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05.04.2013

16:20 Uhr

Bill Gross stänkert

„War es mehr als Glück?“

VonJörg Hackhausen

Buffett, Soros oder Bill Miller – diese Investoren gelten als lebende Legenden. Aber haben sie es wirklich drauf? Ein anderer Börsenguru meint, sie hätten vielleicht nur Glück gehabt. Der wahre Test stehe erst bevor.

Bill Gross, der "Bond-König" von Pimco, prophezeit eine Zeitenwende. dapd

Bill Gross, der "Bond-König" von Pimco, prophezeit eine Zeitenwende.

Eines muss man William H. Gross, kurz: Bill Gross, lassen. Er versteht es, im Gespräch zu bleiben. Immer mal wieder sorgt der Börsenguru mit gezielten Provokationen für Aufmerksamkeit. Diesmal hat er noch einen draufgesetzt: eine Abrechnung mit den ganz Großen seiner Branche. Warren Buffett, George Soros, Bill Miller und er selbst seien gar nicht so gute Investoren, wie alle denken, schreibt Gross in seinem jüngsten Investmentausblick mit dem Titel „The Man in the Mirror“. In Wahrheit hätten sie vielleicht nur großes Glück gehabt.

Das allein lässt schon aufhorchen. Aber damit nicht genug. Zwischen den Zeilen erfährt der Leser, dass Gross noch um eine andere Botschaft geht. Er prophezeit eine Zeitenwende.

Bill Gross ist der bekannteste, vielleicht auch der einflussreichste Anleiheinvestor der Welt. Er ist Gründer und Co-Chef von Pacific Investment Management, kurz Pimco. Die Gesellschaft verwaltet ein Vermögen von 1,5 Billionen Dollar. Allein der Pimco Total Return Fund ist knapp 290 Milliarden Dollar schwer. Seine Verdienste haben Gross den Spitznamen „Bond King“ eingebracht, zu deutsch: „König der Anleihen“.

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“, schreibt Gross nun. Wahrscheinlich habe das Zeitalter die Männer geprägt, und nicht umgekehrt die Männer das Zeitalter („Perhaps, however, it was the epoch that made the man as opossed to the man that made the epoch“).

Die Prognosen der Finanzprofis

George Soros, Investor

„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)

Marc Faber, Investor

„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)

Bill Gross, Fondsmanager

„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013)

Felix Zulauf, Vermögensverwalter

„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)

Jim Rogers, Rohstoffguru und Fondsmanager

„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)

Steen Jakobsen, Chefvolkswirt bei der Saxo Bank

„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2013)

Warren Buffett, Investor

Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge. (01.03.2012)

Nouriel Roubini, Ökonom

„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)

Stan Druckenmiller, Hedge-Fonds-Manager

„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)

Jim O’Neill, Chairman Goldman Sachs Asset Management

„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Barry Knapp, Barclays

„Der große Treiber ist die Fed. Eine Wachstumskorrektur am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Quartals ist wahrscheinlich. Unser Problem sind die Auswirkungen der fiskalischen Kontraktion, stagnierendes Wachstum und Investoren, die zu enthusiatisch sind in Bezug auf den Häusermarkt.“

Dan Veru, Investment-Chef Palisade Capital Management

„Ich denke es gibt viele Investoren die darauf warten, in den Markt einzusteigen.“

Mohamed El-Erian, Co-CIO bei Pimco

„Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer)

Hat Gross der Mut verlassen, oder warum klingt er plötzlich so kleinlaut? Wohl kaum. Dafür ist der Mann zu lange im Geschäft. Sein erstes Geld soll er in den 1960er-Jahren im Casino verdient haben. Mit dem Buch „Beat the Dealer“ des Mathematikers und späteren Hedge-Fonds-Managers Edward Thorp im Gepäck sei er nach Las Vegas gereist, heißt es. Aus anfänglich 200 Dollar habe er beim „Black Jack“  nach wenigen Monaten 10.000 Dollar gemacht. Ein guter Start für eine Karriere als Investor.

Gross gründet im Jahr 1971 in Newport Beach, Kalifornien, seine Vermögensverwaltung. Die Kunden überhäufen ihn mit Geld, weil Gross seine Sache gut macht. Im Jahr 2000 tritt der Allianz-Konzern an ihn heran, der deutsche Versicherer kauft Pimco für 2,5 Milliarden auf. Gross behält weiter das Sagen. Gemeinsam mit Mohamed El-Erian bestimmt er bis heute die Geschicke von Pimco.

In seiner aktuellen Investmentkolumne blickt er zurück auf die 1970er-Jahre. Damals ließen die USA dem Dollar freien Lauf, indem sie sich von seiner Anbindung an Gold verabschiedeten. Was folgte war ein gigantischer Boom von Geld auf Pump, das rund um den Globus zirkulierte. Es wirkte wie Raketentreibstoff an den Finanzmärkten. Davon hätten Anleger profitiert, bequem und mit überschaubarem Risiko, wie Gross schreibt. Selbst zwischenzeitliche Schwankungen ließen sich gut aushalten.

Doch damit ist es nach Meinung des Investors nun vorbei. Ein neues Zeitalter hat begonnen.

Kommentare (3)

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otto15

05.04.2013, 18:54 Uhr

Wahrscheinlich war es überwiegend Glück. Jeder Abiturient mit Mathe GK kann es nachrechnen, Stochastik Grundlagen. Wenn ein Investor zu 50% richtig liegt bei einer Entscheidung, also rein zufällig, dann wird es bei 32 Investoren einen geben, der bei fünf aufeinanderfolgenden Entscheidungen 5 mal richtig liegt. Klar? Von 32 bleiben nach einer Entscheidung 16, nach der 2. noch 8 usw. - Kann gerne auch eine Einführung in die Regressionsanalyse geben. Hilft sehr bei Anlagentscheidungen.

get_a_life

06.04.2013, 10:23 Uhr

Aber nur wenn eine Normalverteilung vorliegt, die Variablen metrisch sind, Homoskedastizität gegeben ist und die verwendeten Daten unabhängig voneinander sind.

Frieda

06.04.2013, 10:56 Uhr

Mit Geld "Geld" zu verdienen kann gesellschaftlich nicht erwünscht sein. Vielleicht ist es das was Gross als die besondere Veränderung registriert: Risikoloses Geld verdienen wird zunehmend schwieriger - Geld sollte im Wirtschaftsgetriebe lediglich die Bedeutung eines Transmitters / Botenstoffs / oder von gespeicherter Arbeitsleistung haben. Die neue Botschaft an Anleger könnte lauten: Geht auf irgendeine Art unternehmerische Risiken ein - risikolos schlummernde Geldvermögen werden langsam aber sicher entwertet.

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