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27.03.2012

22:08 Uhr

Bernanke zur Finanzkrise

„Wir haben die Kernschmelze gestoppt“

VonNils Rüdel

Ohne die beherzten Schritte der US-Notenbank wäre die Weltwirtschaft zusammengebrochen: In seiner dritten Gastvorlesung verteidigt Fed-Chef Ben Bernanke seine Rolle in der Finanzkrise. Doch er räumt auch Fehler ein.

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Reuters

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Federal Reserve.

WashingtonUS-Notenbankchef Ben Bernanke hat die Rolle der Federal Reserve in der Finanzkrise 2007 bis 2009 verteidigt. Durch eine „energische Antwort“ habe die Fed noch schlimmere Folgen für die Wirtschaft verhindert, sagte Bernanke am Dienstag vor Studenten in Washington. Auch wenn die Notenbank bei der Entstehung der Krise Fehler in der Aufsicht begangen habe, „haben wir die Kernschmelze des globalen Finanzsystems gestoppt“. Die milliardenschweren Rettungspakete, unter anderem für den Versicherungsgiganten AIG, seien nur „das geringere Übel“ gewesen. Hätte man die notleidenden Finanzkonzerne jedoch Pleite gehen lassen, hätte das unkalkulierbare Folgen gehabt.

In seiner dritten von vier Gastvorlesungen an der George-Washington-Universität ging es am Dienstag um die Entstehung der Finanzkrise ab 2007, deren Höhepunkt im Herbst 2008 und die Antwort der Fed. Die Große Depression in den 1930er-Jahren sei indes schlimmer gewesen, so Bernanke. Nicht zuletzt deshalb, weil die Fed dieses Mal richtig reagiert habe. Die Märkte und die Industrieproduktion hätten sich diesmal deutlich schneller erholt als damals. Entscheidend sei auch das koordinierte Vorgehen der Notenbanken weltweit gewesen.

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Als im Sommer 2007 die Immobilienblase zu platzen begann, setzte die Fed in mehreren Schritten die Zinsen herab, von 5,25 auf 3 Prozent im Januar 2008. Doch die Krise verschlimmerte sich weiter: Im März 2008 brach die Investmentbank Bear Stearns zusammen und wurde nur durch einen von der Fed gestützten Notverkauf an die Großbank JP Morgan gerettet.

Höhepunkt der Krise war die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008, nicht von der Fed beaufsichtigt wurde“, wie Bernanke betonte. „Es war eine klassische Panik“, so der Notenbankchef. Finanzinstitute zogen scharenweise untereinander ihr Geld ab, niemand traute mehr dem anderen, die Zinsen am Interbankenmarkt stiegen dramatisch an. Gleichzeitig trocknete die Kreditversorgung der Unternehmen nahezu aus.

Kommentare (12)

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27.03.2012, 22:55 Uhr

Die Kernschmelze wurde nicht gestoppt, sondern lediglich um ein paar Jahre verschoben.
Die größte Krise der Neuzeit, entstanden durch Leben auf Pump, wurde mit 32,5 Billionen neuer Schulden bekämpft, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung einzuleiten. Beides ist gründlich in die Hosen gegangen. Die Bankster sind immer noch so pleite wie anno 2007 und alle Konjunkturstohfeuerpakete sind wirkungslos verpufft, ohne den gewünschten Erfolg. Jetzt sind fast alle westl. Ind.staaten pleite, noch mehr pleite geht nicht mehr. Wegbrechende Steuereinnahmen prallen auf explodierende Ausgaben für Zinsen und Soziales. Ohne die Druckerpressen der Zentralbanken wäre die öffentliche Ordnung in den westl. Ind.staaten schon lange zusammengebrochen.
Ben lobt die schnelle Entscheidungen, die zum Erfolg führten, nicht wie in der großen Depression. Da muss ich widersprechen. Die große Depression wurde in Europa durch Kriegsvorbereitungen, und in den USA durch den Eintritt in den II.WK beendet.
Der Wohlstand der USA in den letzten 20 Jahren wurde auf Betrug aufgebaut, mit Weihnachtspaketen, die mit AAA bewertet und heißer Luft gefüllt waren. Aus den ca. 12 Bio. $ Hypotheken in den USA zauberten die Investmentgangster ein „Vermögen“ von ein paar Hundert Billionen und verhökerten diese dann an die stupid Europeans, die noch an den Osterhasen glauben. Jetzt sitzen Europas Bankster auf über 18,2 Billionen Euro absolut wertloser Papierschnipsel, die die USA in den letzten 20 Jahren verfrühstückten. Außerbilanzielle Geschäfte dürften ein Mehrfaches betragen, die z.B. in irische Zweckgesellschaften ausgelagert wurden, um sie vor der Finanzaufsicht zu verstecken.
Um die größte Krise der Neuzeit hinauszuschieben hat sich in den letzten 3 Jahren die Weltverschuldung von ca. 62 Billionen $ auf über 96 Billionen $, also um 50% erhöht!

