Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2014

12:02 Uhr

Blaue Briefe der Anlegerschützer

Deutschland, deine Kapitalvernichter

VonJörg Hackhausen

Wer schafft es, das Geld der Anleger am schnellsten zu verbrennen? Anlegerschützer haben die schlechtesten deutschen Aktien bestimmt. Darunter sind fünf Dax-Konzerne. Zocker setzen aber häufig gerade auf diese Verlierer.

Geld durch den Schornstein: Selbst in guten Jahren schaffen das einige Unternehmen. Getty Images

Geld durch den Schornstein: Selbst in guten Jahren schaffen das einige Unternehmen.

DüsseldorfCommerzbank, RWE, Solarworld – vor diesen Unternehmen warnen Anlegerschützer. Die Namen stehen auf der Liste der größten Kapitalvernichter am deutschen Aktienmarkt, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) jedes Jahr erstellt.

Nur wer es geschafft hat, den Großteil des Geldes seiner Anteilseigner zu verbrennen, wird in die unrühmliche „Watchlist“ der DSW aufgenommen. „Wer jetzt – trotz Hausse – noch auf der Liste steht, hat mehr als nur kleine operative Probleme und es gilt für Anleger, ernsthaft die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle zu prüfen“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW.

Eigentlich haben Anleger keinen Grund zu klagen. Das vergangene Jahr verlief für sie sehr erfreulich. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verzeichnete ein Plus von 25 Prozent. Noch stärker legten die kleinen und mittleren Unternehmen zu. Der MDax stieg um gut 36 Prozent, der TecDax um 41 Prozent.

Umso erstaunlicher sind zwei Entwicklungen: Erstens ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland trotz neuer Dax-Rekorde deutlich gesunken. Im vergangenen Jahr haben sich nach Angaben des Deutsche Aktieninstituts (DAI) rund 600.000 Menschen vom Aktienmarkt verabschiedet. Damit sind nur noch 8,9 Millionen Deutsche direkt oder indirekt in Aktien engagiert.

Die größten Kapitalvernichter (DSW-Watchlist)

Platz 15: Artnet

Branche: Internetdienstleister, Kunsthandel

Kursentwicklung (1 Jahr): - 9,8 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 55,1 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 53,4 Prozent

Platz 14: K + S

Branche: Düngemitteln, Salze

Kursentwicklung (1 Jahr): - 36,1 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 60,3 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 40, 9 Prozent

Platz 13: RWE

Branche: Energieversorgung

Kursentwicklung (1 Jahr): - 14,8 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 46,5 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 58,1 Prozent

Platz 12: Teles

Branche: Informationstechnik

Kursentwicklung (1 Jahr): - 7,6 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 40,0 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 66,5 Prozent

Platz 11: Gigaset

Branche: Holding

Kursentwicklung (1 Jahr): 1,8 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 71,1 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 53,6 Prozent

Platz 10: Air Berlin

Branche: Flug

Kursentwicklung (1 Jahr): 7,8 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 55,4 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 65,0 Prozent

Platz 9: Commerzbank

Branche: Aktien

Kursentwicklung (1 Jahr): 9,5 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 64,7 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 70,5 Prozent

Platz 8: Solar Fabrik

Branche: Solarenergie

Kursentwicklung (1 Jahr): - 26,7 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 59,3 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 63,3 Prozent

Platz 7: Sygnis Pharma

Branche: Biotechnologie

Kursentwicklung (1 Jahr): 71,5 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 68,9 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 84,3 Prozent

Platz 6: Medigene

Branche: Biotechnologie

Kursentwicklung (1 Jahr): - 12,6 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 56,7 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 80,0 Prozent

Platz 5: Youniq

Branche: Immobilien

Kursentwicklung (1 Jahr): - 52,0 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 80,5 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 83,5 Prozent

Platz 4: Asian Bamboo

Branche: Holzindustrie

Kursentwicklung (1 Jahr): - 75,8 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 96,8 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 79,4 Prozent

Platz 3: Yoc

Branche: Mobilfunk-Marketing

Kursentwicklung (1 Jahr): - 77,2 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 94,3 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 85,6 Prozent

Platz 2: 3W Power

Branche: Erneuerbare Energie

Kursentwicklung (1 Jahr): - 62,3 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 91,3 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 95,6 Prozent

Platz 1: Solarworld

Branche: Erneuerbare Energie

Kursentwicklung (1 Jahr): - 56,6 Prozent
Kursentwicklung (3 Jahre): - 93,8 Prozent
Kursentwicklung (5 Jahre): - 97,0 Prozent

Quelle: DSW, Entwicklung im Fünfjahres-Zeitraum wird am stärksten gewichtet.

