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21.08.2011

10:51 Uhr

Zu hohe Zinsen

Das große Leid der indischen Banken

VonStefan Mauer

Seit über einem Jahr kämpft die indische Notenbank gegen die steigende Inflation. Doch immer neue Leitzinserhöhungen treiben Kreditkunden zunehmend ins günstige Ausland. Alle Hoffnung ruht jetzt auf der Landwirtschaft.

Die Reserve Bank of India kämpft gegen die hohe Inflation auf dem Subkontinent. Quelle: AFP

Die Reserve Bank of India kämpft gegen die hohe Inflation auf dem Subkontinent.

MumbaiAls im Juli mit der HDFC Bank eines der größten indischen Finanzhäuser seine Quartalszahlen veröffentlichte, hätten Investoren eigentlich jubeln müssen. Seit beinahe sieben Jahren wächst die HDFC Bank wie ein Uhrwerk und meldet jedes Quartal ein Wachstum von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch diesmal lag das Plus mit 33,7 Prozent deutlich über dieser Marke. Trotzdem fiel die Aktie der Bank am Tag der Veröffentlichung um 0,7 Prozent, während der Vergleichsindex Sensex um 0,8 Prozent zulegen konnte. Von der bis vor kurzem herrschenden Euphorie im indischen Bankensektor ist nur noch wenig übrig. Von Mai 2009 bis Oktober 2010 erzielten die Branchenaktien noch einen doppelt so hohen Wertzuwachs wie der Sensex. Doch seitdem kippt die Stimmung, und Bankentitel fallen leicht hinter den Gesamtmarkt zurück.

Der Hauptgrund für die Sorgen hat seinen Sitz in Indiens meistbevölkerter Stadt, der Finanzkapitale Mumbai (Bombay). Die Notenbank Reserve Bank of India (RBI) kämpft bereits seit März 2010 gegen die ausufernde Inflation auf dem Subkontinent an. Seitdem gab es elf Leitzinserhöhungen auf aktuell 8,0 Prozent. Die letzte Erhöhung Ende Juli fiel mit 50 Basispunkten deutlicher aus als von den Märkten erwartet. Notenbankchef Duvvuri Subbarao betonte kürzlich, dass er durchaus bereit sei, Wachstum zu opfern, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen. Sein Ziel ist eine Teuerungsrate nahe fünf Prozent. Die Inflation im Juli lag mit 9,2 Prozent fast doppelt so hoch.

Kurzfristig bedeutet das für die Banken des Landes sogar Vorteile. Denn während die Einlagen der Banken aktuell im Durchschnitt mit 17,2 Prozent pro Jahr wachsen, liegt das Kreditwachstum in Indien trotz der hohen Zinsen bei 18,5 Prozent. Das bedeutet, dass die Institute ihrerseits Kredite aufnehmen müssen, um Geld verleihen zu können, was die Eigenkapitalbasis angreift. Der hohe Leitzins hilft dabei, die Kreditnachfrage zu senken und dieses Missverhältnis wieder auszugleichen. Doch der Vergleich mit dem Vorjahr zeigt, dass dieser zurzeit noch positive Effekt sehr wahrscheinlich bald ins Negative drehen wird. Damals nahm das Kreditvolumen um mehr als ein Viertel schneller zu als die Einlagen. Bleibt es aber bei der aktuellen Dynamik, ist der Vorsprung bald aufgebraucht und die Banken können nicht mehr all ihr Geld verleihen.

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