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12.08.2013

09:31 Uhr

Zu hohe Kosten

Europas Banken dünnen ihr Filialnetz aus

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise streichen die Banken radikal die Ausgaben zusammen. Auch bei den Filialen wird gespart. Europas Geldhäuser schlossen seit 2008 mehr als 20.000 Vertretungen – und es werden noch mehr.

Geschlossene Niederlassung der Bank of Cyprus in Athen: Die Banken dünnen ihr Filialnetz aus. Reuters

Geschlossene Niederlassung der Bank of Cyprus in Athen: Die Banken dünnen ihr Filialnetz aus.

London/MadridDie Banken haben seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 in der EU mittlerweile mehr als 20.000 Filialen geschlossen. Allein im vergangenen Jahr dünnten die gebeutelten Institute ihr Netz um 5500 Vertretungen aus und 2011 um 7200, wie einer Reuters-Analyse zufolge aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Die Zahl der Filialen schrumpfte damit seit 2008 um insgesamt acht Prozent, im vergangenen Jahr belief sich der Rückgang auf 2,5 Prozent.

Die Geldhäuser wollen mit der Schließung von Filialen vor allem ihre Kosten drücken und somit die geschmolzenen Gewinne aufpäppeln. Zusätzlich verstärkt die anhaltende Zunahme von Internet-Banking diesen Trend, der Experten zufolge noch jahrelang anhalten dürfte.

Kaum eine Bank kann sich heute noch den Luxus unprofitabler Filialen leisten. Immerhin verursacht das Filialnetz wegen der hohen Ausgaben für Immobilien und Personal einer Analyse der Deutschen Bank zufolge insgesamt etwa 60 Prozent aller Kosten im Privatkundengeschäft.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Deshalb könnte die Branche in der EU dem Beratungsunternehmen McKinsey und Bankenverbänden zufolge spätestens 2021 durch die Ausdünnung des Netzwerkes zusätzliche Gewinne in Höhe von 15 bis 20 Milliarden Euro generieren.

Dennoch zögern viele Institute – obwohl sie gleichzeitig zugeben, dass sie bei der Ausdünnung des Netzes eigentlich viel zu langsam vorgehen. Sie fürchten den Verlust langjähriger Kunden und Proteste in ländlichen Gebieten. „Eine Schließung liefert den Kunden immer einen Anlass, über einen Wechsel der Bank nachzudenken“, erklärt etwa Fabrice Asvazadourian von dem Beratungsunternehmen Roland Berger.

Kommentare (1)

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12.08.2013, 13:41 Uhr

Warum sieht man immer nur den Splitter im Auge des Nachbarn und nicht den Balken im Auge Deutschlands?

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