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04.01.2014

00:07 Uhr

Bernanke auf Abschiedstour

Das Vermächtnis des Gelddruckers

VonAxel Postinett

Acht Jahre war er der Fed-Chef, bald übernimmt Yellen das Ruder der US-Notenbank: Ben Bernanke hat kurz vor seinem Amtsende noch leichten Optimismus versprüht. Für 2014 sagte er ein stärkeres Wirtschaftswachstum voraus.

Das Ende seiner Amtszeit naht: Fed-Chef Bernanke.

Das Ende seiner Amtszeit naht: Fed-Chef Bernanke.

San FranciscoEr ist auf der Zielgeraden. In wenigen Wochen wird Ben Bernanke das Amt des US-Notenbankchefs an seine Nachfolgerin, Janet Yellen, übergeben. Sie ist jetzt seine Stellvertreterin und praktisch ein geldpolitisches Abziehbild seiner Vorstellungen.

Sein Erbe ist in guten Händen, wenn Yellen voraussichtlich am Montag vom US-Senat endgültig bestätigt wird. Entsprechend gut gelaunt und wenig überraschend verteidigte Bernanke am Freitag auf einem Wirtschaftsforum in Philadelphia seine nicht unumstrittene Politik der Krisenbewältigung durch endlos billiges Geld. Motto: Vielleicht war es ja nicht perfekt, aber ohne wäre alles viel, viel schlimmer gekommen und es gibt wenig Grund, das zu schnell zu ändern.

Die Wall Street ging beruhigt zum Tagesgeschäft über: Die Kurse stiegen wieder. Am Bondmarkt zeigten sich nur geringe Zinssteigerungen am langen Ende, weil Bernanke verhalten positiv für die US-Wirtschaftsentwicklung in 2014 ist.

Zweifel lässt der 60-jährige am Ende seiner achtjährigen Amtszeit gar nicht erst aufkommen. Am Ziel der US-Notenbank für niedrige Zinsen zu sorgen gebe es auch jetzt, sprich nach ihm, keine Abstriche. Langfristig wäre das in Ordnung, wenn die Wirtschaft alleine auf eigenen Füßen stehe, aber kurzfristig sei es zu riskant, Stützungsmaßnahmen auslaufen zu lassen. Die Tatsache, dass man gerade erst mit dem „Tapering“ angefangen habe, ändere daran gar nichts.

Mit Tapering wird die schrittweise Rücknahme der Wertpapierkäufe im offenen Markt durch die Notenbank bezeichnet. Zuletzt waren es für 85 Milliarden Dollar längerfristige Anleihen im Monat. Jetzt werden es zehn Milliarden Dollar weniger, also 75 Milliarden sein. Die Fed bringt so frisches Geld in die Wirtschaft, hält die Zinsen am langen Ende niedrig und sorgt für eine geringere Zinsdifferenz zwischen Kurz- und Langläufern.

Die Absenkung der Rückkaufsumme sei schlicht ein Zugeständnis an das Erreichte, so Bernanke. Kritiker warnen jedoch vor einem „Gewöhnungseffekt“, der die Finanzmärkte längst erreicht habe. Sie seien wie Drogenabhängige abhängig vom billigen Geld, und die dramatischen Folgen eines „Entzugs“ werde die Weltwirtschaft noch zu spüren bekommen.

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Bernanke ficht das nicht an. Für einen kompletten Rückzug des Übervaters Fed sieht er derzeit noch keine Basis. Die Erholung der US-Wirtschaft mache Fortschritte, aber es bleibe noch zu viel zu tun. Mit sieben Prozent sei die Arbeitslosenrate noch viel zu hoch. Die Entwicklung anderer Maßzahlen wie Unterbeschäftigung durch unfreiwillige Teilzeitarbeit verlief zudem wesentlich schlechter als bei den Arbeitslosenzahlen.

Viele Arbeitssuchende verschwänden aus der Statistik, weil sie schlicht die Hoffnung aufgegeben hätten. Eine ausgewöhnlich geringe Zuwachsrate bei der Produktivität müsse auch noch zur Liste der „positiven“ Faktoren am Arbeitsmarkt zugerechnet werden. Ist der Produktivitätsfortschritt gering, steigt der Zwang auch in einer schwachen Erholung Mitarbeiter einzustellen.

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