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05.07.2012

09:49 Uhr

Banker

Wo die Provisionen fließen

VonBarbara Moormann, Jens Hagen

ExklusivNoch immer mauern Banken bei der Angabe ihrer Provisionen. Anleger holen sich die Auskunft per Gerichtsbeschluss. Handelsblatt Online liegt jetzt eine Liste vor, die zeigt, was Banker verdienen. Die Spannen sind enorm.

Frankfurt bei Nacht: Viele Banken geraten wegen mangelnder Transparenz in die Kritik. dpa

Frankfurt bei Nacht: Viele Banken geraten wegen mangelnder Transparenz in die Kritik.

Sie tragen klingende Namen wie King Edwin, MS Hohesand oder OS Istanbul und entwickeln sich für Anleger zum Alptraum. Laut Branchenkenner könnte eine dreistellige Zahl an Schiffsfonds Pleite gehen. Betroffenen droht nicht nur der Totalverlust, sondern auch noch eine Rückzahlung bereits erhaltener Ausschüttungen an den Insolvenzverwalter.

Schiffsfonds sind ein spezielles Anlageprodukt mit hohen Risiken. Trotzdem stiegen in den vergangenen Jahren Privatkunden massenhaft ein. Verbraucherschützer rechnen damit, dass mehr als 200.000 Anleger Anteile im Depot haben. Ein Grund für die rege Nachfrage in den Vergangenen Jahren: Die Verwalter, freie Vermittler und Bankberater haben Schifffonds vertrieben. Zumindest einige von den Beratern dürften dabei mehr an den eigenen Geldbeutel als an das Interesse der Kunden gedacht haben.

Ex-Banker packt aus: „Dann ging es ins nächste Luxusbordell“

Ex-Banker packt aus

„Dann ging es ins nächste Luxusbordell“

Warum empfehlen Berater untaugliche Anlageprodukte? Ein Ex-Banker erlaubt einen irritierenden Blick hinter die Kulissen des Geldgeschäfts. Ein Gespräch über Vorgaben der Vorstände, Provisionsgier und eindeutige Angebote.

Diese Vermutung legt zumindest eine Liste zu den Provisionen von Banken nahe, die  Handelsblatt Online vorliegt. Viele Institute mauern auf Anfrage ihrer Kunden nach wie vor bei der Veröffentlichung ihrer Vermittlungsprovisionen. Anleger ziehen deshalb vor Gericht. Erstmals veröffentlichen Rechtsanwälte jetzt, welche Vergütungen an die Banken fließen.

Anwälte packen aus

Die Liste zeigt beispielhaft: für die Vermittlung eines Schiffsfonds gab es in einem konkreten Fall bis zu 14 Prozent für die Bank. Für Zertifikate gab es Provisionen von drei Prozent pro Jahr. Für den Kauf eines bekannten vermögensverwaltenden Fonds gingen 6,8 Prozent an das Geldhaus.

Die Provisionen der Banker im Überblick

Die Liste

Eine exklusive, längst nicht abschließende Aufstellung. Sie zeigt, die Höhe der von den entsprechenden Instituten vereinnahmten Rückvergütungen. Die Quelle sind Auskünfte, die vorwiegend die Kanzlei Nittel aber auch andere Kanzleien von den Instituten erhalten haben. Zum Teil antworteten die Banken erst, nachdem diese zur Auskunft verurteilt wurden.

BBBank

Sie bekam für „GAF Active Life 2“ 8,5 Prozent. Beim “BAC LifeTrust 14” kassierte sie dann immerhin schon 6,35 Prozent. Beim Schiffsfonds MT „King Edwin“ waren es 12 Prozent, beim
“Life Trust 6” waren es 7 Prozent.

Beim „BBBank Dynamik Union“ waren es 2,5 Prozent einmalig und 0,55 Prozent pro Jahr.

BW Bank (LBBW)

Für die Vermittlung des „LHI Fonds Kaledo I“ nahm das Institut 5,15 Prozent.

Commerzbank

Ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt (Az.: 9 U 153/09) belegt, dass die Bank für den Verkauf zweier Medienfonds (VIP3 und VIP4) Zahlungen von 8,25 beziehungsweise bis zu 8,75 Prozent bekam.

Fürstlich Castell’sche Bank

Ist eher bescheiden. Für den „DWS Inter Genuss“ bekam sie 1,95 Prozent.

DAB Bank

Sieben Prozent bekam sie für die Vermittlung von drei Zertifikaten im Wert von 30.000 Euro.

Deutsche Bank

Sie kassierte erhielt bei einem Nordcapital-Fonds 13 Prozent.

Deutsche Apotheker und Ärztebank

Für „MPC MS Santa P Schiffe“ vereinnahmte sie 14 Prozent. Für „Carmignac Patrimonie“ waren es 6,8 Prozent. Für den „KanAm Grundinvest“ gab es 8,4 Prozent. Für Commerzbank Capped Garantieanleihen III bekam sie 3,75 Prozent.

Dresdner Bank (Commerzbank)

Sie bekam für den BGF-New Energy FD NAM. A2 zunächst einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent und dann eine Vertriebsfolgeprovision in Höhe von 1,140 Prozent. Für den F.TEM.INV-T.GWTH A ACC bekam sie einen Ausgabeaufschlag von 5,54 Prozent und eine Vertriebsfolgeprovision in Höhe von 0,975 Prozent. Beim BGF-World Gold NAM.A2 gab es fünf Prozent Ausgabeaufschlag und 1,140 Prozent Vertriebsfolgeprovision.

Freie Finanzberater (Fondsdepotbank)

Für den „Morgan Stanley P2value“ erhielten freie Berater via Fondsdepotbank sie 3,8 Prozent einmalig und 0,2 Prozent pro Jahr von der Gesellschaft..