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27.03.2012, 22:56 Uhr

Teil II
Einige Bundesstaaten in den USA können nicht mal mehr ihre Streifenbeamte bezahlen, Griechenland im Quadrat.
Die Realindustrie hatte man in Billiglohnländer ausgelagert, das Geld „erwirtschaftete“ jetzt die Finanzbetrugswirtschaft, deren Schulden vom Steuerzahler übernommen, also lediglich verlagert wurden. Und damit soll das Problem gelöst sein? Ne ne, Ben. Sie sind zwar einer der intelligentesten Menschen auf diesem Planeten, agieren aber nach den Anweisungen der Lobbyisten der Bankster. Und genau dies ist auch der Untergang unseres Finanzbetrugssystems, mit allem was dazugehört, also auch innere Unruhen, Aufstände usw.
Europa ist da schon zehn Schritte weiter, mit den dringend erforderlichen Sparprogrammen, allerdings 4 Jahre zu spät, weil sich die Verschuldung so massiv erhöht hat und jegliche konjunkturelle Erholung bereits im Keim erstickt.
Mit den durchgeführten Maßnahmen versinken die westl. Ind.staaten in ein Jahrzehnte langem Siechtum, die die Zustände in den 30-ern bei Weitem in den Schatten stellen werden.
Die einzige Chance auf eine wirtschaftliche Erholung, um einen Lebensstandard zu erreichen, der vielleicht der Hälfte des derzeitigen entspricht, wäre ein Reset im Finanzsystem und einem Trennbankensystem. So könnte die Krise schon in ein paar Jahren minimiert werden.

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27.03.2012, 23:06 Uhr

Das Armageddon des globalen Finanzsystems, da stehen wir kurz davor.
Laut Bloomberg hat die Bank of America, nach ihrem Downgrade durch Moody's, Derivate im Wert von 75 Billionen Dollar (nicht Milliarden) von ihrer Investment- banking-Tocher Merrill Lynch in ihre Retailbanking-Abteilung verschoben und damit Zugriff auf das Fed Discount-Fenster und den Einlagenschutz der FDIC für diese Summe bekommen. Das bedeutet, das Ausfallrisiko für europäische Derivate wird nun durch den US-Steuerzahler garantiert.

Aber es geht weiter, die JPMorgan Bank hat anscheinend das selbe mit 79 Billionen Dollar an Derivaten gemacht. Dazu kommt, man weiss gar nicht was sonst noch an Versicherungsgarantien irgendwo in den Büchern anderer Banken schlummern, denn niemand führt Buch darüber. Es können mehrere Hundert Billionen sein.

Kein Wunder ist US-Finanzminister Timothy Geithner in ganz Europa unterwegs und bettelt und fleht die Regierungen der EU-Länder an, einen massiven Rettungsschirm für die potenziellen Pleitebanken so schnell wie möglich zusammenzuschustern. Sein grösster Albtraum ist, wenn die Banken in der Eurozone hops gehen, trifft es dadurch auch die grössten US-Banken, welche wie verrückt Kreditausfallversicherungen an die Europäer verkauft haben, und dann muss der US-Steuerzahler blechen.
Eigentlich unerheblich wo man hinschaut, überall das selbe Problem: Nix gelöst, sondern lediglich a bissl rausgeschoben.

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