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17.12.2014

18:08 Uhr

Benoit Coeure

EZB-Direktor signalisiert Staatsanleihekäufe

EZB-Direktor Benoit Coeure hat ein klares Signal für breit angelegte Staatsanleihekäufe gegeben. Experten handeln die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes immer höher. Doch das Vorgehen ist umstritten.

EZB-Direktor Benoit Coeure: „Ich sehe einen breiten Konsens im EZB-Rat, dass wir mehr tun müssen.“ Reuters

EZB-Direktor Benoit Coeure: „Ich sehe einen breiten Konsens im EZB-Rat, dass wir mehr tun müssen.“

Frankfurt/ParisFrankreichs EZB-Direktor Benoit Coeure hat mit deutlichen Worten weitere Schritte der Notenbank gegen die Konjunkturflaute und eine mögliche ruinöse Deflation in der Währungsunion gefordert. Es sei nicht mehr die Frage, ob, sondern wie die Europäische Zentralbank (EZB) dies am besten tun könne, sagte Coeure in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit dem „Wall Street Journal“.

Zuvor hatte Frankreichs Wirtschaftsminister Emmanuel Macron erklärt, Staatspräsident Francois Hollande werde beim EU-Gipfel Ende der Woche eine „besser passende“ Geldpolitik der Notenbank gefordert. Coeures überraschend deutliche Aussagen drückten den Euro am Devisenmarkt auf ein Tagestief.

„Ich sehe einen breiten Konsens im EZB-Rat, dass wir mehr tun müssen.“ Sollte sich die Spitze der Notenbank, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Teuerung anzuheizen, für den Einsatz weiterer Instrumente entscheiden, plädierte Coeure dafür, besonders liquide Segmente der Finanzmärkte für den möglichen Aufkauf von Wertpapieren in den Blick zu nehmen.

Die Verlierer des EZB-Krisenkurses

Investoren

Von billigem Geld getriebene Preise für Aktien, Anleihen und Immobilien bergen die Gefahr von Blasen. Davor warnte jüngst zum Beispiel die Deutsche Bundesbank. Das Risiko steigt.

Sparer

Die Inflation ist zwar niedrig, die Zinsen auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten aber sind noch mickriger. Damit verlieren Sparer unter dem Strich Geld, ihre private Altersvorsorge wackelt.

Versicherer und Bausparkassen

Sie können mit den Beiträgen ihrer Kunden kaum auskömmliche Renditen erzielen. Hohe Zinsversprechen aus früheren Zeiten sind im Grunde nicht mehr zu erwirtschaften.

Der Aufkauf von Staatsanleihen – im Fachjargon Quantitative Easing (QE) genannt – sei dabei die Basisoption. „Das heißt nicht notwendigerweise, dass wir nur Staatsanleihen kaufen würden“, sagte der Vertreter Frankreichs im sechsköpfigen Führungsteam der EZB. Die Euro-Notenbankern entscheiden am 22. Januar das nächste Mal über ihren geldpolitischen Kurs.

An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank schon bald noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpt, inzwischen immer höher gehandelt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt die Tür für einen solchen in Deutschland heftig umstrittenen Schritt weit geöffnet.

Kommentare (2)

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Herr Peter Spiegel

17.12.2014, 18:23 Uhr

"Kritik aus Deutschland"
Das fällt in die Abteilung veräppeln.

Account gelöscht!

17.12.2014, 19:20 Uhr

Der Franzose im Board wird sich natürlich zur Sozialisierung der Schulden bekennen.

Nichts anderes wäre der breit angelegte Staatsanleihenkauf durch die EZB, denn die Risiken verteilen sich nach der Trägerbeteiligung, 27% für Deutschland.
Wenn andere nicht zahlen wollen oder können, wird's noch teurer.

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