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20.09.2017

09:00 Uhr

Zinsportal

Weltsparen kauft britisches Fintech

VonKatharina Schneider

Viele Finanzdienstleister reduzieren wegen des Brexit ihre Präsenz in Großbritannien, doch das Berliner Zinsportal Weltsparen will dort bald richtig durchstarten. Eine Übernahme soll dabei helfen.

Das Fintech Weltsparen will sein Angebot in Großbritannien ausbauen. dpa

Britische Pfund-Banknote

Das Fintech Weltsparen will sein Angebot in Großbritannien ausbauen.

FrankfurtMit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union geht für einige Unternehmen auch ein Austritt aus dem britischen Markt einher. Insbesondere Banken wollen Tausende Stellen im Vereinigten Königreich abbauen. Tamaz Georgadze dagegen will jetzt erst auf der Insel durchstarten. Mit seinem Finanztechnologie-Start-up Weltsparen – international auch als Raisin bekannt – hat er soeben das britische Unternehmen PBF Solutions übernommen und will nun am britischen Markt wachsen – mit weiteren Mitarbeitern und vor allem mit Kunden.

Weltsparen ist eine der größten deutschen Plattformen für Online-Tages- und Festgeldkonten. Gegründet wurde das Unternehmen 2013. Nach eigenen Angaben haben inzwischen mehr als 90.000 Kunden mehr als 4,3 Milliarden Euro über das Zinsportal angelegt.

Das Geschäftsmodell ist einfach: In Zeiten von Niedrigzinsen bekommen Sparer von ihrer Hausbank kaum noch attraktive Tages- und Festgeldzinsen. Anders ist das bei Banken im europäischen Ausland oder auch deutschen Instituten, die kein eigenes Privatkundengeschäft haben. Sie zahlen deutlich mehr. Das Zinsportal schafft den Kontakt und hilft den Kunden bei der Kontoeröffnung. Insgesamt zählt Weltsparen aktuell 35 Partnerbanken in 17 Ländern.

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Auch PBF Solutions stellt den Kontakt zwischen Auslandsbanken und britischen Kunden her. Bisher hat das ebenfalls 2013 gegründete Unternehmen rund 3,5 Milliarden Euro vermittelt. Zudem hat es mehrere Vergleichsportale entwickelt. Im Gegensatz zu Weltsparen bietet es aber noch keine zentrale Online-Plattform, bei der sich Kunden einmal anmelden und dann ihre Anlagen verwalten können.

„Diesen Service werden wir den britischen Kunden in den nächsten Monaten bereitstellen“, sagte Georgadze dem Handelsblatt. Die Marken von PBF, zu denen mehrere Plattformen wie SavingsDeals und die Kreditplattform Fundshare gehören, würden nach und nach unter das Raisin-Dach überführt.

Bislang hat Weltsparen in Deutschland, Österreich, Spanien und Frankreich eigene Portale mit landesspezifischen Angeboten. Im Rest Europas ist es unter dem Firmennamen Raisin aktiv. Für den Kauf von PBF Solutions nennt Georgadze mehrere Gründe: „Mit unserem ersten Zukauf wollen wir unsere Position als europäischer Marktführer ausbauen“, so der Geschäftsführer.

Tipps für erfolgreiche Fintech-Kooperationen

Flucht aus den vier Wänden

Ein eigenes Innovationslabor innerhalb eines Start-up-Ökosystems kann helfen, sich von organisatorischen und kulturellen Zwängen zu lösen. Komplett abgeschnitten von der Hauptorganisation sollte dies aber auch nicht sein, eine umsichtige Verbindung fördert den wirtschaftlichen Erfolg.

Schneller Anbindungsprozess

Große Organisationen sollten flexible Prozesse bereithalten, um Fintechs schnell einzugliedern.

Pragmatischer Umgang mit intellektuellem Eigentum

Lizenzbedingungen gewinnen an Bedeutung. Deshalb sollten Banken auch hier einen flexiblen Ansatz wählen.

Koordinierte Innovationsstrategie

Fintechs werden immer unterschiedlicher und Fintech-Zentren entwickeln sich global. Multinationale Banken brauchen deshalb einen koordinierten Plan und eine zentrale Wissensbasis, um die attraktivsten Innovationen zu identifizieren.

Die Partner kennen

Bevor Banken mit einem Fintech kooperieren, sollten sie die Gründer persönlich kennenlernen. Das bringt mehr Erkenntnisse als beispielsweise ein 200-seitiger Fragebogen.

Das richtige Investmentmodel

Zunächst einen Minderheitsanteil an einem Fintech zu erwerben kann sinnvoller sein als das junge Unternehmen gleich komplett zu übernehmen. So wird vermieden, dass Innovationen ausgebremst werden.

Quelle

Simmons & Simmons, Hyperfinance, April 2017

Zudem sei der britische Einlagenmarkt der zweitgrößte in Europa und damit besonders interessant. Wegen des bevorstehenden Brexit sei es für ein ausländisches Unternehmen aber schwierig, dort Fuß zu fassen. „Aus Berlin könnten wir den Markt nicht angemessen bedienen“, so Georgadze. „Gemeinsam mit dem Team von PBF Solutions wird das leichter fallen.“

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