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25.04.2012

22:22 Uhr

Bernanke zur Eurokrise

„Europa muss mehr tun!“

VonRolf Benders

US-Notenbankchef Ben Bernanke ist besorgt über die Situation in Europa. Er lobt zwar die Politik von EZB-Chef Mario Draghi, verlangt aber neue Anstrengungen der Politik. Den US-Großbanken gegenüber hält er sich zurück.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank. AFP

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank.

New YorkIm Streit der europäischen Regierungen über die richtige Geldpolitik stellt sich US-Notenbankchef Ben Bernanke auf die Seite seines EZB-Amtskollegen Mario Draghi. „Europa hat große Fortschritte gemacht. Dazu gehören die LTROs“, sagte er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz zur US-Geldpolitik.

„LTRO“ ist das Kürzel für die umstrittenen Langfristleiheprogramme der EZB an die europäischen Banken. Indirekt hatte die EZB damit die Gelddruck- und Anleiheankaufprogramme der Fed imitiert. Statt wie die Fed Anleihen selbst zu kaufen, lieh die EZB den Banken Geld, um Staatsanleihen von Problemländern in Europa zu kaufen.

Bernanke erkannte in seinen Ausführung auch anderen Anstrengungen zur Lösung der Krise in Europa an, wie etwa die Sparprogramme in Griechenland oder die ausgeweiteten Rettungsprogramme der EU für angeschlagene Staaten. Doch er ist der Ansicht, dass das immer noch nicht genug ist. „Europa muss mehr tun, betrachtet man, was in den Märkten passiert“, sagte er mit Blick auf die wieder steigenden Kreditkosten in Ländern wie etwa Spanien.

Gleichzeitig forderte Bernanke aber auch die Politiker in Washington zum Handeln auf. Er warnte davor, dass die derzeit gesetzlich für Anfang 2013 vorgesehenen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen das schwache Wachstum im Land beschädigen könnte. „Das sind dann Probleme, die auch die Fed nicht alleine lösen kann“, sagte er.

Zum Jahreswechsel laufen Steuervergünstigungen aus der Zeit von US-Präsident George W. Bush aus. Gleichzeitig werden Ausgabenkürzungen wirksam, die im Sommer vergangenen Jahres als Kompromiss bei der Anhebung des Schuldenlimits beschlossen wurden.

Diese Kombination wird derzeit unter Ökonomen in den USA als „Fiscal Cliff“, also sinngemäß als haushaltspolitische Klippe heiß diskutiert. Viele befürchten, ohne Änderungen an den Gesetzen werde die Konjunktur schweren Schaden nehmen. Wegen des Wahlkampfes ist vor dem Wahltag Anfang November nicht damit zu rechnen, dass die Politik in Washington wieder handlungsfähig wird und sich auf einen Kompromiss einigen kann.

Bernanke machte zudem deutlich, dass er derzeit geldpolitisch für die Fed keinen Handlungsdruck sieht. Zuvor hatte die Fed bekannt gegeben, die Zinsen unverändert bei nahe null Prozent zu belassen. Er bekräftigte zudem, dass Operation Twist, das Programm mit dem die Fed die Zinsen für langlaufende Kredite zu drücken versucht, im Juni auslaufen wird.

Kommentare (23)

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rolrolrol

25.04.2012, 23:10 Uhr

Natürlich will Bernanke, dass Deutschlands Steuerzahler Geld ausgeben um die Positionen zu stützen, die amerikanische Banken in Europa halten. Die sollen für ihre Risiken schön selber Geradestehen. Während der amerikanischen Immobilienkrise konnten die Deutschen Banken auch nicht Beiträge von amerikanischen Steuerzahlern fordern.

whisky

25.04.2012, 23:26 Uhr

Ich hab kürzlich im Deutschlandfunk gehört, daß es eine Vereinigung gibt, die unsere Politik bestimmt - weltweit. "Sie sind vereint in der "International Swaps and Derivatives Association" ISDA, ein 1985 gegründeter Zusammenschluss der weltgrößten Banken und Spekulationshäuser. 834 Firmen aus 57 Ländern, angeführt vom Direktor Stephen O'Connor der Morgan Stanley Bank. Dessen Stellvertreter ist Michele Faissola, der Vertreter der Deutschen Bank. - Joseph Stieglitz, Professor der Columbia University in New York und Nobelpreisträger für Ökonomie, erläutert seit Jahren, dass dieses Gremium direkt die Finanzpolitik der vermeintlich unabhängigen Zentralbanken der Welt bestimme, und der Regierungen. Es sei ein Gremium der Gewinner, die sich den Kuchen der öffentlichen Subventionen aufteilten. "

Account gelöscht!

26.04.2012, 00:21 Uhr

Eines Tages wird der Name Ben Bernanke noch in den Geschichtsbüchern stehen, als derjenige, der die größte Inflation seit Menschengedenken losgetreten hat. Und wohin uns die amerikanische Finanzpolitik gebracht hat, kann man an der Immobilienblase 2007 sehen und auch sehr gut am Verfall des US-Dollars, wenn man die Goldpreiskurve seit den 80er Jahren betrachtet! Um den Faktor, wie das Gold gestiegen ist, um mindestens diesen Faktor haben Finanzexperten wie Bernake das Papiergeld aufgeweicht ... den Euro gleich mit im Schlepptau. Ich sage deswegen "mindestens" weil auch von den höchsten Kreisen Druck auf diesen Indikator ausgeübt wird, sprich Goldpreismanipulation. Denn wenn hier nicht immens manipuliert würde, wären die Papierwährungen bereits deutlich stärker unter Druck geraten.
Wir dürfen gespannt sein, wie lange Bernanke und Co. es noch schaffen, dieses Inflationsspiel mit der grenzenlosen Geldmengenerschaffung noch aufrecht erhalten können. In diesem Zusammenhang sind seine Aussagen in Interviews eine einzige Farce!

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