Die Fondsdepotbank hat weder einen eigenen Vertrieb noch betreut sie Direktkunden. Das Institut fungiert als Administrator von Investmentkonten für freie Finanzberater. Die Konditionen legen die Kapitalanlagegesellschaften fest und werden von der Fondsdepotbank weitergereicht.

Kreissparkasse Reutlingen

Sie bekam für einen in den 1990er Jahren vertriebenen geschlossenen Immobilienfonds acht Prozent Provision.

Kreissparkasse Tübingen

Sie kassierte auch gleich zweimal für den Vertrieb eines Deka-Fonds. 3,75 Prozent als einmalige Provision und weitere 1,25 Prozent pro Jahr Bestandsprovisionen.

Sparkasse Hildesheim

Üppig. Sie bekam für „MPC Offen Produktentanker“ stolze 11 Prozent.

Sparkasse Jena‐Saale‐Holzland

Hier gab es für den „HGA Mitteleuropa V“ 7,5 Prozent.

Sparkasse Stakenburg

Für den Hannover Leasing Fonds Nr. 177 „Maritime Werte 3“ erhielt sie 6,8 Prozent.

Targobank (Citibank)

Hier ging es um Zertifikate der Lehman Brothers. Die ehemalige Citibank bekam hier eine einmalige Provision von drei Prozent sowie eine Bestandsprovision von weiteren 3,05 Prozent.

Volksbank Kraichgau

Sie vermittelte den Atlantic Fonds MS “Saylemoon Rickmers”/ MS “Nina Rickmers” und bekam 12 Prozent.

Für den “AAA Capital Game Production” bekam sie 7 Prozent.

Viele Geldhäuser tun sich schwer mit der Veröffentlichung ihrer Rückvergütungen. Doch allmählich kommen die bislang geheimen oder nur mit großer Mühe ermittelbaren Sätze ans Licht. Grund ist die so genannte Kick-Back-Rechtsprechung. Danach müssen Banker nun auf Nachfrage der Kunden preisgeben, was sie an den Deals verdienen. Viele wurden inzwischen von Gerichten zu solchen Auskünften verurteilt.

Deshalb wissen nun die Anwälte der Anleger sehr genau, was an Provisionen üblich ist.  Die Informationen sind für Anleger wichtig, weil zu hohe Kosten den Anlageerfolg gefährden. Unisono erklären die Juristen, dass die Höhe der Provisionen sich immer nach dem jeweiligen Produkt richten.

Kommentare (41)

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Account gelöscht!

05.07.2012, 10:00 Uhr

das ist Wahnsinn! aber längst bekannt alles..
der Mann mit der Zigarre ist das Typische Bild eines
Kapitalisten

NotInPublicInterest

05.07.2012, 10:16 Uhr

Etwas gerät in Vergessenheit: Der Staat hat jahrelang diese Anlage steuerbegünstigt. Und viele Anleger investierten gezielt zwecks Steueroptimierung. Aus dieser Zeit stammen die meisten Investitionen. Hier wieder die Banken als Suendenbock darzustellen ist leider mittlerweile typisch fürs HB.

Statt das die Politik pauschal die Steuern senkt und das durch Subventionsstreichungen finanziert(Solar-und Windenergie z.B.)wird immer wieder der Investor manipuliert steuergünstig anzulegen. Das Risiko einer Anlage wird z.T ausgeklinkt.

Hermann.12

05.07.2012, 10:50 Uhr

Man muss das wohl Volksverhetzung nennen, wenn pauschal 14% Brittoeinnahme als unseriös bezeichnet werden, wo es im normalen Produktmarkt durchaus schon 50% und mehr werden können.
Wegen der Finanzkrise hat die Erwartung der Wertigkeit sich nicht erfüllt. Der Angriff auf die Provisionspraxis ist schlicht der billige Versuch unternehmerisches Risiko zu sozialisieren.
Dabei ist die Anzahl derjenigen, die vor lauter Gier den Hals nicht voll bekommen konnten, auf beiden Seiten gleich groß, also Finanzvertriebe und Kunden und insgesamt nicht die Mehrheit.
Unseriös waren nur solche Geschäftsmodelle, deren Renditeprognosen von vorneherein nicht erfüllbar waren.
Hier wird ein ideologischer kleinkrämergeistiger Kampf gegen Provisionen gefochten, und das aus handfesten egoistischen Wirtschafts- und Aufsichtsinteressen.
Denn vor allem hinsichtlich der staatlichen Aufsicht muss die Frage gestellt werden, wieso Prospekte zugelassen und genehmigt wurden, wenn sie so unseriös waren? Und warum sind Kalkulationen, mit fragwürdigen und damit letztlich unwahrscheinlichen Gewinnversprechen dabei nie aufgefallen?

Bei den Banken ist vieles schief gelaufen, es gab auch mmer wieder unseröse Vertriebspraktiken, wenn Schiffsfonds und ähnliche Produkte wie Sparbücher verkauft wurden.
Das aber hat mit dieser schwachsinnigen Provisionskritik nun wirklich nichts tun.
Hier zeigt sich, das der Kampf gegen Provisionen nur dazu verleitet die Verantwortung für Anlageverluste zu sozialisieren. Nur um das totale politische Versagen wirtschaftspolitischer und aufsichtsrechtlicher Art zu vertuschen, wird das Vertrauen in die Grundordnung der Wirtschaftsverfassung untergraben.
Der Mob jagt am Ende nur diejenigen, die ihm zum Fraß vorgeworfen werden, selten die eigentlichen Verursacher, die immer an der Spitze des Mobs stehen, sowohl bei der Tat, als auch bei der Anklage gegen die Sündenböcke.

H.

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