Quelle

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) erstellt jedes Jahr eine Liste der größten Kapitalvernichter am deutschen Aktienmarkt. Analysiert werden Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren im Prime Standard der Deutschen Börse notiert sind. Dabei orientieren sich die Anlegerschützer allein am Aktienkurs. Um kurzfristigen Schwankungen nicht zu viel Gewicht zu geben, gehen die vergangenen fünf Jahre in die Betrachtung ein.

Zweitens ist es einer Reihe von Unternehmen in diesem guten Börsenjahr gelungen, auf ganzer Linie zu enttäuschen. Das trifft ganz besonders auf Solarworld zu. Die Anlegerschützer vom DSW führen die Solarfirma auf Platz eins der Kapitalvernichter.

Solarworld hatte mehr als eine Milliarde Euro Schulden angehäuft, das Grundkapital war aufgezehrt. Die Aktie stürzte ab, war nur noch wenige Cent wert. Die Pleite stand kurz bevor. Diese wendete das Bonner Unternehmen durch einen Schuldenschnitt gerade noch ab.

Die Gläubiger konnten 55 Prozent ihrer Forderungen in neue Aktien tauschen. Die großen Verlierer waren die Altaktionäre – ihr Anteil an dem Unternehmen schrumpfte auf fünf Prozent. Betroffen war auch Frank Asbeck, der Gründer und Chef von Solarworld. Er verkaufte den Großteil seiner Aktien für rund neun Millionen Euro. In den besten Zeiten waren seine Anteile mehr als eine Milliarde Euro wert.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.03.2014, 12:13 Uhr

Frage: "Wer schafft es, das Geld der Anleger am schnellsten zu verbrennen?"

Antwort: Der Staat mit seiner hirnrissigen Energiewende.

Account gelöscht!

05.03.2014, 12:21 Uhr

Der deutsche Staat schafft es am schnellsten mit seinen gesetzlich diktierten Markteingriffen, wie es das EEG und der ESM darstellen, Volksvermögen (Kraftwerke und Erspartes) massiv und in schnellster Zeit zu verbrennen.
Die Folgen der EURO-Schulden-Banken-Länder Rettung (ESM) und der politisch diktierten Ethik-Energiewende (EEG) ala Merkel und Schäuble sind vernichtend für unseren Volkswohlstand und unsere inländische Wertschöpfungskette!
Mangel, Armut und rapider Wohlstandsverlust werden die nächsten Jahre weiter kennzeichnen. Diese ökosozialistische Machterhaltungspolitik von Merkel und Schäuble stürtzt unsere deutsche Gesellschaft weiter in den Abgrund.

Account gelöscht!

05.03.2014, 12:48 Uhr

„Wir sind spät in die erneuerbaren Energien eingestiegen – vielleicht zu spät“, gab Vorstandschef Peter Terium...zu

Genau da liegt der Haken. Fast 20 Jahre Zeit vergeudet - wird Zeit, das die das Einsehen. Brauchen sich also nicht darüber aufregen, dass sie an Boden verlieren.
Das ist wie mit den Autobauern/Ölkonzernen - die wollen auch nicht begreifen, dass Öl und damit herkömmlicher Treibstoff, in nicht allzuferner Zukunft der Geschichte angehören wird. Einzig die Saudis haben begriffen, dass Ihre Ölquellen nicht ewig sprudeln und bauen sich um.

Aber das interressiert hier ja eh keinen, weil alle nur bis "Morgen" denken. Wie solls auch anders sein in einem Land, wo es bald mehr Singles geben wird als Familien - Deutschland/Europa schafft sich ab. Die Chinesen, Araber und Afrikaner wirds freuen - endlich mehr Raum ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×