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11.12.2012

10:15 Uhr

Bankhaus Herzogpark

„Im Notfall fahren wir die Aktienquote auf Null zurück“

VonKatharina Schneider

Die Vorstände des Münchener Bankhauses Herzogpark erklären, warum ihr Institut keine eigenen Fonds auflegt, wie Anleger von Wachstumsbranchen profitieren und warum es immer wichtiger wird, Aktiendepots aktiv zu managen.

Der Vorstand des Bankhaus Herzogpark, Gerlinde M. Englbrecht und Reiner Krieglmeier. Quirin Leppert für Handelsblatt

Der Vorstand des Bankhaus Herzogpark, Gerlinde M. Englbrecht und Reiner Krieglmeier.

Mitten in der Bankenkrise haben Sie vor drei Jahren ein neues Bankhaus gegründet. Schwimmen Sie gerne gegen den Strom?
Englbrecht: Wir hatten ursprünglich nie geplant, eine Banklizenz zu erwerben und so viele Kunden zu betreuen. Unser Angebot ist quasi aus der Nachfrage entstanden. Am Anfang stand der Kontakt zu vier vermögenden Familien, die das Vertrauen in Großbanken verloren hatten und einen unabhängigen Vermögensverwalter suchten.

Also haben Sie sich um die Geldanlage gekümmert?
Krieglmeier: Nicht sofort. Anfangs waren wir nur als Berater tätig und haben unsere Kunden bei der Auswahl von Vermögensverwaltern unterstützt sowie eine Ergebnisübersicht über alle Mandate geliefert. Das funktionierte zunächst gut, aber 2008 waren wir mit den Verwaltern nicht mehr einverstanden. Es zeichnete sich ab, dass es an den Märkten weiter bergab gehen würde, doch die Verwalter blieben voll in Aktien engagiert – obwohl das namhafte und erfahrene Personen waren.

Deshalb wurden Sie selbst aktiv?
Krieglmeier: Zuerst haben wir die Mandate der Vermögensverwalter gekündigt und das Vermögen in Festgeld geparkt. Die Entscheidung kam gerade rechtzeitig, so dass unsere Kunden unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen sind und kein Geld verloren haben. Als sich der Markt wieder etwas beruhigt hatte, baten unsere Kunden, dass wir uns auch künftig aktiv um ihr Vermögen kümmern sollten.

So legen die Deutschen ihr Geld an

40,55 Prozent

Die privaten Haushalte in Deutschland hatten Anfang 2012 ein Geldvermögen in Höhe von 4,8 Billionen Euro. Einen Großteil davon, 40,55 Prozent, haben sie in Bargeld und sonstigen Spareinlagen angelegt.

29,35 Prozent

Knapp 30 Prozent ihres Geldvermögens der privaten Haushalte besteht aus Ansprüchen gegenüber Versicherungen.

8,55 Prozent

Trotz des Risikos haben die Deutschen 8,55 Prozent ihres Geldvermögens in Investmentzertifikate angelegt.

6,87 Prozent

Knapp sieben Prozent des Geldvermögens der Deutschen besteht aus sonstigen Forderungen und Pensionsrückstellungen.

5,25 Prozent

In Aktien haben die privaten Geldhaushalte gerade mal 5,25 Prozent ihres Vermögens angelegt.

5,19 Prozent

Auch bei festverzinslichen Wertpapieren sind die Deutschen vorsichtig: Sie haben 5,19 Prozent ihres Geldvermögens in solche Papiere angelegt.

4,24 Prozent

Etwas mehr als vier Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland entfallen auf sonstige Beteiligungen.

Für die Vermögensverwaltung hätten Sie aber nicht gleich eine Banklizenz beantragen müssen.
Englbrecht: Gegenüber der Lizenz für Finanzportfolioverwalter hat das einige Vorteile. Zum einen können wir direkt an den Märkten kaufen, ohne dass eine andere Bank zwischengeschaltet ist. Dadurch bekommen wir Wertpapiere zu den tatsächlichen Kursen und müssen keinen Aufschlag zahlen.

Allerdings mussten Sie auch fünf Millionen Euro Eigenkapital einzahlen.
Krieglmeier: Das sehen wir sogar als Vorteil. Wir haben das Bankhaus als Aktiengesellschaft gegründet und ich bin selbst beteiligt. Bei Fehlentscheidungen steht also mein eigenes Geld auf dem Spiel, das stärkt das Vertrauen der Kunden. Die anderen Aktionäre sind Unternehmerfamilien, insgesamt haben wir fünf Millionen Euro eingezahlt.

Persönliche Beteiligung am Risiko ist das eine, was unterscheidet sie noch von anderen Banken?
Krieglmeier: Besonders wichtig ist uns eine objektive Beratung. Der Kunde möchte das haben, was für ihn das Beste ist, zu seiner Strategie am besten passt. Deshalb legen wir keine eigenen Fonds und Zertifikate auf. Genau die waren nämlich der Grund, warum die 2008 engagierten Verwalter damals investiert blieben. Ein Vermögensverwalter, der seinem Kunden rät, alle eigenen Fonds zu verkaufen und in Festgeld zu gehen, würde zu seinen Ungunsten handeln.

Kommentare (8)

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WILHER

11.12.2012, 12:26 Uhr


Hoffentlich fahren die ihre Aktienquote nicht in dem Moment auf Null zurück, wenn die Kurse ihr Minimum erreicht haben.
Die ehemalige Finanzchefin von Hannover Rück war mal so intelligent.
Genau zu dem Zeitpunkt habe ich mir Geld geliehen und Aktien gekauft.
Es war es gutes Geschäft.

Papierkugel

11.12.2012, 13:20 Uhr

Bei dem Artikel fehlt irgendwie der Zusammenhang. Es wird zu keinem Zeitpunkt erwähnt, warum man gerade diesen beiden Personen vertrauen sollte. Haben die irgendetwas Besonderes geschafft, wie Warren Buffet? Oder empfiehlt das Handelsblatt ernsthaft, dass man auf den Rat von zwei unbekannten Personen hören soll????

KWB

11.12.2012, 13:47 Uhr

Warum sollte man auf den Rat von bekannten Personen hören? W. B. hat Milliarden Verluste gemacht - hatte aber danach noch ein paar übrig. Ich empfehle eigenständiges Denken - es geht um Argumente und Sachverstand - nicht um Prominenz. Im Lichte dieses Maßstabs enthält der Artikel keine Information: nichts was man nicht schon im HB auch von anderen gelesen hat. Das kommt davon, wenn alle nur noch voneinander ablesen und es dann reproduzieren.

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