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29.10.2012

21:09 Uhr

Zurückhaltende Anleger

Deutsche Börse erleidet Gewinneinbruch

Obwohl sich die Aktienkurse langsam wieder von der Krise erholen, leidet die Deutsche Börse unter einem Gewinneinbruch. Viele Anleger halten sich in der Krise mit Käufen zurück.

Die Deutsche Börse in Frankfurt macht weniger Gewinn. dapd

Die Deutsche Börse in Frankfurt macht weniger Gewinn.

EschbornDie Flaute an den Finanzmärkten macht der Deutschen Börse zu schaffen. Weil sich die verunsicherten Anleger im Handel mit Aktien und Derivaten zurückhalten, verbuchte Deutschlands größter Börsenbetreiber einen deutlichen Gewinnrückgang im dritten Quartal und kassierte seine Jahresziele. "Auch das dritte Quartal war geprägt von Unsicherheit über die Zukunft der weltwirtschaftlichen Konjunktur und die Situation in der Euro-Zone", erklärte das Frankfurter Unternehmen am Montagabend. "Darüber hinaus besteht anhaltende Unsicherheit über die weitreichenden Reformvorhaben in der Finanzindustrie und deren Auswirkungen auf Marktteilnehmer."

Im laufenden Jahr erwartet die Deutsche Börse nur noch Nettoerlöse von rund 1,95 Milliarden Euro statt der Anfang des Jahres in Aussicht gestellten 2,15 bis 2,30 Milliarden Euro. Die Prognosesenkung kommt nicht überraschend, zumal der Konzern bereits im Juli gewarnt hatte, seine Ziele nur bei einer signifikanten Verbesserung des Marktumfelds zu erreichen. Die geringeren Erlöse würden sich auch negativ auf den bisher anvisierten Betriebsgewinn (Ebit) von 1,2 bis 1,35 Milliarden Euro auswirken, erklärte die Deutsche Börse, ohne ein neues Ebit-Ziel für 2012 zu nennen.

Die Stärken und Schwächen der Deutschen Börse

Stärke: Striktes Kostenmanagement

Die Deutsche Börse zählt zu den äußerst sparsamen Dax-Konzernen. Dafür gab es in den vergangenen Jahren zwar nicht nur Lob, sondern vor allem Kritik. Etwa als sich das Management entschloss, den Firmensitz von Frankfurt in das benachbarte Eschborn zu verlegen, allein um Steuern zu sparen.

Stärke: Überdurchschnittlich effizient

Unterm Strich bleibt, dass die Deutsche Börse ihre Kosten deutlich besser im Griff hat als viele ihrer Konkurrentinnen. Allein im Zeitraum 2010 bis 2012 hat der Dax-Konzern rund 150 Millionen Euro eingespart. Durch die verschiedensten Sparmaßnahmen sind die Kosten der Deutschen Börse seit 2007 um insgesamt rund 13 Prozent gesunken.

Stärke: Kosten werden weiter gesenkt

Finanzchef Gregor Pottmeyer hat jüngst angekündigt, die Kosten noch weiter zu senken: "Im Rahmen von Einzelmaßnahmen, nicht unbedingt in Form eines spektakulären Programms", sagte er bei der Vorstellung des Jahresberichts. Die Zahl der Mitarbeiter soll nicht verringert werden.

Stärke: Großes Angebot

Die Deutsche Börse ist anders als viele Konkurrenten ein integrierter Handelsbetreiber. Das heißt, sie bietet sämtliche Dienstleistungen rund um den Börsenhandel an, also auch die Abwicklung, das sogenannte Clearing, sowie die Verwahrung der Wertpapiere.

Stärke: Rechtzeitig der Zukunft angepasst

Ihr kommt zugute, dass sie sich frühzeitig als Dienstleister positioniert hat, während viele andere, die Handelsplätze in New York und London beispielsweise, sich zu lange über den althergebrachten Aktienhandel definiert haben, der längst nicht mehr so lukrativ ist wie noch vor einem Jahrzehnt.

Stärke: Breites und solides Fundament

Die Deutsche Börse dagegen verfügt dank ihrer vier Geschäftsbereiche - dem Aktienhandel Xetra, ihrer Derivatebörse Eurex, der Abwicklungstochter Clearstream sowie dem Bereich Marktdaten und Analyse - über ein breites und deshalb solides Fundament. Der Plan von Konzernchef Reto Francioni sieht zudem vor, sich künftig noch stärker als IT-Spezialist zu positionieren und vor allem das externe IT-Geschäft auszubauen.

