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30.08.2014

02:40 Uhr

Benoit Coeuré

EZB zur Anpassung von Geldpolitik bereit

In einer griechischen Zeitung schreibt EZB-Direktor Benoit Coeuré, dass die Institution bereit ist, ihre Geldpolitik zu lockern und Banken mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen - unter einer Voraussetzung.

Benoit Coeuré äußert sich in einem Gastbeitrag für eine griechische Zeitung über die zukünftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Reuters

Benoit Coeuré äußert sich in einem Gastbeitrag für eine griechische Zeitung über die zukünftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

ZürichDie Europäische Zentralbank ist EZB-Direktor Benoit Coeuré zufolge bereit, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und den Banken mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung sei, dass die Banken diese an die Wirtschaft weiterreichen, schrieb Coeuré in einem Gastbeitrag für die griechische Zeitung „Ta Nea“ (Samstagausgabe).

Schwachstellen dürften in den nächsten Jahren nicht wieder auftauchen, schrieb Coeuré. Das sei die größte Herausforderung für die Euro-Zone.

Deshalb müssten die Länder der Währungsunion - auch Griechenland - weiter an Reformen festhalten. "Das dient nicht dazu, die Erwartungen aus Brüssel, Frankfurt oder Washington zu bedienen, sondern ist im Interesse der Verbraucher, Arbeiter, Unternehmen und sozialer Gerechtigkeit."

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

Die Kreditvergabe der Banken ist nach Angaben der EZB im Juli erneut gesunken. Die Notenbank hat inzwischen mit umfangreichen Maßnahmen auf den immer geringeren Kreditfluss reagiert und unter anderem erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt, die lieber Geld bei ihr parken als es an Unternehmen und Haushalte zu verleihen.

Zwei zusätzliche Geldspritzen, mit denen die Notenbanker die Kreditvergabe ankurbeln wollen, stehen allerdings erst im September und Dezember auf der Agenda. Am kommenden Donnerstag entscheiden die Notenbanker bei ihrer ersten Zusammenkunft nach der Sommerpause das nächste Mal über ihren künftigen Kurs.

Von

afp

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