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29.12.2011

13:16 Uhr

Zwei-Jahres-Tief

Banken vergeben deutlich weniger Kredite

Hoffentlich ist es nur ein Ausnahmemonat und nicht der böse Vorbote eines neuen Trends: Im November haben die Banken deutlich weniger Kredite vergeben. Das könnte vor allem die Volkswirtschaften im Süden stark belasten.

Graue Wolken am Himmel: Die Banken vergeben weniger Kredite. dpa

Graue Wolken am Himmel: Die Banken vergeben weniger Kredite.

FrankfurtDie Kreditdynamik in der Euro-Zone lässt spürbar nach: Im November vergaben die Banken nach aktuellen EZB-Daten erstmals seit fast zwei Jahren wieder weniger Kredite an Firmen und Privathaushalte. Vor allem Firmen erhielten weniger Kredite - unter dem Strich um gut sieben Milliarden Euro nach einem etwa ebenso hohem Plus von September auf Oktober. Die Gesamtsumme der ausgereichten Kredite ging binnen eines Monats um 0,1 Prozent zurück. Wegen der schwächer laufenden Konjunktur rechnen Bankanalysten 2012 mit einer verhaltenen Kreditdynamik aufgrund deutlich geringerer Nachfrage, nicht jedoch mit einer Kreditklemme.

Die Gesamtsumme der an den Privatsektor vergebenen Kredite stieg im Vergleich zum November 2010 nur noch um 1,7 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Im Oktober hatte das Plus noch bei 2,7 Prozent gelegen. Analysten hatten danach auch für November noch mit einer Zunahme um 2,6 Prozent gerechnet.

Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert erwartet in den nächsten Monaten keine Aufhellung: „Die Kreditdynamik blieb insgesamt verhalten. Unsere empirische Analyse lässt vermuten, dass dies auch im kommenden Jahr so sein wird.“ Ob dies die Folge eines geringeren Angebots und restriktiverer Vergabekriterien seitens der Banken oder einer nachlassenden Nachfrage sei, lasse sich noch nicht abschätzen. Der Geldregen der EZB, die den Banken vor Weihnachten fast eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt hatte, sei allenfalls dazu geeignet, die „Lage auf niedrigem Niveau zu stabilisieren“.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Die EZB hat kurz vor den Feiertagen ein erstes von zwei auf drei Jahre angelegten Refinanzierungsgeschäften mit den Banken in der Euro-Zone durchgeführt. Ziel war und ist es, die Institute mit Liquidität vollzupumpen um so das grassierende Misstrauen der Banken untereinander einzudämmen. Außerdem hofft die Notenbank, dass wegen der reichlich verfügbaren Liquidität der Kreditfluss aus der Finanz- in die Realwirtschaft, also zu den Unternehmen, so trotz der Krise nicht abreißt. Die nächste solche Operation ist für Ende Februar geplant.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

29.12.2011, 13:44 Uhr

Muss wohl kaum verwundern bei den völlig hirnrissigen Kernkapitalforderungen der EBA. Wie ich schon einmal festgestellt habe; Politiker denken nie über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen nach.

Banken-ohne-Haftungsfaehigkeit

29.12.2011, 14:34 Uhr

Angenommen, in einem unglückseligen Gemeinwesen führen die Taxifahrer ständig ohne Führerschein oder Fahrkenntnisse, Zugleich wären die Fahrer ständig besoffen und die Fahrzeuge ohne TÜV und mit maroden Bremsen.
Was würden diese Taxifahrer wohl postulieren, wenn die Behörden dem verantwortungslosen Treiben durch Regeln und Kontrolle einen Riegel vorschieben ?
Lauthals würden sie schreien, die Regulierung gefährde die Versorgung der Bevölkerung mit Transportleistungen ...
Mit den Bail-Out-Schnorrerbanken ( ob direkt oder indirekt alimentiert ) verhält es sich ähnlich....

bjarki

29.12.2011, 15:13 Uhr

Ein marktwirtschaftliches System, so auch das Bankensystem, muss das volle Risiko ausweisen. Also auch den Totalverlust. Die Politik verhindert ein Pleitegehen von grossen Banken. Das ist nichts anderes als Planwirtschaft. Und wo die hinführt, dass haben wir alle zu spüren bekommen mit unserem grossartigen DDR Erbe, das man besser ausgeschlagen hätte.
Wir befinden uns in mitten in einer maroden Planwirtschaft, die untergeht bevor sie angefangen hat. Es stimmt doch: der Sozialismus ist dumm.

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