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01.02.2017

21:20 Uhr

Blackrock

US-Vermögensverwalter setzt auf Infrastruktur

VonIngo Narat

Der weltgrößte Vermögensverwalter steigt noch stärker ins Infrastrukturgeschäft ein. Ein aktueller Milliarden-Deal hat seine Fallstricke. Das liegt auch an den politischen Problemen zwischen Mexiko und den USA.

Der Blackrock-Chef sieht eine Chance in der Infrastruktur. AP

Larry Fink

Der Blackrock-Chef sieht eine Chance in der Infrastruktur.

FrankfurtBlackrock wird größer ins Infrastrukturgeschäft einsteigen. Der weltgrößte Vermögensverwalter soll zwei entsprechende Fonds aus dem Bereich Energie und das dazugehörige Managerteam von 37 Personen von der Private-Equity-Firma First Reserve Corp. übernehmen. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Die Fonds hätten 3,7 Milliarden Dollar investiert, in Öl- und Gaspipelines, Lager und Kraftwerke. Die Transaktion benötige noch die Zustimmung investierter Anleger.

Die Aktion von Blackrock unterstreicht das wachsende Interesse von Anlegern an Investments in Autobahnen, Brücken, Tunnels, Flughäfen und Pipelines. Im vergangenen Jahr hatten Anleger in den USA bereits die Rekordsumme von 59 Milliarden Dollar in Infrastrukturfonds investiert. Derzeit beträgt die Summe des bereitstehenden Kapitals für Infrastrukturprojekte nach einer Branchenschätzung über 140 Milliarden Dollar.

Wie und wo die Preise für Ressourcen entstehen

Welche sind die wichtigsten Handelsplätze?

Das Herz der globalen Rohstoffmärkte schlägt in London, Paris und Chicago. Hier läuft ein großer Teil des Handels mit denjenigen natürlichen Ressourcen ab, die für die Ernährung und Energieversorgung von Milliarden Menschen sowie Herstellung zahlloser Produkte unentbehrlich sind. Den sogenannten Termingeschäften schlägt jedoch regelmäßig auch viel Kritik entgegen.

Wie funktionieren Termingeschäfte?

Wir sind es meist gewohnt, nach Kauf oder Bestellung eines Produkts direkt zu zahlen. An den Finanzmärkten ist das oft nicht so. Hier gibt es neben sofort ausgeführten Geschäften („Spot“/„Kassa“) auch viele Deals, bei denen die Abwicklung in der Zukunft liegt - aber zu schon heute vereinbarten Konditionen. Käufer und Verkäufer einigen sich dann auf eine Umsetzung per Termin („Future“). Ein Stahlkonzern kann etwa Monate im Voraus Eisenerz ordern und weiß genau, was ihn das später kostet.

Warum sind solche Geschäfte wichtig?

Generell soll der Terminhandel die Märkte stabilisieren. Im Einkauf großer Öl-, Rohstoff- oder Chemiekonzerne ist eine langfristige Planung ohne teilweise abgesicherte Preise und Mengen nicht denkbar. Grundsätzlich gilt: Wenn die für einen späteren Zeitpunkt erwarteten Preise von den aktuellen abweichen, kann es sich lohnen, auf künftige Preise zu spekulieren. Ziel ist es, beim Liefertermin keinen Verlust zu machen, falls das Preisniveau in der Zwischenzeit in den Keller geht.

Wo gibt es Terminmärkte?

Bekannte Beispiele sind der Handel mit Metallen, Kohle oder Erdöl. Dafür gibt es Börsen, an denen täglich Milliarden umgesetzt werden. Bei Metallen wie Kupfer und Zink läuft das etwa über die London Metal Exchange. Relativ rohstoffarme Länder wie Deutschland sind darauf angewiesen: Laut der Bundesbehörde BGR fiel der Wert der heimischen Rohstoffproduktion 2015 um 100 Millionen auf 13,4 Milliarden Euro. Agrargüter wie Getreide, Soja oder Zucker werden vor allem in Chicago und Paris ge- und verkauft.

Wo lauern Gefahren?

Geht ein Termingeschäft auf, wird die Risikobereitschaft der Akteure belohnt. Probleme können entstehen, wenn die Spekulation von reiner Finanz-Zockerei angetrieben ist. Solche Spekulanten wollen oft gar nicht in reale Güter investieren. Sie setzen auf Preisanstiege etwa von Agrar-„Futures“, um diese mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen. Etliche Termingeschäfte sind stark kreditfinanziert und brauchen nur wenig Eigenmittel des Spekulanten. Und Skeptiker weisen auf möglichen Missbrauch durch Insider-Spekulation (Wetten „gegen den Markt“) oder Leerverkäufe (Spekulation mit bloß geliehenen Zertifikaten) hin.

Sind die Geschäfte also schlecht?

Das lässt sich pauschal keinesfalls sagen. Bei realen Gütern kann sie stabilisierend wirken, wenn etwa nach der Ernte Teile des Angebots durch Lagerung verknappt und die Erzeugerpreise so gefestigt werden. Turbulenzen können spekulative Geschäfte aus Sicht vieler Ökonomen dagegen vor allem bei Finanzprodukten auslösen. Einige Banken haben das Geschäft mit Agrarzertifikaten unabhängig davon eingestellt.

Groß im Geschäft sind beispielsweise die Private-Equity-Firmen Carlyle Group und Global Infrastructure Partners. Solche Fonds sammeln in der Regel das Geld von Anlegern für mindestens zehn Jahre ein. Der Trend wird jetzt zusätzlich unterstützt von den Plänen des neuen Präsidenten. Donald Trump sprach sich ausdrücklich für weitere Investitionen in die heimische Infrastruktur aus.

Der aktuelle Deal geht auf einen gemeinsamen Anteilskauf von Blackrock und First Reserve an einem Gaspipeline-Projekt in Mexiko zurück. Die mexikanische staatliche Ölgesellschaft Pemex spielte eine Rolle, da sie Teile ihrer Vermögensbestände verkauft. Der staatliche Energiebereich soll privatisiert werden.

Das Pemex-Projekt versorgt Mexiko mit US-amerikanischem Gas. Einige Analysten befürchten, dass Handelsprobleme zwischen beiden Ländern den Gasüberschuss in den USA vergrößern und die Preise drücken könnte. In der vergangenen Woche hatte Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto eine Reise in die USA abgesagt. US-Präsident Trump hatte gesagt, Mexiko werde für die geplante Grenzmauer zu Mexiko bezahlen.

Die aktuellen zehn Milliarden Dollar in Infrastrukturanlagen bei Blackrock sind nur ein kleiner Teil des Gesamtkapitals von 5,1 Billionen Dollar am weltweit verwalteten Vermögen. Aber das Wachstum in diesem Feld hat Priorität innerhalb der gesamten Sparte für alternative Investments. Diese Sparte ist über 117 Milliarden Dollar groß und legt Gelder für Pensionsfonds, Staatsfonds und andere Großinvestoren an.

Nach der Transaktion wird ungefähr die Hälfte des Infrastrukturgeschäfts von Blackrock auf Energie und erneuerbare Energien konzentriert sein. Der Vermögensverwalter sucht laut Insidern derzeit eine Milliarde Dollar an Anlagegeld für seinen jüngsten Erneuerbare-Energien-Fonds. Für First Reserve bedeutet die Transaktion eine Ausrichtung auf das Geschäft mit Firmen, die sich auf die Suche nach Energielagerstätten konzentrieren sowie Ölfeld-Dienstleister.

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