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03.06.2015

11:49 Uhr

30-jährige Anleihe

Goldman Sachs hilft Bund beim Schuldenmachen

Premiere bei deutschen Staatsanleihen: Erstmals begibt die Finanzagentur ein 30-jähriges Schuldpapier, das an die Inflation gekoppelt ist. Bei der Emission holt sich der Bund Hilfe – auch bei einer US-Großbank.

Die US-Investmentbank gehört zu einem Konsortium, das eine 30-jährige Bundesanleihe an den Mann bringen darf. ap

Goldman-Sachs-Handelsplatz

Die US-Investmentbank gehört zu einem Konsortium, das eine 30-jährige Bundesanleihe an den Mann bringen darf.

FrankfurtVier Jahre ist es her, da wollte der Bund am liebsten gar nichts mehr mit Goldman Sachs zu tun haben. Die US-Börsenaufsicht hatte dem Institut damals vorgeworfen, bei der Vermarktung eines Finanzmarktprodukts wichtige Informationen verschwiegen und auch deutsche Investoren in die Irre geführt zu haben. „Eine Bank, die sich so verhält, darf nicht mit öffentlichen Aufträgen belohnt werden“, wetterte das Umfeld von Kanzlerin Angela Merkel damals – doch der Rauch verzog sich schnell. Auch die staatliche Förderbank KfW blieb Goldman Sachs als Geschäftspartner treu.

Jetzt angelt sich die US-Investmentbank erneut einen Auftrag beim Bund. Am Mittwoch ist ein internationales Bankenkonsortium mit der Platzierung einer Bundesanleihe beauftragt worden. Die Führung in der Gruppe haben Commerzbank, Crédit Agricole, Goldman Sachs, HSBC und Société Générale, wie die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur am Mittwoch ankündigte. Die Ausgabe einer an die Inflation gekoppelten Anleihe mit 30-jähriger Laufzeit soll künftig regelmäßig Geld in die Staatskasse spülen.

Bei der Emission ist die Deutsche Bank nicht im führenden Bankenkonsortium. Laut Finanzagentur rotieren die führenden Banken bei den Neuemissionen, die über ein Konsortium platziert werden. Welche Banken ausgewählt werden, hänge von der Art der Anleihe und der Marktsituation ab, heißt es dort. Die Deutsche Bank ist demnach aber regelmäßig vertreten. Goldman Sachs ist erstmals seit sechs Jahren wieder im Führungskonsortium. 

Bundesanleihen: Banken lassen den Bund sitzen

Bundesanleihen

Banken lassen den Bund sitzen

Deutschland bekommt seine Anleihen nicht los. Zumindest die nicht, die über 30 Jahre laufen. Kein Wunder: Die Kursrisiken sind immens, die Rendite wiegt dies nicht auf. Zittern muss der Finanzminister dennoch nicht.

In der Regel werden die Finanzprodukte des Bundes – von sechsmonatigen Geldmarktpapieren bis hin zu nominalverzinslichen Anleihen mit 30 Jahren Laufzeit – versteigert. Bei einem Syndikat übernehmen die Banken die Vermarktung und das Absatzrisiko. Sie streichen dafür eine Gebühr ein. „Bei der Markteinführung von neuen Laufzeiten hat der Bund bereits bisher – in der Regel alle zwei bis drei Jahre – die Unterstützung von Syndikaten gewählt“, so ein Sprecher der Finanzagentur.

„Die neue Anleihe wird ein Anfangsvolumen von zwei bis maximal 2,5 Milliarden Euro haben“, hatte die Finanzagentur mitgeteilt. Sie soll mehrfach aufgestockt werden und am Ende ein Gesamtvolumen von zehn Milliarden Euro erreichen. Seit 2006 baut der Bund den Bereich inflationsgekoppelter Anleihen kontinuierlich aus – bislang mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit. Die sechs derzeit handelbaren Titel erreichen zusammen ein Volumen von 71 Milliarden Euro. Das entspricht knapp sechs Prozent der gehandelten Bundeswertpapiere. Zum ersten Mal gibt es jetzt auch ein an die Inflation gekoppeltes Papier mit 30-jähriger Laufzeit.

In der vergangenen Woche war der Bund bei der Auktion einer herkömmlichen 30-jährigen Anleihe auf einem Teil der Papiere sitzen geblieben – bereits zum fünften Mal hintereinander bei der Emission von Anleihen dieser Laufzeit. Für das angebotene Volumen von zwei Milliarden Euro gab es zuletzt Kaufaufträge über lediglich 1,5 Milliarden Euro. Das Banken-Konsortium könnte helfen, solche Unterplatzierungen zu vermeiden.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Anm. d. Redaktion: In einer ersten Fassung hatte es geheißen, der Bund greife zum ersten Mal auf ein Syndikat zurück, um eine Anleihe zu platzieren. Es passiert zwar unregelmäßig, ist aber schon vorgekommen – zuletzt 2013.

Kommentare (3)

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Sergio Puntila

03.06.2015, 11:15 Uhr

Entweder sind Politiker, die bei so etwas mitmachen komplett bescheuert oder aber geschmiert.

Herr ... Devjo

03.06.2015, 11:35 Uhr

Ach iwo....geschmiert wird nur bei der FIFA, in der Politik nennt sich das "Lobbyarbeit".

Herr Peter Spiegel

03.06.2015, 16:39 Uhr

Das Goldmännchen ist wieder da, hat den Politikern was mitgebracht und
den Steuerzahler armgemacht.

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