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17.03.2013

15:35 Uhr

Zinswetten

Deutscher Bank droht Ärger in Österreich

Das österreichische Bundesland Salzburg prüft Schadensersatzansprüche gegen Banken, die dem Land riskante Finanzprodukte verkauft haben. Auch der Deutschen Bank droht neuer Ärger nach dem Zinswetten-Skandal in Italien.

Riskante Zinswetten gegen Städte und Kommunen haben die Deutsche Bank und andere Investmentbanken bereits in Italien in die Schlagzeilen gebracht. dpa

Riskante Zinswetten gegen Städte und Kommunen haben die Deutsche Bank und andere Investmentbanken bereits in Italien in die Schlagzeilen gebracht.

FrankfurtDer Deutschen Bank droht dem „Spiegel" zufolge neuer Ärger im Zusammenhang mit Zinswetten. Schon seit einiger Zeit prüfe die Regierung des österreichischen Bundeslandes Salzburg Schadensersatzansprüche gegen Banken, die dem Land über Jahre riskante Finanzprodukte verkauft hätten, meldete das Magazin am Sonntag. Ein Untersuchungsausschuss befasse sich mit der Affäre.

Meinhard Lukas, Berater des Landes bei der Aufarbeitung des Finanzskandals, wolle nun die Rolle der Deutschen Bank genauer durchleuchten. „Die Deutsche Bank hat die Salzburger Finanzverwaltung auf diesem Weg intensiv begleitet. Das wirft zahlreiche Rechtsfragen auf", sagte Lukas dem Magazin. So habe die Bank dem Land hochkomplexe Produkte verkauft, ohne über deren anfänglichen Marktwert aufzuklären. Auch habe die Bank eine Doppelrolle gespielt, da sie Risikoberichte über das gesamte Finanzportfolio für Salzburg erstellte, zugleich aber einer der wichtigsten Lieferanten der umstrittenen Produkte war.

Das Leben des Anshu Jain

Wie „Slumdog Millionaire“?

Das Leben von Anshu Jain hat mit diesem Märchen vom bettelarmen Ghettokind, das es zu Reichtum brauchte, nichts zu tun. Seine Eltern waren nicht reich, aber ein geordneter Wohlstand begleitete Jains Kindheit. Er besucht eine der besten Privatschulen Dhelis. Die Noten sind spitze, er studiert VWL, damals noch nicht um Banker zu werden, sondern um alles über „Wirtschaft und Finanzen zu verstehen“.

Aufenthalt in Kabul

Jains Vater wurde als Staatsdiener häufig versetzt, so auch ein Jahr lang nach Afghanistan. Anshu Jain besuchte in der Zeit die indische Schule in Kabul. Das war, bevor die Rote Armee einmarschierte. Es entsteht eine gewisse Distanz zu seinem Heimatland: Die spezielle Form des Staatssozialismus mit all der irrsinnigen Bürokratie schrecken Jain ab. Er will diese Zustände hinter sich lassen.

Wie religiös ist Jain?

Es kursieren viele Klischees über den Jainismus und die Art, wie Anshu Jain mit seinem Glauben umgeht. Er selbst bezeichnet sich als nicht sonderlich religiös. Die angedichtet Abstinenz ist Legende. Er mag ein gutes Glas Rotwein und seitdem er in Frankfurt wohnt auch Riesling. Vegetarier ist Jain nicht aus religiösen Gründen. Der Tierfreund will nicht, das andere Geschöpfe für ihn leiden.

Unabhängig von Besitz

Immerhin hat ihm der Jainismus gelehrt, dass nur wer seine Sinne kontrolliert, im Berufsleben die höchsten Ziele erreicht. Dazu gehört eine enorme Disziplin und ein strenges Wertekorsett. Seine Eltern haben Jain vor allem mitgegeben, sich von unnötigem Besitz unabhängig zu machen. Das mag irritieren angesichts seines Gehaltes. Aber Jain protzt kein bisschen mit dem, was er hat. Im Gegenteil spendet die er umfangreich und gibt sich bescheiden. Die Millionen auf dem Konto sind laut Lehrmeinung mit dem Jainismus vereinbar, so lange der Co-Chef der Deutschen Bank anderen dient.

Die große Liebe – schon mit 17

Jain ist noch keine 18 Jahre alt, als er am College die Liebe seines Lebens kennenlernt. Inzwischen ist er mit Geetika über ein Vierteljahrhundert verheiratet. Dabei stand der Glauben zwischen ihnen. Geetika ist Angehörige der Sikhs, einer monotheistischen Religion. Dagegen kennen die Jainas weder Gott noch Priester. Die junge Paar überwindet diesen Gegensatz und einen weiteren Schicksalsschlag ...

Der Auswanderer

Anshu Jain hatte seinen amerikanischen Traum schon lange. Die freie Gesellschaft lockte ihn. Doch als Geetika mit ihrer Familie in die USA auswanderte, gab es für ihn endgültig kein Halten mehr. Jain folgte ihr stark unterstützt vom Vater, der Haus und Hof verpfänden musste. Anshu Jain zahlte ihm das Geld vom ersten Gehalt so schnell wie möglich zurück.

Die Kinder

Jain hat einen Sohn und eine Tochter. Beide leben inzwischen nicht mehr zu Hause. Tochter Aranya besuchte die wohl beste Mädchenschule Großbritanniens und machte ihren Master an einer Top-Uni in den USA. Auch Arjun Jain ist auf einem guten Weg, er studiert in Princeton. Neben ist er Gitarrist in einer Rockband und fotografiert sehr gern – wie man hört noch besser als der Vater.

