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind

16 Großbanken beteiligt

Die Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat die Ermittler in Europa, Japan und den USA auf den Plan gerufen. Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.

Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei. Im Folgenden einige Informationen zu diesen Instituten (in alphabetischer Reihenfolge):

Bank of America

Das US-Institut ist von den Ermittlungen betroffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren hatte. In ihrem Geschäftsbericht 2011 hat sich die Bank zur Sache aber nicht geäußert. Wegen Libor wurde die Bank vom Brokerhaus Charles Schwab verklagt.

Barclays

Die britische Großbank hat ein Fehlverhalten einiger Händler beim Libor eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Führungsspitze muss gehen. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.

BTMU

Im Februar 2012 wurde bekannt, dass die Schweizer Behörden unter anderem gegen das japanische Geldhaus Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen ermitteln. Die Bank machte dazu in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben. Zwei in London ansässige Händler wurden wegen Manipulationsvorwürfen beurlaubt - nach offiziellen Angaben hatte das aber nichts mit ihrer Arbeit bei BTMU zu tun.

Citigroup

Die US-Bank hat eingeräumt, dass Töchter von den Ermittlungen betroffen sind und ihre Kooperation bei der Aushändigung von Informationen angekündigt. In den USA ist die Bank auch von Libor-Klagen betroffen. In Japan wurde einigen Citi-Mitarbeitern auch die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Tibor vorgeworfen.

Credit Suisse

Die Schweizer Bank wird von den heimischen Behörden durchleuchtet. Sie werfen dem Institut als einem von insgesamt zwölf Häusern vor, Libor und Tibor manipuliert zu haben sowie damit zusammenhängende Derivate. Die Bank hat ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.

Deutsche Bank

Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.

HBOS

Die inzwischen zu Lloyds gehörende Bank taucht ebenfalls in Klageschriften in den USA auf. Im Geschäftsbericht 2011 teilte HBOS mit, die Auswirkungen und das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse seien nicht abzuschätzen. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.

HSBC

Die Bank hat erklärt, die Aufseher hätten sie um Informationen im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen gebeten und man kooperiere. In den USA tauchte die HSBC auch in Klageschriften im Zusammenhang mit Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 hieß es, das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse sei nicht abzuschätzen.

JP Morgan

Die Bank hat erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zum Thema Libor, Euribor und Tibor zusammen, das betreffe vor allem die Zeiträume 2007 und 2008. Die Bank taucht auch als Beschuldigte in US-Klagen auf.

Lloyds

Auch Lloyds hat eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern zugesagt und taucht in US-Klagen zu Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 erklärte die Bank wie die anderen Institute, der Ausgang der Ermittlungen sei offen.

Norinchuckin

Die japanische Bank hat die Libor-Ermittlungen in ihrem Geschäftsbericht 2011 nicht erwähnt. Im April 2011 war das Institut eines von zwölf, die vom Vermögensverwalter FTC Capital wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen verklagt worden waren.

Rabobank

Das niederländische Geldhaus, ebenfalls in einigen US-Klagen beschuldigt, arbeitet nach eigenem Bekunden mit den Ermittlern bei Libor zusammen. Die Bank hat erklärt, sie halte die Klagen für unbegründet und werde sich gegen die Vorwürfe entsprechend verteidigen.

RBC

Kanadas größte Bank machte in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben dazu, ob sie von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Zinsmanipulationen betroffen ist.

Royal Bank of Scotland

Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hatte erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Mehreren Mitarbeitern wurde Fehlverhalten vorgeworfen. Das Institut zahlt eine Strafe in Höhe von 615 Millionen Dollar an britische und US-Behörden.

UBS

Die Schweizer Bank hoffte als Kronzeuge bei den Libor-Ermittlungen darauf, dass die Behörden etwa in den USA und der Schweiz Milde walten lassen. Doch die Strafe fiel hoch aus: 1,16 Milliarden Euro zahlt die Bank wegen des Libor-Skandals.