Schwäche: Fordernde Politiker

Es gibt Themen, die hören die Vorstände der Deutschen Börse gar nicht gerne: Die von vielen Politikern geforderte Finanztransaktionssteuer ist so eines - oder das generelle Verbot des Hochfrequenzhandels. Beides würde den Dax-Konzern schwer treffen.

Schwäche: Beste Kunden in Gefahr

Beim Hochfrequenzhandel versuchen die Beteiligten, in Bruchteilen von Sekunden selbst kleinste Kursunterschiede rund um den Globus zu nutzen. Diese Händler zählen zu den besten Kunden des Dax-Konzerns. In den vergangenen fünf Jahren ist ihr Anteil am Aktienhandel bei der Deutschen Börse Schätzungen zufolge von vier auf rund 40 Prozent gestiegen.

Schwäche: Hochfrequenzhandel zu wichtig

Der Dax-Konzern braucht seine Hochgeschwindigkeitskundschaft. Erst kürzlich ist eine Studie von der Universität Frankfurt erschienen, die zu dem Schluss kommt, dass der Hochfrequenzhandel nicht schädlich sei für die Märkte. Gesponsert wurde die Studie allerdings von der Deutschen Börse.

Schwäche: Hartnäckige Angreifer

Die neuen Angreifer, sogenannte Multilateral Trading Facilities (MTFs), machen der Deutschen Börse im Aktienhandel schwer zu schaffen. Nach der Liberalisierung des Wertpapierhandels in der EU nehmen diese alternativen Handelsplattformen den etablierten Börsen zunehmend Geschäft ab.

Schwäche: Anteile schrumpfen

Betrug der Anteil der Deutschen Börse am europäischen Aktienhandel 2008 noch mehr als 17 Prozent, ist er jetzt auf zwölf Prozent geschrumpft. Wo die Umsätze geblieben sind, zeigt ein Blick auf die Statistik der Angreifer Bats Europe und Chi-X, die mittlerweile zu einem Unternehmen zusammengewachsen sind. Ihr Anteil am europäischen Aktienhandel stieg in den vergangenen Jahren von etwa fünf Prozent auf gut 20 Prozent. Ein Trost für die Deutschen: Noch härter trifft der Aufschwung der Alternativplattformen die Konkurrentin in Großbritannien, die London Stock Exchange (LSE).

Im kommenden Jahr hofft der Konzern jedoch auf Besserung. "Für 2013 sieht sich das Unternehmen gut positioniert, die Nettoerlöse gegenüber 2012 zu steigern, sofern sich das Marktumfeld nicht weiter verschlechtern wird." Finanzchef Gregor Pottmeyer will zudem Geld in die Hand nehmen, um das Angebot in der Derivate-Abwicklung und im Sicherheiten-Management auszubauen. "Für das nächste Geschäftsjahr planen wir eine weitere Erhöhung der Investitionen, um den Ausbau der Infrastruktur und die Erschließung neuer Wachstumsfelder vor dem Hintergrund eines neuen regulatorischen Rahmenwerks für die globalen Finanzmärkte weiter zu beschleunigen", kündigte er an.

Von Juli bis Ende September fielen die Ergebnisse der Börse deutlich schwächer aus als im starken Vorjahresquartal, in dem es wegen Turbulenzen in der Eurozone und der Bonitätsherabstufung der USA durch die Ratingagenturen an den Märkten hoch her ging. Zudem profitierte die Börse damals von einem bilanziellen Sondereffekt im Rahmen der vollständigen Übernahme der Derivate-Börse Eurex.

Im dritten Quartal ging der Betriebsgewinn der Börse (Ebit) um gut ein Viertel auf 245 Millionen Euro zurück, der Überschuss halbierte sich fast auf 160 Millionen Euro. Die Nettoerlöse fielen mit einem Rückgang von 19 Prozent auf 471 Millionen Euro etwas schwächer. Dies ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, dass der Konzern nach Übernahme der verbliebenen Beteiligung an der Derivate-Börse Eurex vom Schweizer Konkurrenten Six seit Jahresbeginn die Eurex-Umsatzerlöse zu 100 Prozent statt zu 85 Prozent für sich verbuchen kann.

Finanzchef Pottmeyer sprach von einem soliden Ergebnis in schwierigen Zeiten. Wie im Februar angekündigt, werde der Konzern deshalb im vierten Quartal weitere eigene Aktien im Wert von rund 100 Millionen Euro zurückkaufen, bekräftigte Pottmeyer.

Von

rtr

Kommentare (1)

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AnjaDuerrVonBravenLeit

30.10.2012, 02:05 Uhr

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