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09.08.2014

17:58 Uhr

Zinsstarke Hybridpapiere

„CoCo“-Bonds werden für Banken zum teuren Vergnügen

Anleger gieren nach „CoCos“: Im Niedrigzinsumfeld sichern die neuartigen Hybridanleihen hohe Zinsen. Doch bisher hat nur die Deutsche Bank Papiere emittiert. Im Spätherbst könnten sich andere Banken doch noch trauen.

Die Deutsche Bank ist der bislang einzige Emittent von „CoCos“ in Deutschland. Anderen Geldhäusern sind die Papiere wohl zu teuer. ap

Die Deutsche Bank ist der bislang einzige Emittent von „CoCos“ in Deutschland. Anderen Geldhäusern sind die Papiere wohl zu teuer.

FrankfurtIm April hatten es alle Banken ganz eilig. Wann denn endlich die Steuerbehörden und die Aufsicht Bafin die Voraussetzungen schaffen für die neuartigen Hybridanleihen, drängelten die Finanzabteilungen vieler deutscher Geldhäuser. Schließlich ticke die Uhr für die Ausgabe der sogenannten „CoCo“-Bonds, sonst drohten die ausländischen Konkurrenten den Markt ganz alleine abzuräumen.

Doch als das grüne Licht endlich da war, schritt nur die Deutsche Bank zur Tat. Nachahmer blieben aus. Für die Aareal Bank oder die Commerzbank wären die Papiere nun schlicht zu teuer, sagen Branchenkenner. Und eine Emission solcher Hybridpapiere während des Banken-Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte bei Investoren für Stirnrunzeln sorgen. „Wir erwarten bis zum Ende des Jahres in Deutschland keine weiteren CoCo-Platzierungen“, sagt ein Fondsmanager.

„CoCos“ („Contingent Convertible Bonds“) - auch zusätzliches Kernkapital (AT1) oder Options-Genussscheine genannt - sind neuartige Papiere, die die Banken künftig gegen Krisen abfedern sollen, ohne dass der Steuerzahler einspringen muss. Anleger gieren danach, weil sie im Niedrigzinsumfeld hohe Zinsen bekommen. Wo sonst gibt es auf festverzinsliche Wertpapiere sieben Prozent und mehr?

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 10 – Postbank

Bilanzsumme 2013 der Deutsche-Bank-Tochter: 161,5 Milliarden Euro

Platz 9 – Helaba

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale: 178,1 Milliarden Euro.

Platz 8 – NordLB

Bilanzsumme 2013 der Norddeutschen Landesbank: 200,8 Milliarden Euro

Platz 7 – BayernLB

Bilanzsumme 2013 der Bayerischen Landesbank: 255,6 Milliarden Euro

Platz 6 – LBBW

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Baden-Württemberg: 273,5 Milliarden Euro

Platz 5 – Unicredit

Bilanzsumme 2013 der Unicredit (inkl. Hypo-Vereinsbank): 290 Milliarden Euro

Platz 4 – DZ Bank

Bilanzsumme 2013 der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank: 387 Milliarden Euro

Platz 3 – KfW

Bilanzsumme 2013 der KfW-Bankengruppe: 464,8 Milliarden Euro

Platz 2 – Commerzbank

Bilanzsumme 2013: 549,7 Milliarden Euro

Platz 1 – Deutsche Bank

Bilanzsumme 2013: 1611,4 Milliarden Euro

Quelle: Die Bank/Statista

Doch wenn die Eigenkapitalpolster der Bank unter eine gewisse Schwelle fallen, müssen die Anleger ihre Anleihen in den Wind schreiben oder gegen Eigenkapital tauschen. So oder so: das Geld ist dann voraussichtlich weg. Wegen des großen Risikos sind die Bonds auch nicht für Kleinsparer gedacht.

Die Wiesbadener Aareal Bank hatte mit einem AT1-Papier eigentlich noch im ersten Halbjahr ihre restlichen Staatshilfen von 300 Millionen Euro tilgen wollen. Ende Juli, als an den Märkten längst Sommerruhe eingekehrt war, legte das Institut seine „CoCo“-Pläne dann zurück in die Schublade. „Die Marktbedingungen waren schon zum Ende des ersten Halbjahres nicht mehr gegeben“, sagte ein Sprecher lapidar. „Die Unsicherheiten an den Märkten sind weiterhin hoch.“

Was war passiert? Die Krise um die portugiesische Banco Espirito Santo hatte die Investoren stark verunsichert. Die spanische Banco Popular Espanol (BPE) zog Mitte Juli eine 750 Millionen Euro schwere AT1-Emission nach nur einem halben Tag wieder zurück, nachdem Investoren eine deutlich höhere Rendite gefordert hatten. Die erste Zäsur für den jungen Markt. „BPE hat den Markt sehr nervös gemacht“, sagte ein Banker, der mit an der Emission gearbeitet hatte. „CoCos“ seien lange zu billig gewesen, das habe sich damit geändert. „Jetzt haben die Investoren bei CoCos plötzlich die Oberhand“, sagte ein anderer Branchenkenner.

„Das ist jetzt nicht das optimale Umfeld, um einen CoCo zu platzieren“, räumt auch Assenagon-Fondsmanager Michael Hünseler ein, der einen Investmentfonds für derartige Papiere aufgelegt hat. „Die Vorgänge in Spanien zeigen, wie schnell man die Märkte vergrätzen kann.“ Dabei hatten die Anleger der Deutschen Bank die Papiere noch im Mai regelrecht aus den Händen gerissen. 3,5 Milliarden Euro in Form von Options-Genussscheinen platzierte das Geldhaus in mehreren Tranchen - mehr als zunächst geplant. Die Euro-Tranche wurde mit sechs Prozent verzinst.

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