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25.03.2013

15:50 Uhr

Zypern-Krise

Warum Laiki nicht Lehman ist

VonTobias Döring, Martin Dowideit, Sebastian Ertinger

Als die USA die Pleite von Lehman Brothers beschlossen, geriet das globale Finanzsystem in eine Schockstarre. Mit dem Ende der zyprischen Laiki Bank soll das nicht passieren. Handelsblatt Online analysiert die Risiken.

Lehman-Händler vor der Pleite des Instituts. dpa

Lehman-Händler vor der Pleite des Instituts.

Düsseldorfi

Richard Fuld war Chef von Lehman Brothers, als die Bank in die Pleite schlitterte und eine Kettenreaktion an den Finanzmärkten auslöste. Droht das auch nach der Laiki-Pleite? dapd

Richard Fuld war Chef von Lehman Brothers, als die Bank in die Pleite schlitterte und eine Kettenreaktion an den Finanzmärkten auslöste. Droht das auch nach der Laiki-Pleite?

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kam plötzlich und unerwartet. Im September 2008 schien es zunächst so, als würde das Institut vor der Pleite gerettet werden – sowie Monate zuvor der Konkurrent Bear Stearns. Doch es kam anders: Lehman wurde der Insolvenz überlassen. Von einem auf den anderen Tag versiegte damit weltweit das Vertrauen der Banken ineinander.

Die Finanzinstitute gewährten sich untereinander keine Kredite mehr, das globale Finanzsystem geriet in eine Schockstarre und an den Nebenwirkungen der Insolvenz knapste die Weltwirtschaft noch Jahre. „Nie mehr Lehman“, lautete danach die Parole. Die Furcht vor einer unkontrollierten Bankenpleite machte den Begriff der systemrelevanten Bank populär. Wer zu dem erlesenen Kreis der Systemrelevanten gehört, sollte im Zweifelsfall vom Staat gerettet werden.

Jetzt starrt die Wirtschaftswelt auf das nächste „L“ – „L“ wie Laiki Bank. Das zweitgrößte zyprische Geldhaus war zwar von der Europäischen Zentralbank zur systemrelevanten Bank gekürt worden, indem es in diverse EU-Stresstests einbezogen wurde. Dennoch haben die EU-Finanzminister jetzt das Aus des Geldhauses beschlossen. Und wieder geht es ganz schnell. „Die Abwicklung der Laiki Bank wird bereits heute gemacht, weil sie keine Liquidität mehr hat“, sagte Österreichs Finanzministerin Maria Fekter am Montag. Dabei werde es zu einer Aufteilung in eine sogenannte Bad Bank und eine Good Bank kommen. Alle gesicherten Einlagen sollen in die größte Bank des Landes, die Bank of Cyprus, überführt werden, sagte Fekter. Die meisten anderen zyprischen Geldhäuser dürfen ihre Filialen am Dienstag wieder öffnen, Laiki Bank und Bank of Cyprus bleiben aber noch geschlossen.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Von der Sorge einer neuen Systemkrise ist dennoch kaum eine Spur. So begrüßte etwa Volksbanken-Präsident Uwe Fröhlich die Einigung. Zypern stabilisiere durch die Abwicklung der Laiki Bank seinen Finanzsektor: „Damit begrenzt Zypern seinen Finanzsektor auf ein vertretbares Maß.“ Ist die Gelassenheit angebracht?

„Aus der Perspektive Zyperns ist die Schrumpfung des Bankensystems ein weitaus dramatischerer Eingriff als es die Pleite Lehmans beispielsweise für die USA war“, sagt Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer von Xaia Investment, zu Handelsblatt Online. Im Jahr 2011 hatte der Bankensektor in dem Land das siebenfache Volumen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes betragen.

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Die Euro-Länder stützen Zypern mit zehn Milliarden Euro. Im Gegenzug muss der Inselstaat harte Auflagen akzeptieren. Frankreichs Finanzminister weist Schuldzuweisungen aus Zypern brüsk zurück.

Anhand der schlimmsten Nebenwirkungen der Lehman-Pleite analysiert Handelsblatt Online, ob die Entscheidung zum Aus der zyprischen Großbank auch für Europa und den Rest der Welt eine Bedrohung darstellt.

Kommentare (11)

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Schlaumeier

25.03.2013, 16:28 Uhr

Für Zypern selbst ist das doch der GAU. Kein Geschäftsmodell, arbeitsscheu und den A... voll Schulden, die man n i e zurückzahlen wird (das glauben nur die "Erdgasdödels"). Das kann man fast auf ganz Europa beziehen, auf Luxemburg zu 100% .Aber Hauptsache ist ja das DAX und DOW steigen. Es scheint nichts Wichtigeres zu geben - noch.

Pequod

25.03.2013, 16:30 Uhr

'hatte niemand Erfahrung mit der Beerdigung eines
solch großen Instituts'
----------------------------------------------------
Sicherlich gibt es Anwaltskanzleien die sich mit der
Konkurseröffnung und Abwicklung von Banken bestens
auskennen, z.b. Freshfields - Brookhaus & Deringer,
die gegen das entsprechende Honorar heutzutage bei
Bedarf jede Bank der Welt abwickeln können.
Die Lehmanbrüder, bzw. Dick Fuld, wurden für ihr Miß-
management zur Rechenschaft gezogen, wobei Goldman-
Sachs eine entscheidende Rolle zur kakulierten Li-
quidierung eines unbequemen Konkurrenten gespielt
haben dürfte. Wichtiger wäre es in unseren Tagen da-
rauf zu achten, daß sowas nicht wieder passiert,wo-
bei die EZB mit ihrem Ankauf der faulen Staatsan-
leihen auf dem besten Weg ist ein noch größeres
Desaster in dem größten Finanzskandal aller Zeiten
mit dem Eurosionssystem auszulösen!

Account gelöscht!

25.03.2013, 16:30 Uhr

Ich hoffe diese Volksverdummung findet bald ein Ende bzw Ihr wird bald ein Ende gesetzt.

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