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18.09.2011

13:52 Uhr

Zocker-Skandal

UBS-Chef Grübel klammert sich an seinen Job

UBS-Händler Adoboli hat wahrscheinlich schon seit 2008 unerlaubt Milliarden verzockt, doch das Risikomanagement der Bank bemerkte nichts. Trotzdem denkt UBS-Chef Grübel nicht an Rücktritt. Politiker fordern Konsequenzen.

Handelsskandal bei der UBS

Video: Handelsskandal bei der UBS

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Genf/Zürich/FrankfurtUngeachtet des Milliardenverlusts der Schweizer Großbank UBS durch illegale Geschäfte eines Londoner Händlers lehnt der UBS-Vorstandsvorsitzende Oswald Grübel einen Rücktritt ab. "Ich habe die Verantwortung für alles, was in  der Bank passiert - ich fühle mich aber nicht schuldig", sagte Grübel der Schweizer Zeitung "Sonntag". Mit Blick auf Rücktrittsforderungen linker Politiker sagte er, diese seien "rein politisch" motiviert. Er denke nicht über einen Rücktritt nach,  letztlich liege die Entscheidung aber beim UBS-Verwaltungsrat.

"Wenn jemand mit krimineller Energie vorgeht, können Sie nichts machen. Das wird es in unserem Job immer geben", sagte der UBS-Chef zu den betrügerischen Geschäften, die am Donnerstag in der Londoner Zentrale aufgedeckt worden waren. Grübel wollte in dem Interview keine näheren Angaben dazu machen, wann er selber von dem Milliarden-Verlust erfahren hat: „In dem Zeitpunkt, wo wir es entdeckt haben“, sagt er auf die entsprechende Frage. Der Vorfall wird derzeit von den Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritanniens untersucht. Mit der Untersuchung ist ein außenstehendes Unternehmen beauftragt, das unabhängig von der UBS sein soll.

Der Deutsche Grübel hatte die Führung der UBS mitten in der Finanzkrise übernommen und die angeschlagene Bank bis 2010 aus der Verlustzone geführt. Seit Bekanntwerden der illegalen Geschäfte steht er ebenso wie der Chef der Investment-Sparte, Carsten Kengeter, aber zunehmend unter Druck.

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

UBS-Großaktionär Singapur hält laut "NZZ am Sonntag" an Grübel fest. Die Frage nach dem Chefposten sei Sache des Verwaltungsrats, sagte Grübel. In diesem Gremium hat der UBS-Chef Berichten anderer Sonntagszeitungen der Schweiz zufolge weiter Rückhalt. Die UBS stellt zudem ihr Investmentbank-Geschäft auch nach den entdeckten illegalen Geschäften nicht grundsätzlich infrage. Analysten gehen aber davon aus, dass die größte Schweizer Bank ihr Investmentbanking nach dem Handelsskandal verkleinern und neu ausrichten muss.

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger sagte dazu der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom Samstag zufolge, die Investmentbank als solche stehe für die UBS nicht zur Disposition. Sie werde gebraucht. Die Strategie einer auf Dienste für die Kunden ausgerichteten Investmentbank bewähre sich. Abzuklären gelte es jedoch, ob und wie die Kundenfokussierung und die Kontrolle noch weiter verbessert werden könnten. Klar sei auch, dass die Investmentbank künftig mit weniger Kapital werde auskommen müssen.   

Der Handelsskandal komme zur Unzeit, sagte Villiger der Zeitung zufolge weiter. Er sei eigentlich wirklich überzeugt, dass es der UBS-Führung gelungen sei, das Risikomanagement und die Kontrolle auf die Höhe der Zeit zu bringen. Die Tatsache, dass so etwas trotzdem habe passieren können, zeige, dass es irgendwo noch Lücken gebe, die geschlossen werden müssten.  

Die Schweizer Großbank hat mittlerweile eine unabhängige Untersuchungskommission auf den Fall angesetzt und eine externe Prüfungsgesellschaft engagiert, teilte das Unternehmen mit. Die Kommission wird von dem UBS-Verwaltungsrat David Sidwell geleitet, der früher Finanzchef bei Morgan Stanley war.      

Kommentare (5)

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trottellumme

18.09.2011, 12:59 Uhr

Der macht sich das aber einfach: "Wenn einer mit krimineller Energie vorgeht, können wir nichts machen.."
Ob das die FINMA genauso sieht? Wir werden sehen, ich habe da meine Zweifel.
Jedenfalls ist dieser Vorfall ein erneutes Armutszeugnis fèr die UBS. Wieso sollte er denn auch zurücktreten ? Im Zweifel springt ja wieder der Staat bzw der Steuerzahler wieder ein. Als Manager wird man unter diesen luxuriösen Umständen förmlich dazu erzogen, Verantwortung abzulehnen.Die Bank verkommt zu einem besseren Spielkasino, in dem der Anleger allein das Risiko trägt, neben der Allgemeinheit, versteht sich....

Buecherwurm

18.09.2011, 13:42 Uhr

Wenn er von sich aus gehen würde, wäre er auch ziemlich unklug, da er damit auch auf die horrende Abfindungszahlung verzichten würde.

Account gelöscht!

18.09.2011, 14:07 Uhr

Findet man irgendwo im Netz Details zu den schief gelaufenen Wetten? Mich würde das echt mal interessieren wofür das ganze Geld eigentlich drauf gegangen ist.

Aber eigentlich sollte man das locker sehen, die Kohle ist ja nicht weg. Sie hat nun bloß jemand anders ;)

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