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03.10.2012

10:44 Uhr

Börse Caracas

Achtung, Absturzgefahr!

VonAlexander Busch

Die Börse in Caracas hat sich weltweit Jahr am besten entwickelt. Anleger sollten sie dennoch meiden. Die meisten Unternehmen sind in staatlicher Hand und ihre Umsätze gering. Mit Spannung wird die Wahl erwartet.

Wahlkampf in Venezuela: Die Hoffnung auf eine Ablösung von Hugo  Chávez stützt die Märkte. Reuters

Wahlkampf in Venezuela: Die Hoffnung auf eine Ablösung von Hugo Chávez stützt die Märkte.

CaracasAnlegerparadies Venezuela? Auf den ersten Blick scheint die Karibikökonomie genau das zu sein: Die Börse Caracas ist in diesem Jahr mit einer Index-Wertsteigerung von 162 Prozent der bei weitem lukrativste Aktienmarkt weltweit. Und die Anleihen Venezuelas haben seit Mai die höchsten Kursanstiege unter Staatsbonds erlebt. Sollte es bei den Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag gar zu einer Ablösung des Linkspopulisten Hugo Chávez kommen, dürfte davon nach Einschätzung von Alejandro Grisanto von Barclays zwar kurzfristig der Finanzmarkt des Landes profitieren.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

Platz 1

Hongkong

Platz 2

USA

Platz 3

Schweiz

Platz 4

Singapur

Platz 5

Schweden

Platz 6

Kanada

Platz 7

Taiwan

Platz 8

Norwegen

Platz 9

Deutschland

Platz 10

Katar

Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

Dennoch sollten Investoren bei Anlagen in Venezuela vorsichtig sein: Der vermeintliche Boom ist wenig nachhaltig. An der Börse finden oft nicht mehr als ein Dutzend Transaktionen täglich statt. Mit Umsätzen weit unter der Millionengrenze interessiert sich kaum eine internationale Investmentbank für die Bolsa de Valores de Caracas. Die Mini-Umsätze lassen sich damit erklären, dass die wenigen traditionellen Blue-Chips aus dem Industrie- und Dienstleistungssektor nicht mehr börsennotiert sind: Zahlreiche Telekom-, Zement-,- Stahlkonzerne und Versorger hat die Regierung Chávez in den letzten Jahren verstaatlicht.

Übrig geblieben sind als einzige Kapitalgesellschaften mit einem gewissen Marktgewicht fast nur noch private Banken, wie Banco Mercantil oder Banco Provincial. Und denen geht es blendend, weil sie einem kredithungrigen Staat zu hohen Zinsen Geld leihen können. Rund 18 Prozent Zins können die Banken im Anleihengeschäft mit dem Staat verdienen. Dabei arbeiten die Banken Venezuelas legal fast alle in einer Grauzone - vor allem beim seit zehn Jahren staatlich reglementierten Devisenhandel.

Nachdem die Regierung vor zwei Jahren alle Wechselstuben und private Geldtauscher geschlossen hat, haben die Banken das Geschäft zum Teil übernommen. Die Banken haben Gesetzeslücken entdeckt, wonach es möglich ist, Bolivar gegen Devisen im Ausland zu tauschen. Das funktioniert über den Kauf von Gold und anderen Rohstoffen und wird von Banken und anderen Unternehmen seit Monaten genutzt. Sie fürchten aber, dass die Regierung diesen Kanal bald trockenlegen könnte.

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