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07.01.2010

06:59 Uhr

Zurückweisung von Ansprüchen

Lehman-Gläubiger rügen Insolvenzverfahren

VonSonia Shinde

Neuer Ärger für die Gläubiger der US-Pleitebank Lehman Brothers. Die Insolvenzverwalter der Kanzlei Weil Gotshal & Manges planen im Auftrag von Lehman, das Verfahren zu vereinfachen – zu Lasten der Gläubiger sagen Kritiker. Denn fänden sich die einzelnen Forderungen nicht eins zu eins in den Büchern der Bank, will der Insolvenzverwalter die Ansprüche pauschal zurückweisen können.

Eine Vereinfachung des Insolvenzverfahrens würde zu Lasten der Gläubiger gehen, heißt es. Quelle: ap

Eine Vereinfachung des Insolvenzverfahrens würde zu Lasten der Gläubiger gehen, heißt es.

FRANKFURT. Einen entsprechenden Antrag hat die Kanzlei bereits im Namen von Lehman Brothers beim Insolvenzgericht in New York gestellt. Generell können Insolvenzverwalter nach US-Recht von derartigen Pauschal-Klauseln Gebrauch machen, um Massenverfahren in den Griff zu bekommen. Normalerweise geht es bei diesem Vorgehen aber darum, Doppelanmeldungen oder unbegründete Forderungen schnell und effizient abweisen zu können.

Den ersten Gläubigern, wie dem Bundesverband deutscher Banken (BdB), der französischen Großbank Société Générale und der Canadian Imperial Bank of Commerce geht der aktuelle Vorstoß laut Gerichtsunterlagen zu weit. „Das ist eine klare Beweislastumkehr“, kritisiert ein Insider. Jetzt müssten die Gläubiger belegen, wie und wo Lehman ihre Forderungen verbucht habe – ein teures und schwieriges Unterfangen. „Einfach nur zu erklären, dass die Forderungen nicht mit den Zahlen in den Lehman-Bilanzen übereinstimmen, ist kein Beweis für eine ungerechtfertigte Forderung“, heißt es im Gegenantrag des BdB. Zu weiteren Details wollte sich der Verband mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. „Das ist durchaus üblich und angemessen“, kontert Richard Krasnow, Partner bei Weil Gotshal & Manges. „Die Gläubiger müssen ihre Ansprüche beweisen, wenn die nicht mit den Büchern übereinstimmen“, sagte er auf Anfrage des Handelsblatts. Die dadurch entstehenden Kosten für die Gläubiger seien „bedauerlich, aber nicht zu vermeiden“. In der kommenden Woche soll das Insolvenzgericht über die Anträge entscheiden.

Tausende kämpfen um ihr Geld

Der BdB hat mehr als 25,7 Mrd. Dollar Forderungen bei Lehman angemeldet. Es ist einer der größte Posten aus Deutschland. Nach Informationen aus Finanzkreisen handelt es sich dabei um Forderungen institutioneller Investoren wie Kommunen oder kommunaler Versorger, die ihrerseits an den Bankenverband herangetreten waren. Der Insolvenzverwalter des deutschen Lehman-Ablegers Lehman Brothers Bankhaus AG macht rund 30 Mrd. Dollar geltend.

Insgesamt will die deutsche Finanzbranche mehr als 80 Mrd. Dollar aus der Insolvenzmasse haben. Weltweit verlangen mehr als 16 000 Investoren ihr Geld zurück. Lehman Brothers musste im September 2008 Insolvenz anmelden. Seitdem kämpfen die Kunden um ihr Geld. Laut Lehman-Insolvenzverwalter verfügt das Institut über Assets in Höhe von rund 639 Mrd. Dollar, die Gläubiger haben aber Forderungen über rund 824 Mrd. Dollar angemeldet.

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