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06.07.2017

15:03 Uhr

17-Monats-Hoch

Zehnjährige Bund-Rendite steigt über ein halbes Prozent

VonAndrea Cünnen

Erstmals seit Januar vergangenen Jahres bringt eine zehnjährige deutsche Bundesanleihe wieder eine Rendite von mehr als 0,5 Prozent. Gründe dafür gibt es viele. Wie es jetzt weitergeht.

Ein Kommentar des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steigen. dpa

Mario Draghi

Ein Kommentar des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steigen.

Frankfurt Darauf haben Anleger lange gewartet, aber ein Grund zur Freude ist es nicht: Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe ist am Donnerstag erstmals seit 17 Monaten über die Marke von einem halben Prozent gestiegen. Absolut gesehen ist die Rendite der als Richtschnur für Europas geltenden Anleihe aber immer noch extrem mager – und Experten glauben, dass es nur langsam weiter nach oben gehen wird.

Die Anleihemärkte stehen bereits seit einer Woche unter Druck, die Kurse fallen und die Renditen steigen. Auslöser für das Umdenken der Anleger waren Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi. Auf der jährlichen Konferenz der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra hatte er überraschend verkündet, dass eine Deflation im Euro-Raum kein Thema mehr sei. Dabei hatte er nach der letzten Sitzung der EZB im Juni noch explizit auf die niedrige Inflation verwiesen und die EZB ihre Inflationsprognosen gesenkt.

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Seit Monaten wird Mario Draghi auf ein mögliches „Tapering“ angesprochen, ein Herunterfahren der milliardenschweren Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Bald könnte Schluss sein – ein bisschen.

Das werteten Investoren als Signal für den Einstieg in den Ausstieg der EZB-Anleihekäufe. Seit März 2015 hat die EZB Anleihen – vor allem Staatspapiere – im Umfang von 1,95 Billionen Euro gekauft. Mit den Käufen will sie die Kreditvergabe und somit Wirtschaftswachstum und Inflation ankurbeln. Dass die EZB im nächsten Jahr ihre Anleihekäufe zurückfahren wird, galt dabei eigentlich schon lange als Konsens. Doch zuletzt hatten viele Investoren darauf spekuliert, dass sich die EZB noch Zeit lassen könnte und wieder verstärkt Anleihen gekauft– gerade solche mit längerer Laufzeit. „Draghi hat die Märkte aus ihrer Gelassenheit gerissen“, meint dazu Bastian Gries, leitender Fondsmanager bei Oddo BHF Asset Management.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Später versuchten zwar andere Notenbanker wie Vitor Constancio und Benoit Coeuré die Aussagen herunterzuspielen, und betonten, die Märkte hätten überreagiert. Doch es half nichts: Die Renditen aller europäischen Staatsanleihen stiegen deutlich. Die der zehnjährigen Bundesanleihe lag vor gut einer Woche noch bei nur 0,25 Prozent. Dass die Bund-Rendite jetzt aber auch die Marke von einem halben Prozent deutlich geknackt hat, erklärt sich mit der jüngsten Auktion französischer Staatsanleihen.

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