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08.08.2012

10:54 Uhr

Bill Gross

„Der Aktienkult ist tot!“

Bill Gross, einer der mächtigsten Fondsmanager der Welt, fällt ein harsches Urteil über die Aktienmärkte: Deren Renditen seien wie ein Schneeballsystem, sagt er. Bei Kollegen kommen seine Vorwürfe nicht so gut an.

Top-Manager Gross: "Wie ein Schneeballsystem" action press

Top-Manager Gross: "Wie ein Schneeballsystem"

Als Bill Gross vor drei Jahren einen erneuten Vorstoß des Anleihe-Spezialisten Pacific Investment Management, kurz Pimco, in den Aktienmarkt startete, wollte er die Fehler aus den 1980er Jahren nicht wiederholen. Damals wurden die neu eingestellten Aktienfondsmanager regelmäßig von den Bondhändlern bei Strategie-Sitzungen überstimmt und verließen schließlich die Fondsgesellschaft.

Mit seinen offenen Worten in einem Interview dürfte er die Aktien-Spezialisten jetzt jedoch vor den Kopf gestoßen haben. “Der Aktien-Kult ist tot”, sagte Gross in einem Interview mit Bloomberg TV und verglich die langfristigen Aktienrenditen mit einem Schneeballsystem. Inflationsbereinigte Renditen von 6,6 Prozent, die sogenannte “Siegel-Konstante”, werde es nicht mehr geben, meint Gross.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

“Ich kann mir vorstellen, dass die Aktien-Fondsmanager ebenso zusammengezuckt sind wie die Spezialisten für Unternehmensanleihen, als er vor einiger Zeit erklärte, er werde zu keinem Preis eine Unternehmensanleihe kaufen”, sagte Bill Powers, der von 1991 bis 2010 bei Pimco tätig war und im Investment- sowie im Steuerungsausschuss der Gesellschaft saß. “Bill sagt seine Meinung zum Wert in den Märkten immer sehr offen.”
Gross' Einschätzung wirft ein Schlaglicht auf die Probleme, die Pimco beim Ausbau seiner Aktiensparte hat. Denn die Manager müssen sich der von “Bond-König” Gross umrissenen Philosophie sinkender Renditen über alle Anlageklassen anpassen. Seit die Tochter der Allianz SE 2010 ihren ersten Aktienfonds aufgelegt hat, sind 3,2 Mrd. Dollar in die vier wichtigsten Pimco- Aktienfonds geflossen, weniger als ein Prozent der von Pimco insgesamt verwalteten 1,8 Billionen Dollar. Die Risikoabneigung der Investoren bremst die Zuflüsse ebenso wie die schwache Performance der Pimco-Aktienfonds.

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„Kaufen Sie einen Bauernhof!“

Der bekannte Investor ist davon überzeugt, dass die Schuldenkrise in Europa eskaliert. Aber nicht nur dort. Auch den USA drohen Ungemach, sagt Rogers. Deutschen Investoren rät er zu einer radikalen Anlagestrategie.

Neel Kashkari leitet seit 2009 den Aktienbereich bei Pimco. Die Äußerungen von Gross stehen im Einklang mit Pimcos Ausblick für Aktien in einem Umfeld der “neuen Normalität” mit unterdurchschnittlichem Wachstum, erklärt er.

Kommentare (9)

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so_what

08.08.2012, 11:39 Uhr

Eine klare Ansage:


Pimco-Gründer: Von Europa wegbleiben!



New York (BoerseGo.de) - Pimco-Gründer Bill Gross rät Anlegern von Investitionen in Europa ab. Europa werde seine Schuldenkrise nicht innerhalb von kurzer Zeit lösen, schrieb Gross in einem Gastbeitrag für die "Financial Times".
Das endgültige Ziel der europäischen Politiker sei es, auf das Geld des Privatsektors zurückzugreifen, weil dies zur Stützung der europäischen Wirtschaft notwendig sei.

"Draghi und seine Freunde wollen nur euer Geld", so Gross.

In dieser Hinsicht gebe es auch keinen Unterschied zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Staatspräsidenten François Hollande, der IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Präsident Mario Draghi.

Investoren würden abgelenkt durch die hunderten von Milliarden Euro, die in Rettungspakete gesteckt wurden.

Diese Beträge seien aber nicht entscheidend, da es eigentlich um Billionenbeträge gehe.


Blindfein

08.08.2012, 12:06 Uhr

Recht hat er .
Die Börse bewegt sich seit fast 12 Jahren nur horizontal .... der DOW JONES lag damals sogar noch höher . Der Nikkei hat in 20 Jahren sogar ca. 75% seines Wertes eingebüsst . Vielen Unternehmen , die eine gute Rendite ausschütten geht langsam die Substanz verloren . Die spanische Telefonica/Movistar wird dieses Jahr keine Dividende ausschütten . Der Kurs ist von über 20 Euros auf ca. 9 €uro abgestürzt . Und dies ist kein Einzelfall . Die Börse ist nur noch für Leute interessiert , die darin arbeiten .und ihre Kommissionen kassieren , während der (Amateur)Aktionist nur noch abgelinkt wird . Mittlerweile schlimmer als selbst ein renommiertes Kasino . Vorbei die rosigen Zeiten , als die Liquidtitätsschwemme der FED noch die Börsen auf ungeahnte Höhen trieb .

Cuibono

08.08.2012, 12:35 Uhr

Danke für die korrekte Wiedergabe des Interviews. Da fragt man sich wieso jetzt auch das HB anfängt dem europäischen Politikerpack nach dem Maul zu schauen!?
Überlasst dies bitte den Möchtegern-Prsidentenmachern vom Spiegel! Euer Niveau liegt höher!

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