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30.03.2011

21:45 Uhr

Zu strenge Bankenaufsicht

Barclays droht mit Wegzug aus London

Das Verhältnis zwischen der britischen Regierung und den Banken des Königreichs hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Barclays-Bank denkt intensiv darüber nach, ihre weltweite Konzernzentrale ins Ausland zu verlegen.

Die Barclays-Zentrale in London. Quelle: dapd

Die Barclays-Zentrale in London.

LondonEine als zu streng empfundene Bankenaufsicht macht der britischen Bank Barclays offenbar die Heimat madig. Das Londoner Traditionshaus erwägt einen Umzug in ein ausländisches Finanzzentrum, wie am Mittwoch aus mit der Sache vertrauten Kreisen verlautete. Damit würde sich die Bank die hohen Kosten sparen, die durch die härteren Eigenkapitalvorschriften auf sie zukämen.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge ist eine Verlegung des Konzernsitzes nach New York im Gespräch. Dies würde die Bank zunächst mehrere Hundert Millionen Pfund kosten, berichtete die Zeitung. Barclays prüfe derzeit, ob ein Umzug sinnvoll sei. Es gebe bereits erste Gespräche mit den US-Aufsichtsbehörden. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, ein Umzug der Bank in seine Stadt wäre „großartig“. Allerdings biete New York keine speziellen Anreize dafür an.

Die Bank wollte sich nicht äußern. Sie hatte zwar bereits deutlich gemacht, einen Verbleib in London zu bevorzugen, wo Barclays seit mehr als 300 Jahren zu Hause ist. Manager Marcus Agius sagte aber schon im August, Barclays und andere Institute müssten sich wegen der weltweit geänderten Aufsichtsregeln Gedanken über ihre Firmensitze machen. Sein HSBC-Kollege Douglas Flint erklärte erst am Dienstag, unter Umständen könnten die britischen Banken durch Auflagen Kunden verlieren und müssten daher „Entscheidungen treffen, um ihre Geschäfte zu sichern“. Und Konkurrent Standard Chartered sprach zuletzt von einer nachlassenden Attraktivität des Finanzplatzes London.

Barclays könnte sich nach Einschätzung der Analysten der Schweizer Bank UBS aus Rücksicht auf die eigenen Aktionäre zu einem Abzug gezwungen sehen. „Während die Bezahlung des Personals durch den internationalen Vergleich bestimmt wird, wird die Entlohnung der Anteilseigner offenkundig zunehmend von den nationalen Aufsehern bestimmt“, heißt es in einer UBS-Studie. „Wenn sich dieser Unterschied verfestigt, hat Barclays unserer Auffassung nach kaum eine andere Wahl, als eine Änderung des Firmensitzes ins Auge zu fassen.“

Wenn Banken ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital absichern müssen, schränkt das ihre Gewinnchancen ein - und damit am Ende auch die Ausschüttungen an die Aktionäre. Die unter dem Schlagwort Basel III bekannten künftigen internationalen Regeln sehen eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent vor. In bestimmten Ländern wie Großbritannien und der Schweiz setzen die Aufseher hier die Latte noch höher. Außerdem gibt es in Großbritannien Überlegungen, dass die Institute ihre Investmentbanken gesondert mit Kapital ausstatten. Dazu müssten Milliarden aufgebracht werden.

Experten zufolge könnte ein Wegzug aus London auch ein großer finanzieller Verlust für die Stadt sein. Allein in Großbritannien zahlte Barclays im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Pfund (3,2 Milliarden Euro) Steuern.

Von

rtr

Kommentare (6)

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goldi53

30.03.2011, 22:11 Uhr

Dazu gibt es nur einen Kommentar: Bankenregulierung einheitlich und dieses weltweit!

ulschmitz

30.03.2011, 22:12 Uhr

Auf Wiedersehen! - oder: Enteignung, sofort! - oder: Anzeige wegen versuchter Nötigung

Sharko

30.03.2011, 23:45 Uhr

Die härteren Eigenkapitalvorschriften lassen sich doch mit Kriterien genau beschreiben und überprüfen. Erfüllt eine Bank die Vorschriften nicht, wird die Öffentlichkeit informiert: "Achtung! Ein Konto oder eine Anlage bei dieser Bank gefährdet Ihr Vermögen!" Der Kunde kann sich die zu seiner Risikofähigkeit passende Bank suchen: lieber risikoaffin mit entsprechenden Leistungen und Renditen oder lieber etwas konservativ? Der Kunde würde die Bank und Konsequenzen bewusster wählen. Auf jeden Fall muss eine Bank untergehen können. Staat und Steuerzahler als Bürgen für Missmanagement dürfen nicht länger integraler Bestandteil von Geschäftsmodellen der Banken bleiben.

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