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11.01.2005

08:32 Uhr

Bei Worldcom, Enron oder Parmalat ist die Zeit der Vergleiche gekommen

Geprellte Anleger bitten zur Kasse

VonGertrud A. Hussla (Handelsblatt)

Aktionäre und Besitzer von Anleihen des in Konkurs gegangenen US-Telekomriesen Worldcom können sich gleich mehrfach an US-Sammelklagen beteiligen, um zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.

DÜSSELDORF. Entschädigungen gibt es zum Beispiel, wenn sich nach der Citigroup und einigen Ex-Managern weitere Banken und Managementmitglieder zu Zahlungen an die geschädigten Investoren bereit erklären, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Handelsblatt mitteilte. DSW-Rechtsexperte Marc Tüngler errechnete, dass Anleger bis zu 18-mal mit Schadensersatzleistungen rechnen können. Dafür müssen sie aber jedes Mal entsprechende Antragsformulare ausfüllen.

„Da fließt richtig Geld“, meint Tüngler, dessen Organisation Anlegern bei der Antragstellung Hilfe leistet. In einer Sammelklage kann eine Gruppe von Geschädigten gemeinsam Klage einreichen. Wenn es dann zu einem Vergleich oder einem Urteil kommt, können alle Geschädigten Antrag auf Schadensersatz stellen, gleich, ob sie geklagt haben oder nicht. US-Gerichte entscheiden häufig, dass sich auch ausländische Anleger an die Klage anhängen können. Dabei fallen für sie keine zusätzlichen Anwaltskosten mehr an. Sie müssen lediglich ihren Anteil aus dem Topf beantragen. Erstattet werden erfahrungsgemäß zwischen zehn und fünfzig Prozent des Gesamtschadens.

Bis jetzt stehen deutschen Anlegern zwei Töpfe offen: Die Citigroup hat sich in einem Vergleich bereit erklärt, 2,6 Milliarden Dollar an getäuschte Investoren zu zahlen. Aus einer Summe von 2,25 Mrd. Dollar, welche die Worldcom-Nachfolgegesellschaft MCI an die US-Wertpapieraufsicht SEC gezahlt hat, sind außerdem 750 Mill. Dollar in einen Fonds für geschädigte Anleger geflossen. Um an der von der Citigroup bereitgestellten Summe teilzuhaben, müssen Anleger ihre Anträge bis zum 4. März einreichen. Für Geld aus dem SEC-Topf läuft die Frist bis zum 19. Juli. Um in den Genuss von Schadensersatzleistungen zu kommen, müssen Anleger ihre Papiere zwischen dem 29. April 1999 und dem 25. Juni 2002 (class period) gekauft haben.

Mit Worldcom ist nach dem Platzen der Spekulationsblase einer der ganz großen Schadensersatz-Fälle ins Rollen gekommen. Der Zusammenbruch des damals zweitgrößten US-Telekomkonzerns im Jahr 2002 war die größte Pleite der Wirtschaftsgeschichte. Der Bilanzbetrug summierte sich auf elf Mrd. Dollar. Das Unternehmen hatte trotz Schieflage mit Hilfe der Banken Anleihen im Wert von mehr als 15,5 Mrd. Dollar ausgegeben. Die Schadensersatzansprüche richten sich gegen 16 beteiligte Banken, gegen die gesamte damalige Geschäftsführung und gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen. Vor wenigen Tagen haben sich zehn frühere Verwaltungsratsmitglieder bereit erklärt, 54 Mill. Dollar an die Aktionäre zu zahlen. Die Modalitäten, wie das Geld verteilt wird, müssen noch ausgehandelt werden. Noch im Januar soll das strafrechtliche Verfahren gegen den einstigen Worldcom-Chef Bernard Ebbers eingeleitet werden; im Februar sollen die Zivilprozesse gegen die Banken anlaufen.

Von den insgesamt rund 8 000 Sammelklagen, die derzeit in den USA laufen, beziehen sich etwa 1 800 auf Börsengeschäfte. Nach Auskunft von Anlegeranwalt Klaus Rotter in München läuft derzeit auch die Antragsfrist für Aktionäre des Pleite gegangenen Medienunternehmens Team Communications. Der Fall wurde neu aufgerollt, nachdem der Insolvenzverwalter die Schadensersatzansprüche der Anleger neu festgelegt hatte. Anträge können dort noch bis 18. Februar gestellt werden. Anträge auf Schadensersatz können Anleger jetzt auch im Fall des belgischen Softwareherstellers Lernout & Hauspie stellen, berichtet Rotter. Allerdings müssen Anleger die Aktien an der US-Handelsplattform Nasdaq gekauft haben.

Weitere größere Schadensfälle wie etwa der des zusammengebrochenen US-Energieriesen Enron oder der Bilanzskandal des italienischen Lebensmittelherstellers Parmalat dürften in den nächsten Monaten zum Spruch kommen. Die DSW rechnet damit, dass im Fall Enron noch 2005 die ersten Vergleiche ausgehandelt werden, bei Parmalat dürfte es 2006 Geld geben.

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