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09.08.2016

14:26 Uhr

Berkshire Hathaway

Buffetts Absage an „finanzielle Vernichtungswaffen“

Schon 2003 hatte Warren Buffett Derivate als „finanzielle Waffenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Doch dann deckte er sich selbst damit ein. Erst jetzt trennte er sich von den letzten Absicherungsinstrumenten für Anleihen.

Derivatepositionen haben ihn bei den Ratingagenturen Punkte gekostet. Reuters

Starinvestor Warren Buffett

Derivatepositionen haben ihn bei den Ratingagenturen Punkte gekostet.

New YorkEs steht in einer US-amerikanischen Pflichtmitteilung: Warren Buffett hat einen weiteren Schritt unternommen, um den Berg an Derivaten seiner Investmentholding Berkshire Hathaway abzubauen.
Das Unternehmen aus Omaha in Nebraska zahlte im Juli 195 Millionen Dollar, um den letzten Kontrakt abzuwickeln, bei dem Berkshire eine Absicherungen gegen Anleiheverluste anbot. Wer die Gegenpartei war, ist den Dokumenten nicht zu entnehmen. Es handelte sich dabei um eine Kreditausfallversicherung über maximal 7,8 Milliarden Dollar.
Im Jahr 2003 hatte Buffett Derivate zwar als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Dennoch ging er in den Folgejahren eine Reihe solcher Kontrakte ein. Er fand die Instrumente eine Weile lang nach eigenen Aussagen deswegen attraktiv, weil sie ihm Liquidität für andere Investments verschafften. Kreditausfallversicherungen (englisch: Credit Default Swap) versichern gegen den Ausfall einer Anleihe oder eines Kredits.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

Sie sind handelbar und lassen sich als Spekulationsobjekt nutzen. Je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit desto höher ist die Prämie. Solche Credit Default Swaps hatte vor der Finanzkrise vor allem der Versicherungsriese AIG verkauft. Sie hatten AIG im Zug der Finanzkrise beinahe in die Pleite getrieben. Der Konzern musste mit Staatshilfe gerettet werden.

Die von Berkshire angebotenen Derivate waren allerdings nicht so risikoreich wie die CDS der Finanzkrise, weil Buffett dafür weniger Sicherheiten vorhalten musste.

Berkshire Hathaway : Buffetts Mann auf Einkaufstour in Deutschland

Berkshire Hathaway

Premium Buffetts Mann auf Einkaufstour in Deutschland

Ted Weschler arbeitet als einer von zwei Portfolio-Managern für Starinvestor Warren Buffett. Er verwaltet ein milliardenschweres Portfolio – und sucht auch in Deutschland nach Übernahmezielen. Vor allem im Mittelstand.

Dennoch haben die Berkshire-Derivate dem Unternehmen Probleme verursacht. Im Jahr 2008 forderte die Börsenaufsicht U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) die Holding dazu auf, genauer offenzulegen, wie sie Kontrakte bewertet – was das das Unternehmen letztlich auch tat. Moody’s Investors Service und Fitch Ratings beriefen sich gleichzeitig auf die Derivate-Positionen, als sie Berkshire die Top-Bonitätsnote aberkannten. Veränderungen beim Wert der Kontrakte spiegelten sich in der Bilanz von Berkshire wider und sorgten manchmal bei den Quartalsgewinnen für wilde Schwünge. Berkshires letztes Kreditderivat verfügte über eine potenziell derart lange Lebenszeit, das es womöglich noch unter dem nächsten Vorstandschef weitergelaufen wäre.

„Das war ein spannendes Kapitel für Berkshire und dessen Aktionäre“, sagt David Rolfe, Investmentchef beim Berkshire-Investor Wedgewood Partners in St. Louis. „Und es sieht so aus, als komme dieses Kapitel zu einem Ende.“ Der Kontrakt aus der Juli-Vereinbarung war 2008 aufgesetzt worden und bezog sich auf Kommunalanleihen mit Fälligkeiten zwischen 2019 und 2054, wie aus Pflichtmitteilungen hervorgeht. Buffett gab gegenüber Bloomberg keine Stellungnahme ab.

Schon seit langem ist der 85-jährige Milliardär dabei, Derivate abzuwickeln oder sie auslaufen zu lassen. Im Jahr 2012 schaffte er es, sich von Kontrakten im Zusammenhang mit Kommunalanleihen zu trennen. Andere, an Unternehmensanleihen gebundene Kontrakte, liefen im darauffolgenden Jahr aus.

Die goldenen Regeln des Value-Investors Warren Buffett

Gezielt auswählen

Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden.

Weniger ist mehr

Beschränken Sie sich auf Unternehmen, die Sie wirklich verstehen können. Zehn bis 20 sind in Ordnung, ab 20 ist Ärger vorprogrammiert.

Viel auf Wenige setzen

Suchen Sie sich unter Ihren guten Unternehmen die besten aus und stecken Sie den größten Teil Ihrer Investments in diese.

Langfristig denken

Denken Sie langfristig: mindestens fünf bis zehn Jahre.

Keine Panik

Volatilität kommt vor. Bleiben Sie dran.

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Sorgen rund um Derivate-Bestände beeinträchtigen Unternehmen und Banken gerade in Krisenzeiten, also gerade in jenen Zeiten, in denen Berkshire typischerweise seine finanzielle Stärke nutzte, um Chancen am Markt wahrzunehmen und viel Geld zu verdienen. „Gerade in einem Abschwung wie 2008 zeigte die ansonsten felsenstarke Bilanz von Buffett Schwächen“, erklärt Vermögensverwalter Richard Cook aus London. „Ich würde es bevorzugen, wenn Berkshire so viel Flexibilität wie möglich hat, wenn die Ebbe einsetzt.“

Noch immer ist Berkshire nicht alle Derivate los. Es gibt einen Bestand, der die Entwicklung von Aktien-Indizes absichert. Hier sind die potenziellen Verpflichtungen angesichts der Rally an den Märkten in den vergangenen Jahren jedoch gesunken.

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