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11.11.2013

07:15 Uhr

Benoit Coeure

„Sparer sind nicht die Verlierer der Geldpolitik“

ExklusivDie deutsche Finanzwirtschaft hat die jüngste Zinssenkung der EZB heftig kritisiert. Was Benoît Cœuré nicht nachvollziehen kann. Das EZB-Direktoriumsmitglied verteidigt in einem Handelsblatt-Gastbeitrag die Zinspolitik.

Benoît Cœuré ist Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Reuters

Benoît Cœuré ist Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank.

DüsseldorfBenoît Cœuré, Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), verteidigt in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt die jüngste Zinssenkung der EZB. „Immer lauter werden derzeit Klagen, die EZB bevorzuge mit ihrer Politik der niedrigen Zinsen bewusst Kreditnehmer auf Kosten von Sparern“, schreibt er.

„In Ländern wie Deutschland wird sogar von kalter Enteignung derjenigen gesprochen, die Geld für das Alter zurücklegen. Ich halte diese Schlussfolgerung nicht für angemessen. Die aktuell niedrigen Renditen für Sparer sind vor allem eine anhaltende Folge der jüngsten, tiefen Rezession und der Fragmentierung des Finanzmarktes im Euroraum“, so Cœuré.


Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

In diesem Umfeld seien niedrige Leitzinsen ein Instrument, das mit dem Ziel eingesetzt werde, die Preisstabilität zu wahren. Und Preisstabilität sei eine Grundvoraussetzung, um die Konjunktur wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen. „Höhere Leitzinsen hätten die Rezession verschärft, das Einsetzen einer Erholung verzögert und zu deflationären Risiken beigetragen“, ist der Notenbanker überzeugt. Höhere Leitzinsen würden dem Sparer schaden. Er sei demnach kein Verlierer der EZB-Geldpolitik, wie viele behaupten.

Die EZB hatte am Donnerstag den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Dies stieß bei deutschen Banken und Versicherern auf scharfe Kritik. Die Versicherer werteten die Senkung als „fatales Signal an alle Altersvorsorgesparer in Deutschland“.

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Kommentare (46)

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svebes

11.11.2013, 07:53 Uhr

Danke für die Enteignung der Sparer und Kleinanleger und Rentner, oder was sollen wir zur EZB und deren Politik sagen Herr Cœuré? NA ja, wenigstens sind nicht noch infamer und verlogener als ihr Chef.

Account gelöscht!

11.11.2013, 07:57 Uhr

Benoît Cœuré spricht auf der Straße mit Vertretern der Arbeiterklasse. Eine ältere Oma fragt ihn: "Genosse Direktoriumsmitglied, ist der Geld-Sozialismus eigentlich von den Wissenschaftlern oder von den Politikern erfunden worden?"

Darauf Cœuré stolz: "Von den Politikern natürlich!"

Darauf die Oma: "Na, das denke ich mir. Die Wissenschaftler hätten es vorher bestimmt an Ratten ausprobiert!"

Account gelöscht!

11.11.2013, 07:58 Uhr

Das ist wie bei Orwell NEUSPRECH!
Das ist das "politische Projekt"!

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