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28.08.2015

17:33 Uhr

Börse

Chinas Nationalmannschaft rettet die Welt

Der Markteinbruch an chinesischen Börsen in den vergangenen Wochen lässt die Staatsführung offenbar nicht kalt. Sie lässt wohl die Kurse mit Milliarden stützen – auch, um ein großes Fest nicht zu versauen.

„Nationalmannschaft“ ist der Spitzname einer Gruppe staatlicher oder staatlich-beeinflusster Investoren, die Aktienkurse in China stützen. dpa

Jubelnde Schwimm-Fans

„Nationalmannschaft“ ist der Spitzname einer Gruppe staatlicher oder staatlich-beeinflusster Investoren, die Aktienkurse in China stützen.

Peking, DüsseldorfChinesische Aktienkurse haben am Freitag den zweiten Tag in Folge deutlich zugelegt – und auch der Yuan zog gegenüber anderen Währungen an. Der wahrscheinliche Grund: Chinas „Nationalmannschaft“ stützt die Kurse im Vorfeld einer großen Feier am 3. September in Peking. Staatspräsident Xi Jinping nimmt dann eine große Parade zum 70. Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkriegs ab. Nachrichten über einen Börsencrash könnten dann als störend empfunden werden.

Den Spitzenamen „Nationalteam“ haben eine Reihe staatlicher oder dem Staat nahestehende Finanzbetriebe erhalten, die teilweise mit Milliardenspritzen oder gelockerten Anlageregeln die Möglichkeit bekommen haben, Aktien im großen Stil aufzukaufen.

Zum „Nationalteam“ gehören Unternehmen wie China Securities Finance Corp oder Central Huijin Investment und staatliche Pensionsfonds. Mit den vorgängen vertraute Personen sagten, dass seit Donnerstag die staatlichen Interventionen auf den Märkten laufen würden, um den stärksten Kurssturz seit 1996 zu bremsen.

Die größten Verwalter privater Vermögen

Der Markt für Vermögensverwalter

Der Markt für Verwalter privater Vermögen hat ein Volumen von 20,6 Billionen Dollar.
Die zehn größten Vermögensverwalter beherrschen davon 47 Prozent. Allein die UBS kommt auf einen Marktanteil von 9,9 Prozent.

In diesem Ranking nicht berücksichtigt: Vermögensverwalter, die sich nicht auf vermögende Privatkunden fokussieren, wie Blackrock.

Quelle: Scorpio Partnership

Die dynamischsten Vermögensverwalter

Das schnellste Wachstum unter den Vermögensverwaltern legte die BMO Financial Group aus Kanada hin. Durch Übernahmen wuchs das verwaltete Vermögen um 80 Prozent auf 326,4 Milliarden Dollar.

Unter den Top 10 Vermögensverwaltern wuchs JPMorgan Chase & Co. am schnellsten. Die Amerikanier steigerten das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf 428 Milliarden Euro.

Platz 10

Goldman Sachs, USA
Verwaltetes Vermögen: 363 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 10 Prozent

Platz 9

HSBC, Großbritannien
Verwaltetes Vermögen: 365 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 4,5 Prozent

Platz 8

BNP Paribas, Frankreich
Verwaltetes Vermögen: 371 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 6,2 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 6,3 Prozent

Platz 7

J.P.Morgan Chase & Co., USA
Verwaltetes Vermögen: 428 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 18,6 Prozent

Platz 6

Citi Bank, USA
Verwaltetes Vermögen: 551 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr: Keine Angaben, da die Bank ihre Berechnungsgrundlagen geändert hat.

Platz 5

Royal Bank of Canada, Kanada
Verwaltetes Vermögen: 704 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 4,6 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 13,8 Prozent

Platz 4

Credit Suisse, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 884 Milliarden Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): - 0,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 10,6 Prozent

Platz 3

Bank of America Merill Lynch
Verwaltetes Vermögen: 1,98 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,3 Prozent

Platz 2

Morgan Stanley, USA
Verwaltetes Vermögen: 2,03 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 6,1 Prozent

Platz 1

UBS, Schweiz
Verwaltetes Vermögen: 2,04 Billionen Dollar
Veränderung zum Vorjahr (in US-Dollar): + 3,5 Prozent
Veränderung zum Vorjahr (in lokaler Währung): + 15 Prozent

Quelle: Scorpio Partnership

In den vergangenen Wochen sind die chinesischen Kurse deutlich gefallen. Der Shanghai Composite Index fiel beispielsweise allein am Montag 8,5 Prozent – ein Tag, der selbst in chinesischen Staatsmedien daher als „Schwarzer Montag“ bezeichnet wurde.

Am Freitag erholten sich die Börsen in China kräftig, den zweiten Tag in Folge. Der Shanghai Composite stieg um 4,82 Prozent auf 3232 Punkte, der Shenzhen Component Index um 5,32 Prozent auf 10.800 Punkte. Auch die Anhebung des Yuan-Wechselkurses am Freitag gilt als Zeichen, dass die Regierung vor den Feierlichkeiten am 3. September „das Gesicht wahren“ wolle, so die Finanzberatung Brilliant and Bright Investment Consultancy.

Bernard Aw, Anlagestratege bei IG Asia in Singapur, sagt: „Ich höre, dass es einige große Kauforders für große Aktien wie ICBC und Bank of China gibt. Das könnte heißen, dass die 'Nationalmannschaft' im Spiel ist.“ Die Erholung sei nicht fundamental – also durch Wirtschaftsdaten – begründet, meint Yan Liu, Händler bei Guosen Securities in Shenzhen. Das deute auf staatliche Intervention hin.

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