Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.07.2013

12:34 Uhr

Beratungsgesellschaft

Ernst & Young erwartet stärkstes Private-Equity-Jahr seit 2008

Die Aktivitäten der Firmenjäger nehmen wieder zu. Mehr und mehr spektakuläre Milliarden-Deals sorgen für Aufsehen. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young erwartet noch weitere Steigerungen.

Die Firmenjäger nehmen wieder Geld in die Hand. dpa

Die Firmenjäger nehmen wieder Geld in die Hand.

FrankfurtSeit einigen Wochen machen Finanzinvestoren in Deutschland wieder mit Milliardenübernahmen auf sich aufmerksam. Der 3,3 Milliarden Euro teure Kauf des Verlags Springer Science durch die Beteiligungsfirma BC Partners war gar der größte Deal seit der Finanzkrise. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) erwartet in einer am Dienstag vorgestellten Studie, dass 2013 das stärkste Private-Equity-Jahr in Deutschland seit 2008 werden dürfte. Damals kauften Finanzinvestoren hierzulande Unternehmen für 15 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr waren es bereits 9,4 Milliarden Euro - rund 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die EY-Daten beziehen sich allerdings nur auf die Transaktionen, deren Wert bekannt gegeben worden ist. Das sind 27 Prozent.

Grund für die stärkeren Aktivitäten der Firmenjäger sind die verbesserten Finanzierungsbedingungen. Dank niedriger Zinsen und wieder etwas risikofreudigerer Banken kommen sie leichter an Kredite - ihrem Schmierstoff Nummer eins für Übernahmen. So konnte BC Partners für den Springer-Science-Deal fast drei Viertel des Kaufpreises fremdfinanzieren. Bis vor Kurzem war maximal die Hälfte drin.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Daneben gab es noch zwei weitere Milliardentransaktionen im ersten Halbjahr: Das Private-Equity-Haus CVC kaufte den Energiedienstleister Ista für 3,1 Milliarden Euro. Der Industriekeramikhersteller CeramTec ging für 1,5 Milliarden Euro an Cinven.

Bei vielen dieser Übernahmen ist der Verkäufer aber ebenfalls ein Finanzinvestor, wie beispielsweise bei Springer Science. "Wirklich neue Deals sind weiter Mangelware", erklärte EY-Private-Equity-Experte Alexander Kron. Es gebe nach wie vor unterschiedliche Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. Zudem fehle es an Kaufzielen. Gerade im Mittelstand bestünden noch immer Vorbehalte gegenüber Beteiligungsfirmen. Trotz aller positiver Signale steht für Kron daher fest: "Ein nachhaltiger Aufschwung des Private-Equity-Marktes ist weiterhin nicht in Sicht." In den Boomzeiten vor der Finanzkrise investierten die Beteiligungsfirmen in Deutschland pro Jahr 30 bis 50 Milliarden Euro, sprich mehr als doppelt soviel wie derzeit.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×