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20.01.2010

16:25 Uhr

Börse

Die wunderbare Welt der Goldman-Analysten

VonRalf Drescher

Wenn Goldman Sachs einen Ausblick auf die Börsen wagt, ist ihr Aufmerksamkeit gewiss. Denn die Strategen der Bank vertreten selten die Massenmeinung. Dieses Jahr wimmelt es in den Börsenprognosen von optimistischen Zielen. Störfeuer von der US-Notenbank, die viele Experten als Risiko für die Märkte sehen, erwartet Goldman nicht vor 2012.

Jim O'Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, erwartet ein deutliches Wachstum der Weltwirtschaft. Quelle: Goldman Sachs

Jim O'Neill, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, erwartet ein deutliches Wachstum der Weltwirtschaft.

HB FRANKFURT. Wenn das Jahr gerade begonnen hat und die Welle der Marktausblicke von Strategen und Analsten abgeklungen ist, hat die US-Bank Goldman Sachs ihren großen Auftritt. Mit einem halben Dutzend Strategen touren die Goldmänner dann durch die Welt, um ihre Sicht der Dinge unter das Investorenvolk zu bringen. Und die weicht nicht selten von der Massenmeinung ab - zum Teil sogar deutlich.

Dieses Jahr macht da keine Ausnahme. Glaubt man den Goldman-Analysten, liegt die Welt voller Chancen. Die Weltwirtschaft werde schneller wachsen als gedacht, prophezeite Jim O'Neill, Chefvolkswirt der Bank, auf der "Global Strategy Conference" in Frankfurt. Für das weltweite Bruttoinlandsprodukt hält er 2010 eine Steigerung von 4,4 Prozent für realistisch, der Konsens liegt aktuell bei "nur" 3,9 Prozent. 2011 sei sogar noch ein Zehntel Prozentpunkt mehr drin. Auch für die meisten anderen Regionen - allen voran die von ihm selbst so getauften Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, aber auch für Großbritannien und die Euro-Zone - ist O'Neill sehr optimistisch. Zwar gebe es Risiken für das Goldman-Szenario, es werde jedoch "mehr positive Überraschungen geben", verspricht der Ökonom.

Dass O'Neill vorsichtig warnt, dass der Anlageausblick dieses Jahr unsicherer geworden und Wachstum nicht automatisch gut für die Märkte sei, bleibt eine Randnotiz. Denn die regionalen Aktienexperten von Goldman Sachs gehen in ihren Prognosen fast einhellig von steigenden Aktienkursen aus.

Peter Oppenheimer etwa, Chefstratege für Europa, sieht die marktbreiten Indizes Stoxx 600 und Stoxx 300 Ende dieses Jahres 20 Prozent höher als aktuell. An Argumenten mangelt es ihm nicht: Die Unternehmensgewinne dürften 2010 um mehr als ein Drittel steigen, die Gewinnmargen ziehen ebenfalls an, die Bewertungen sind niedrig und die jetzt schon attraktiven Dividendenrenditen dürften dank steigender Dividendenzahlungen eher noch weiter anziehen. Obendrein sei die famose Kursrally seit März, die Indizes wie dem Dax ein Plus von gut 60 Prozent bescherte, historisch nicht ungewöhnlich und insofern nicht beunruhigend. "Nach Rezessionen sind stürmische Erholungen häufig anzutreffen und in der Regel folgt ihnen eine Phase mit weiteren gebremsten Kursgewinnen", sagt Oppenheimer.

Chancen sieht Goldman Sachs selbst dort, wo es aus ökonomischer Sicht noch knirscht. Beispiel Japan: Kathy Matsui, Research-Chefin für Asien, sieht hier eine Reihe von Problemen wie begrenzte Gewinnperspektiven für die Unternehmen und fehlende strukturelle Reformen. Mit ihrer BIP-Prognose von 1,1 Prozent liegt sie klar unter dem Konsens, der von 1,5 Prozent ausgeht. Ein Ende des Bärenmarktes sieht Matsui nicht. Gleichwohl gebe es dank fiskalpolitischer Stimuli, eines schwächeren Yens, anziehender Exporte und Kapitalzuflüssen aus dem Ausland im ersten Halbjahr Raum für eine "Bärenmarktrally". Und die könne den Topix-Index, der aktuell bei 945 Punkten liegt, im ersten Halbjahr immerhin bis auf 1 050 Zähler treiben.

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