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07.04.2016

14:47 Uhr

Zu hohe Dividenden

Euro-Banken haben Geld verprasst

Geldhäuser der Euro-Zone sollten laut Dachorganisation BIZ mehr auf ihre Gewinnreserven achten. Dann würde mehr Geld für Kredite zur Verfügung stehen. Vor allem in drei Ländern wurden zu hohe Dividenden gezahlt.

Banken-Skyline in Frankfurt:  Auch die Deutsche Bank habe in den vergangenen zu hohe Dividenden ausgeschüttet, rechnet die Dachorganisation BIZ vor. Reuters

Frankfurt

Banken-Skyline in Frankfurt: Auch die Deutsche Bank habe in den vergangenen zu hohe Dividenden ausgeschüttet, rechnet die Dachorganisation BIZ vor.

FrankfurtBanken im Euroraum haben ihre Kapitalbasis durch die Ausschüttung von erheblichen Dividenden während der Krisenjahre geschwächt. Das gilt insbesondere für Frankreich, Spanien und Italien, wo die Ausschüttungen nach Auffassung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) seit 2007 das Niveau der einbehaltenen Gewinne überschritten haben.

Diese Gelder hätten stattdessen dazu beitragen können, die Kreditvergabe an die Realwirtschaft zu steigern, sagte Hyun Song Shin, Leiter Analyse bei der „Zentralbank der Zentralbanken“ in Basel, am Donnerstag laut Text einer Rede in Frankfurt. Höhere Eigenkapitalquoten senken die Finanzierungskosten der Banken, sodass mehr Geld für Kredite zur Verfügung steht, argumentiert eine Studie, die Shin in Frankfurt vorstellte.

Dividenden - Fragen und Antworten

Was ist eine Dividende?

Die Dividende ist der Anteil am Gewinn einer Aktiengesellschaft, den ein Konzern direkt an die Anleger ausschüttet. Einen Anspruch auf Dividende haben Aktionäre nicht. Unternehmen können das Geld auch nutzen, um Schulden zurückzuzahlen, Investitionen zu tätigen oder Übernahmen zu finanzieren. Manche Unternehmen wie die Deutsche Telekom zahlen Aktionären auch eine Mindest-Dividende.

Was ist die Dividendenrendite?

Die Dividendenrendite gibt den prozentualen Anteil der Dividende am Aktienkurs an.

Wer bekommt eine Dividende und wann?

Dividendenberechtigt ist jeder, der am Tag der Hauptversammlung mindestens eine Aktie des Unternehmens im Depot hat – egal, ob er sie bereits vor Jahren oder erst am Tag zuvor gekauft hat. Der vom Management vorgeschlagene Bonus wird mit den Stimmen der Aktionäre bei der Hauptversammlung beschlossen. Schon direkt am Folgetag oder kurz darauf landet die Dividende auf dem Konto des Anlegers. In Deutschland ist eine jährliche Dividendenzahlung üblich.

Lohnt es sich, eine Aktie nur zur Ausschüttung zu kaufen?

Von der verlockenden Strategie, kurz vor dem Stichtag zu kaufen, um einen Tag danach wieder zu verkaufen, raten Experten Normalanlegern ab. Denn schon vorher ist üblicherweise die vom Unternehmen angekündigte Dividende im Aktienwert „eingepreist“. Das heißt, der Kurs ist in den Wochen vor der Hauptversammlung um diesen Betrag gestiegen – und fällt danach meist wieder.

Was bekommt das Finanzamt?

Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte, die eine pauschale Besteuerung von 25 Prozent vorsieht. Für Aktionäre bedeutet dies, dass ein Viertel ihrer Dividenden an den Fiskus wandert. Die Banken, bei denen Aktionäre ihre Depots verwalten, führen die Steuer automatisch ab. Bei Wertpapierbeständen im Ausland müssen Anleger selbst aktiv werden und die Dividenden in der Steuererklärung angeben.

„Banken haben erhebliche Bardividenden gezahlt, selbst in jenen Regionen, wo die Bankkredite nicht ausreichend waren, um die Erholung zu unterstützen“, sagte Shin in der Rede. „Das sollten die Zentralbanker bei ihrer Geldpolitik beachten, gleiches gilt für ihr Finanzstabilitäts-Mandat.“

Banker und einige Währungshüter plädieren für eine flexible Handhabung der strengen Kapitalanforderungen und aufsichtsrechtlichen Vorschriften, die nach der Finanzkrise vereinbart wurden. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, die Konjunktur in Europa in Schwung zu bringen. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der bei der BIZ in Basel angesiedelt ist, warnte diese Woche vor „kurzsichtigen“ Forderungen nach einer Lockerung der aufsichtsrechtlichen Standards.

Die 90 Euroraum-Banken in der Studie von Shin, darunter Deutsche Bank, BNP Paribas, Unicredit und Banco Santander, haben im Zeitraum von 2007 bis 2014 kumulierte Dividenden von 196 Milliarden Euro gezahlt, berichtete Shin. Die einbehaltenen Gewinne, also die Summe aller Bankengewinne, die nicht ausgeschüttet wurden, beliefen sich 2014 auf 261 Milliarden Euro und waren in den sieben Jahren fast unverändert.

 „Das bedeutet, dass die einbehaltenen Gewinne jener Banken 2014 um 75 Prozent höher gewesen wären, wenn die Banken beschlossen hätten, die Gewinne wieder ihrem eigenen Kapital zuzuführen statt sie als Dividende auszuschütten“, erklärte Shin. „Bei der Untergruppe von Banken aus Spanien, Frankreich und Italien wären die einbehaltenen Gewinne dann mehr als doppelt so hoch wie Ende 2014 gewesen.“

Die Analyse zeigt auch, dass ein Anstieg von einem Prozentpunkt im Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme einer Bank mit einer Senkung der Finanzierungskosten des Kreditinstituts um vier Basispunkte verbunden ist. Es hat auch einen Anstieg von 0,6 Prozentpunkten beim Kreditwachstum zur Folge, sagte Shin.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit Sitz in Basel wurde 1930 gegründet. Unter anderem spielt sie bei der Verwaltung der weltweiten Devisenreserven und Goldbestände der Zentralbanken eine wichtige Rolle.

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