WestLB

Aus Finanzkreisen wurde bereits im März vergangenen Jahres bekannt, dass die WestLB zu den untersuchten Instituten zählt. In ihrem Geschäftsbericht 2011 ging die Bank auf die Libor-Ermittlungen nicht ein. Allerdings zog sich das Haus schon im Juli 2011 aus dem Kreise jener Banken zurück, die den Dollar-Libor festsetzen. Die Landesbank ist inzwischen aufgelöst und kam damit den EU-Auflagen nach.

Die Analysten der US-Bank schätzen, dass sich die juristischen Auseinandersetzungen der Libor-Affäre für die betroffenen Banken am Ende auf rund sechs Milliarden Dollar belaufen könnten. Dabei nehmen sie an, dass der Zins pro Tag auf einen Zeitraum von vier Jahren um einen Basispunkt zu niedrig angesetzt wurde.

Die Stichhaltigkeit der Schätzung ist allerdings fragwürdig. Ein Branchenbeobachter in Frankfurt bewertete die Kalkulation gestern als „extrem willkürlich“. Den Gesamtschaden für Banken, Investoren und Anleger durch die Manipulationen schätz die „Financial Times“ auf 22 Milliarden Dollar.

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Barclays, die zweitgrößte britische Bank, hatte sich im vergangenen Monat zur Zahlung von 290 Millionen Pfund (367 Millionen Euro) an die Aufsichtsbehörden bereit erklärt. Die Unternehmensspitze war zudem zurückgetreten. Diese Strafe löste Spekulationen darüber aus, wie hoch wohl die Kosten für die anderen potenziellen Libor-Sünder ausfallen könnten.

Die Banken dürften „einen Aufschlag zahlen“ auf die Strafe für Barclays, da die Briten einen Nachlass von 30 Prozent von der Finanzdienstleistungsaufsicht FSA erhalten hätten, erklärten die Analysten. Dieser sei gewährt worden, da sich Barclays schnell kooperativ gezeigt habe.

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„Wir gehen von einer Basisstrafe von 650 Millionen Dollar“ für die anderen Banken aus, hieß es in dem Bericht. Auch die UBS werde wohl mit einer ermäßigten Strafzahlung von etwa 250 Millionen Dollar davonkommen, da die Bank frühzeitig gestanden und mit den Ermittlern kooperiert habe.

Die Strafen der Regulierer dürften den Gewinn je Aktie bei den betroffenen Banken 2012 wohl um sieben bis zwölf Prozent reduzieren, schrieben die Morgan-Stanley-Analysten. Zudem könnten die Gerichtskosten ihren Gewinn je Aktie über 2013 und 2014 hinweg um sieben Prozent belasten.

Kommentare (12)

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Globale_Bankster

13.07.2012, 10:52 Uhr

Zentralbanken die größten Betrüger der Neuzeit!!!

Der Libor-Skandal erschüttert die Bankenwelt.
Doch die eigentlichen Zinsbetrüger sind die Zentralbanken. Sie manipulieren die Zinsen schon seit Jahren künstich nach unten. Fed, EZB, BoE sind nichts anderes als ein betrügerisches Zins-Kartell.

Sie betreiben damit die bewusste Enteignung der Sparer zugunsten von überschuldeten Staaten.


www.mmnews.de

Account gelöscht!

13.07.2012, 11:51 Uhr

würde mir sehr wünschen, das DIESE Bank endlich für Ihre unglaublichen Straftaten gerade stehen muss.
Was Ackermann in den letzten Jahren angestellt hat ist hochkriminell und ich wundere mich sehr, warum dieser Kerl nicht hinter Gittern sitzt und zwar lebenslänglich mit anschliessender Sicherheitsverwahrung.

Mazi

13.07.2012, 12:02 Uhr

Wenn 1 Basispunkt bzw. 0,01 % am LIBOR-Zins schon solche Auswirkungen hat und die staatlichen Aufsichtsbehörden sich nie um das Thema gekümmert haben, dann sollten wir uns darüber Gedanken machen, mit was sich die staatlichen Stellen überhaupt beschäftigt haben.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen
(http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,g14yuwn57c79vi7q~cm.asp)

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