Der Menschenkenner

Wegbegleiter schwärmen von Jains Verstand, aber noch häufiger von der emotionalen Intelligenz, die er ausstrahlt. Egal ob Familie, Seinesgleichen oder Untergebene: Jain ist bekannt für seine enorme Sensibilität. Nie würde er seine indischen Wurzeln vergessen. Jain gilt als „Kümmerer“, der für die Deutsche Bank so ziemlich alles tun würde.

Der Sportler

Cricket ist bekanntermaßen Jains Lieblingssport. Er ist kein normaler Fan, er liebt den Sport fanatisch. Top-Spieler zählen zu seinen besten Freunden. Selbst in härtesten Arbeitswochen verpasst er kein Spiel des indischen Teams. Aktiv ist Cricket für Jain kaum noch zu betreiben. Er liebt Bridge und ist Golfer.

Der Naturliebhaber

Jain ist ein großer Liebhaber der Wildnis. Ein Hobby, das er mit seiner Frau teilt. Sie haben bereits mehr als 60 Länder bereist, wie Georg Meck in deinem „The Deutsche“ (Campus Verlag) beschreibt. Als freie Journalistin schreibt sie über die gemeinsamen Erlebnisse. Hier erfährt die Welt zum Beispiel, wie die Jains Berggorillas suchten und die Familie in wildester Umgebung klarkommen musste. Die durchaus gefährlichen Abendteuer schweißten vier zusammen.

Rucksack statt Aktenkoffer

Bitte kein Aktenkoffer: Anshu Jain ist Rucksackträger. Den schwarzen Nylonsack der US-Marke Incase soll ihn als coolen, mobil-dynamischen, unprätentiösen Typen ausweisen. So könnte er leicht „einer von uns“ sein, wäre da nicht das zweite Utensil, das Jain prägt ...

Der Knopf im Ohr

... der Knopf im Ohr. Den braucht Jain, um die Deutschen zu verstehen. Ohne Simultanübersetzer hat der gebürtige Inder hierzulande keine Chance, da mag die Amtssprache der Deutschen Bank auch schon seit langem Englisch sein. Aber Jain ist lernwillig ...

Sätze auf Deutsch

... er bemüht sich, Deutsch zu lernen. Sein erster großer Auftritt war am 12. Juni 2012 vor dem CDU-Wirtschaftsrat in Berlin. Mit 300 Vokabeln ausgestattet sagte er: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich fühle mich sehr geehrt, heute vor ihnen zu stehen – dies ganz besonders als Co-Chef der Deutschen Bank.“ Applaus. „Ich möchte Ihnen auch herzliche Grüße meines Partners, Jürgen Fitschen, überbringen.“ Es folgten drei weitere Sätze abschließend mit der Bitte, nun ins Englische zu wechseln. Jain schaffte es am nächsten Tag auf die Titelseite der Bild-Zeitung als „Sieger des Tages“. Auf der Hauptversammlung im Mai 2013 hielt Jain dann seine komplette zehnminütige Rede auf Deutsch.

Die Deutsche Bank erklärte am Sonntag, „die Transaktionen erfolgten im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen und den Richtlinien der Bank." Weiter wollte sich ein Sprecher nicht äußern.

Riskante Zinswetten gegen Städte und Kommunen haben die Deutsche Bank und andere Investmentbanken bereits in Italien in die Schlagzeilen gebracht. Ein Gericht in Mailand hatte die Banken im Dezember des schweren Betrugs für schuldig befunden. Die Banken hatten Derivate an die Stadt Mailand verkauft, die sie mit der Aussicht auf niedrigere Zinsen köderten.

Doch letztlich kosteten die Zinsswaps die Stadt Millionen. Das Urteil war nur der Auftakt zu einer ganzen Serie von Prozessen: Rund 600 italienische Kommunen haben Derivate im Volumen von 36 Milliarden Euro gekauft, nun drohen ihnen nach Daten der heimischen Notenbank daraus Verluste von fast vier Milliarden Euro. Alle Banken hatten Berufung gegen das Urteil angekündigt.

Auch in Deutschland wollten Kommunen mit riskanten Zinsswaps - Wetten auf die künftige Zinsentwicklung - ihre Zinslast senken und häuften stattdessen Verluste an. Schlagzeilen machten etwa Pforzheim und Landsberg am Lech, die jeweils mehrere Millionen in den Sand setzten und sich noch heute mit der Aufarbeitung ihrer Finanzskandale beschäftigen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.03.2013, 16:54 Uhr

So ist es doch überall im Salestrading/Sell-Side: Wenn sie Verluste machen versuchen sie die Schuld bei andern zu suchen. Bei Gewinnen bekommt man nicht einmal ein Dankeschön.

Versagerpack !

Nachrechner

17.03.2013, 17:09 Uhr

Ich kann es langsam nicht mehr hören: die ganze Welt hat mitgezockt und keiner will es verstanden haben. Es ist doch keine Überraschung, dass eine Bank, die die Finanzverwaltung Salzburg berät, auch versucht eigene Produkte abzusetzen. Jede Finanzabteilung einer Unternehmung beachtet dies und steuert ihre Bankverbindungen am sogenannten cross-selling. Will man einen Interessenkonflikt vermeiden, zieht man (bank-) unabhängige Berater hinzu, die Neutralität gewähren können. Alles andere ist schon nicht mehr als naiv sondern eher als fahrlässig zu bezeichnen.

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