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29.08.2013

18:54 Uhr

Bankenrettung

Bundesbank gegen Rekapitalisierung griechischer Banken per ESM

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann spricht sich gegen eine Umwandlung von ESM-Hilfen zum Vorteil griechischer Banken aus. Auf diese Weise würden die Problemverursacher nicht für die Folgen ihres Handelns einstehen.

Jens Weidmann in Berlin: Keine Rekapitalisierung griechischer Banken durch ESM- und ESFS-Mittel. AFP

Jens Weidmann in Berlin: Keine Rekapitalisierung griechischer Banken durch ESM- und ESFS-Mittel.

FrankfurtDie von Griechenland und Irland ins Spiel gebrachte nachträgliche Rekapitalisierung maroder Banken über den Euro-Rettungsschirm ESM stößt bei der Bundesbank auf Widerstand. Ein solches Vorgehen würde dem Prinzip widersprechen, dass die Verursacher von Problemen für die daraus entstehenden Kosten einstehen müssen, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann laut Redetext am Donnerstagabend in Hamburg. "In diesem Zusammenhang ist es nicht hilfreich, wenn, wie von Irland und Griechenland angestrebt, vom EFSF oder ESM bereits gewährte Hilfen zur Bankenrettung in direkte Rekapitalisierungshilfen des ESM umgewandelt werden."

Anfang der Woche hatte der griechische Finanzminister Yannis Stournaras in einem Zeitungsinterview gesagt, er würde gerne bereits geflossene Hilfen an Griechenland für die Banken rückwirkend auf den Euro-Rettungsschirm ESM umbuchen. Das hätte für den Land den Vorteil, dass seine Schuldenlast verringert würde.

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

Nettohaushaltsvermögen

Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

Platz 15: Slowakei

Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

Platz 14: Griechenland

Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 13: Slowenien

In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 12: Portugal

Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 11: Finnland

161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

Platz 10: Niederlande

Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

Platz 9: Deutschland

Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

Platz 8: Frankreich

Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 7: Österreich

265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

Platz 6: Italien

Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

Platz 5: Spanien

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

Platz 4: Belgien

In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

Platz 3: Malta

Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

Platz 2: Zypern

670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

Platz 1: Luxemburg

Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

Die Bundesregierung hatte dazu erklärt, über diese Möglichkeit gebe es eine Debatte in der Euro-Gruppe, allerdings stehe dieses Instrument noch nicht zur Verfügung. Außerdem müssten vor einem Einsatz des ESM alle anderen Möglichkeiten zur Bankenrettung ausgeschöpft sein, darunter auch die Einbeziehung der Bankeigentümer und der Einleger an der Rekapitalisierung.

Von

rtr

Kommentare (20)

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Micha

29.08.2013, 19:10 Uhr

NACH (!) der Wahl ist es alternativlos.
Vorher gibt es noch eine Alternative für Deutschland!

manthra

29.08.2013, 19:15 Uhr

Bundesbank gegen Rekapitalisierung griechischer Korruptbanken per ESM und: für deren Rekapitalisierung per Auszehung der Einlagensicherung privater Ersparnisse. Seht nur auf Deutsche-Mittelstands-Nachrichten die neuen, aktuellen Nachrichten dazu an. Wie sehr dieser Weidmann in den letzten Tagen drängt, die private Enteignung zu legitimieren!!! Es geht schön weiter im Sinne der Finanzelite: mehr als zwei Drittel der Bevölkerung, zunächst in EUROLand da man keinen zweiten monetären Machtblock neben dem Dollar duldet, zu eliminieren. Der Rest ist einfacher kontrollierbar. Weitere Schritte dahin sind die striktere Kontrolle des bislang freien Internet, wie ab 2014 in GB. Noch, noch nicht in D. Aber, wir erlebten ja "Mutti" als aktuelles Beispiel, wie sie Thatcher und Reagan ideologisch-neoliberal von den Lippen abschwätzte und dann kehrt machte, man habe gedacht, dass...

Eddie

29.08.2013, 20:31 Uhr

Haette mich ja sehr hewundert, falls Weidmann sich fuer diese sinnvolle Massnahme ausgesprochen haette. Welche Interessen vertritt eigentlich dieser staendige Nein-Sager und Bedenkentraeger? Die Schulden umbuchen waere sehr hilfreich. Bsp. GR: der Staat haette 50 Milliarden weniger Schulden, d.h. GR kommt dem Ziel, sich wieder selbststaendig am Markt finanzieren zu koennen, ein grosses Stueck naher, ein Schuldenschnitt wird obsolet oder viel geringer ausfallen. Andererseits haften dann die Banken und nicht mehr der klamme Staat fuer die Rueckzahlung der Kredite, da sehe ich eine viel groessere Wahrscheinlichkeit, dass die Kredite bedient und zurueckbezahlt werden (wie z.B. die Commerzbank, die die staatlichen Kredite mittlerweile komplett zurueckbezahlt hat).

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