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01.09.2011

10:17 Uhr

Bilanz des Börsen-Crash

25 Prozent Minus – und dem Dax droht weiteres Übel

VonUlf Sommer

Der schwarze August ist zu Ende, der Dax hat sich von seinen Tiefs etwas erholt. Doch die fundamentalen Probleme wiegen weiter schwer. Wer den Kurssturz als Delle inmitten des Aufschwungs abtut, lügt sich in die Tasche.

Ulf Sommer ist Redakteur beim Handelsblatt. Pablo Castagnola

Ulf Sommer ist Redakteur beim Handelsblatt.

Düsseldorf25 Prozent Verlust im Dax signalisieren einen ausgeprägten Bärenmarkt. Nach solch einer Talfahrt ist zu viel Vertrauen zerstört, als dass milliardenschwere Investment- und Pensionsfonds ihre defensive Haltung allzu schnell aufgeben werden. Daran ändert auch die Aktienrally vom Mittwoch nichts. Solch abrupte Kurssprünge ohne harte Nachrichten sind typisch in jeder großen Talfahrt.

Wer frühzeitig ausgestiegen ist, dürfte erst einmal abwarten. Denn in der Vergangenheit gelang es den Börsen zuverlässig, konjunkturelle Abschwünge frühzeitig vorherzusagen, noch ehe die ersten Unternehmen vor einem Abschwung warnten. Zuletzt vollbrachten die Märkte dieses Kunststück Anfang 2008. Damals brummte die Wirtschaft, und die Firmen hatten gerade Rekordgewinne eingefahren. Doch die Börsen stürzten angesichts sinkender Stimmungsindikatoren der Wirtschaft ab und nahmen so den schwersten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegsgeschichte vorweg.

Die jetzige Schwäche am Aktienmarkt ist auf viele schwere Probleme zurückzuführen, die sich gegenseitig verstärken und in nächster Zeit nicht verschwinden dürften. Die Schuldenkrise in Europa und den USA dämpft die Stimmung der Verbraucher und Unternehmen, und Anleger befürchten weniger Konsum und geringere Investitionen. Deshalb sinken die Frühindikatoren: Die Märkte erwarten, dass sich die Konjunktur abkühlt - die Kurse fallen.

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Der August war ein schwarzer Börsenmonat. Einzelne deutsche Aktien verloren fast die Hälfte an Wert. Einige Papiere konnten sich dem Abwärtstrend aber entziehen – allen voran ein Wert, den niemand auf der Liste hatte.

Daraus ergibt sich zunächst eine positive Nachricht: Angesichts der immer noch sprudelnden Firmengewinne in beinahe allen Branchen sind deutsche Aktien extrem niedrig bewertet. Derzeit bezahlen die Anleger die Anteilsscheine der 30 Dax-Unternehmen nur noch mit so wenig Geld, wie die Firmen durchschnittlich in neun Jahren netto verdienen. Das ist ein Abschlag von 40 Prozent im Vergleich zum historischen Mittel seit 1985. Anders gesagt: Wären Aktien wie im langjährigen Durchschnitt bewertet, dann stünde der Dax nicht bei 5700, sondern bei über 8000 Punkten. Auf diesem Niveau wären die Aktien angesichts der starken Firmengewinne keineswegs überteuert.

Aber derartige Bewertungen beruhen auf den erwarteten Gewinnen in den nächsten zwölf Monaten. Die Fachanalysten berufen sich dabei auf die tatsächlichen Ergebnisse der Firmen, deren Aufträge und deren Erwartungen. Den Prognosen liegt zugrunde, dass die Dax-Konzerne ihre Gewinne in diesem Jahr um gut sechs und im nächsten Jahr um weitere zehn Prozent steigern werden. Damit unterstellt die Zunft den Unternehmen ein moderates Wachstum, also keineswegs ein so hohes Tempo wie in Boomzeiten. Das heißt: Entpuppen sich die Rezessionsszenarien der vielen Pessimisten als falsch und schwenkt die Wirtschaft nach einer kleinen Delle im nächsten Jahr wieder auf moderaten Wachstumskurs, dann wären Aktien derzeit spottbillig.

Kommentare (8)

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Fantor

01.09.2011, 13:04 Uhr

Warum müssen die Medien immer Krisen-Angst verbreiten? Wer in Aktien investiert, sollte sich die Gewinne der letzten 10 Jahre ansehen und überlegen, wie es in den nächsten 10 Jahren weitergehen könnte. Wenn 2012 die Gewinne stark einbrechen, wären einige Unternehmen also momentan fair bewertet. Und was passiert dann in den nächsten Jahren? Wieder 30% Gewinnrückgang? Oder wieder ein leichter Anstieg? Wer zur kurzfristig denkt, sollte keine Aktien kaufen. Die meisten Investoren wissen doch, dass es zyklische Aktien gibt. Diese Schwankungen muss man bei seinem Investment berücksichtigen.
Eins ist aber klar: Hin und Her macht Taschen leer

Markus

01.09.2011, 13:45 Uhr

Bei allem Verständnis Herr Sommer, aber Sie glauben doch nicht ernsthaft daran, das an der Börse immer Fakten gehandelt werden? Börse ist zu 90% Psychologie, und die heftigen Schwankungen gehen einzig und allein auf die Tatsache zurück, das die Medien mit ihrer angeblichen Krisenberichterstattung das Sommerloch füllen müssen!

Durch permanentes Hochkochen und streuen irgendwelcher haltlosen Gerüchte haben die Berichterstatter einen sehr großen Anteil daran.

Wie mein Vorredner geschrieben hat, gibt es nun mal Schwankungen und bei Zyklikern noch viel mehr. Das ist aber arg weit hergeholt daraus jetzt einen Konjunkturabschwung herauslesen zu wollen.

Account gelöscht!

01.09.2011, 13:45 Uhr

Selbsterfüllende Prophezeiungen.

Wenn keiner ein Interesse daran hätte Rezessionsängste zu schüren, könnte man auch sagen in den BRIC-Ländern brummt die Wirtschaft. Dann würden vielleicht die Exportwerte durch die Decke gehen.

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