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10.09.2013

12:00 Uhr

Bert Flossbach im Interview

„Eine Zinswende wäre tödlich“

VonJörg Hackhausen

Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben, sagt Bert Flossbach. Sonst würden viele Staaten pleitegehen. Warum der Vermögensverwalter Aktien für eine halbe Milliarde Euro verkauft hat – und trotzdem an Aktien glaubt.

Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: „Das Schlimmste wäre, wenn das Vertrauen in unser Geldsystem verloren geht.“ Valéry Kloubert für Handelsblatt

Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: „Das Schlimmste wäre, wenn das Vertrauen in unser Geldsystem verloren geht.“

Herr Flossbach, Sie haben in den vergangenen Wochen Aktien verkauft. Warum?
Bert Flossbach: Ich habe einige Aktien verkauft, die gut gelaufen waren. Ein Beispiel wäre Kellog, die Aktie war in den vergangenen zwölf Monaten von rund 50 Dollar auf 66 Dollar gestiegen.

Dafür, dass Sie von Gewinnmitnahmen sprechen, ist die Aktienquote innerhalb kurzer Zeit sehr deutlich gesunken.

Die Aktienquote ist von 84 Prozent auf ungefähr 70 Prozent gefallen. Das war im August, als wir Höchststände an den US-Börsen hatten. Im Moment liegt die Aktienquote schon wieder etwas höher.

Bei der Größe Ihres Fonds kommen durch die Verkäufe einige Millionen zusammen…

… ungefähr eine halbe Milliarde Euro.

Steckt dahinter vielleicht, dass Sie einen Kursrutsch an den Märkten erwarten?

Nein, das hat spezifisch mit einzelnen Aktien zu tun. Uns wäre es ganz recht, wenn es eine Korrektur gäbe, um günstig kaufen zu können. Aber ich rechne nicht damit. Sonst würde ich die Aktienquote noch weiter nach unten fahren. Abgesehen davon: Nur den Gesamtmarkt anzuschauen, ist eine Unsitte. Aktien bewegen sich nie alle in dieselbe Richtung; höchstens dann, wenn man einheitliche Faktoren hat, die den Markt komplett beherrschen. So etwas ist nur sehr selten der Fall.

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro

Ein alles beherrschender Faktor fiele mir schon ein: das billige Geld der Notenbanken. Wenn es davon weniger gäbe, wäre der Entzug für die Märkte schmerzhaft.

Die Entwicklung an den Aktienmärkten ist sicherlich sehr stark von der Geldpolitik abhängig. Viel Liquidität und niedrige Zinsen sind gut für Aktien. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Da sehe ich keine Gefahr.

Finden Sie denn noch genügend günstige Aktien?

Die Gewinnrendite von Aktien im Vergleich zur Rendite von Unternehmensanleihen auf dem US-Markt ist so hoch wie nie in den vergangenen 20 Jahren. Sofern diese Situation noch länger anhält, ist es auch gerechtfertigt, dass man Aktien eine höhere Bewertung zubilligt. Das heißt nicht, dass wir gar keine Anleihen kaufen. Vereinzelt ergeben sich auf dem Bondmarkt gute Gelegenheiten.

Welche zum Beispiel?

Nehmen Sie Apple. Die Anleihe kam im Mai mit einem Kupon von 2,4 Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren auf den Markt. Das Verhältnis von Chance zu Risiken war katastrophal. Ich frage mich, welche Leute das gekauft haben. Der Kurs fiel dann auch innerhalb kurzer Zeit um zehn Prozent. Jetzt sieht die Welt anders aus: Die Rendite ist auf 3,7 Prozent gestiegen – schon wieder halbwegs attraktiv.

Kommentare (45)

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Account gelöscht!

10.09.2013, 12:15 Uhr

„Das Schlimmste wäre, wenn das Vertrauen in unser Geldsystem verloren geht.“

dann soll er sich mal Anstrengen das Vertrauen aufrecht zu halten.

Account gelöscht!

10.09.2013, 12:44 Uhr

Natürlich das weiß doch jeder, aber wenn es keine Zinsen gibt ist Deutschland Pleite bzw seine Sparer und die Versorgungswerke. Verfluchter Euro, und die die uns das eingebrockt haben. Wenn vor vier Jahren, als die Krise begann, die voraussehbar war, hätte man gleich harte Schnitte mache müssen. Jetzt erwartet uns ein langes Siechtum.

HofmannM

10.09.2013, 12:54 Uhr

Eine Zinswende wäre für die deutschen Sparer uberlebenswichtig und senkt das Armutsrisiko.
Der Austritt der Euro-Schulden-Länder aus dem EURO wäre für die deutschen Sparer überlebenswichtig und senkt das Armutsrisiko.
Die Banken haben den Maastrich Vertrag gebrochen und damit den EURO massiv geschadet. Eine Schuldenunion bringt nur noch mehr Schulden und Armut auf Kosten der europäischen Bürger. Die einzigen die daran verdienen, sind Abzocker und korrupte Politiker und Banker.
Schmeißt die Schulden Länder aus dem EURO, damit wieder Wirtschaftwachtum in diesen Ländern entstehen kann. Ein Schuldenland per Transferzahlung am Tropfer zu hängen ist asozial und perfide. Es beraubt dem Land die Freiheit selbst zu entscheiden. Aufstehen für Deutschland und Europa. Am 22.09.2013 AfD (Alternative für Deutschland) wählen. Zum Wohle Europas. Danke!

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