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27.09.2014

04:23 Uhr

Abschied vom Allianz-Konzern

Bill Gross gibt bei Pimco auf

VonJörg Hackhausen

Der „Bondkönig“ verliert sein Reich: Bill Gross verlässt Pimco. Der 70-Jährige soll damit seinem Rauswurf zuvorgekommen sein. Die Nachricht sorgte an der Börse für ein Erdbeben. Der Nachfolger steht bereits fest.

Bill Gross rückt seine Sonnenbrille zurecht: Der Star-Manager stand zuletzt in der Kritik. Reuters

Bill Gross rückt seine Sonnenbrille zurecht: Der Star-Manager stand zuletzt in der Kritik.

Newport BeachEiner der weltweit bekanntesten Investoren verliert seinen Job: Bill Gross verlässt Pimco. Er verabschiedet sich damit von der Vermögensverwaltung, die er einst gegründet und groß gemacht hat. Mit dem Abgang kam der Milliardär wohl seinem Rauswurf bei Pimco zuvor.

Der Pimco-Gründer sei regelmäßig mit anderen Spitzenmanagern des Konzerns aneinandergeraten, berichtet ein Insider laut Nachrichtenagentur Reuters. Gross habe gewusst, dass er von Pimco gefeuert worden wäre. Er neuen Job präsentierte der 70-Jährige jedenfalls schnell: Künftig wird er für Janus Capital arbeiten.

Eine Presseerklärung von Pimco lässt ebenfalls darauf schließen, dass der Abschied wohl nicht ganz reibungslos verlaufen ist: „Wir sind dankbar für alles, was Bill für den Aufbau unserer Firma und für die Kunden von Pimco geleistet hat, aber im Laufe dieses Jahres wurde immer deutlicher, dass die Führung des Unternehmens und Bill grundlegend unterschiedliche Ansichten haben, wie man Pimco voranbringen kann“, sagt Douglas Hodge, Managing Director bei Pimco. Die Firma habe einen Nachfolge-Plan und sei auf die Zeit ohne Gross vorbereitet.

Stellvertreter steigen auf

Ein Nachfolger war schnell gefunden: Dan Ivascyn werde neuer Investmentchef, teilte Pimco am Freitagabend mit. Ivascyn ist einer von sechs stellvertretenden Anlagechefs gewesen, die Pimco dem 70-jährigen Gross Anfang des Jahres zur Seite gestellt hatte. Die anderen Stellvertreter wurden ebenfalls befördert. Um den Vorzeigefonds Total Return, den Gross über Jahrzehnte zum weltgrößten Anleihenfonds aufgebaut hat, werden sich künftig Mark Kiesel, Scott Mather und Mihir Worah kümmern, allesamt bislang Stellvertreter von Gross.

Sie sollen verhindern, dass dort weiteres Geld abfließt. Aber genau das befürchtet das Analysehaus Morningstar, Hunderte Milliarden Dollar könnten Kunden umschichten. Seit Mai 2013 haben Anleger bereits 70 Milliarden Dollar aus dem Total Return abgezogen. Der weltgrößte Anleihenfonds hatte einst ein Volumen von knapp 293 Milliarden Dollar.

An der Börse sorgte die Nachricht für heftige Reaktionen: Die Aktie der Allianz, dem Mutterkonzern von Pimco, stürzte zeitweise um 7,4 Prozent ab. Das zog auch den Dax ins Minus. „Gross war der kreative Kopf von Pimco, er hat den größten Fonds verwaltet - da ist diese Kursreaktion schon nachvollziehbar“, sagte ein Börsianer. Experten erwarten nach dem Abgang von Gross einen Kapitalabfluss bei Pimco zwischen zehn und dreißig Prozent.

Die Aktie von Janus Capital, dem neuen Arbeitgeber von Gross, schoss dagegen um fast 40 Prozent nach oben. Das Unternehmen aus Denver, das auch Niederlassungen in Europa und Asien hat, betreute zuletzt Fonds mit einem Gesamtvolumen von 178 Milliarden Dollar.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Bei Janus Capital soll Gross den Janus Global Unconstrained Bond Fund verwalten. Außerdem soll er zusammen mit Nobelpreisträger Myron Scholes einer neuen Abteilung angehören, die sich um die weltweite Anlagestrategie kümmern wird. „Ich freue mich darauf, meinen vollen Fokus wieder den Anleihemärkten und der Geldanlage zuzuwenden und viele der Komplexitäten aufzugeben, die mit der Führung einer großen, komplizierten Organisation einhergehen“, ließ Gross in einer Presseerklärung mitteilen. Er wolle wieder den Großteil seines Tages wieder mit der Verwaltung von Kundengeldern verbringen.

Gross hatte Pimco 1971 gegründet und zu dem gemacht, was es heute ist. Die Gesellschaft aus Newport Beach, Kalifornien, stieg zum größten Anleiheinvestor der Welt auf. In der Finanzwelt verlieh man Gross den Titel „Bondkönig“, weil er es wie kein Zweiter verstand, mit Anleihen zu jonglieren. Sein Name wurde in einem Atemzug mit großen Investoren wie George Soros oder Warren Buffett genannt.

Im Jahr 2000 kaufte sich der deutsche Allianz-Konzern bei Pimco ein. Pimco verwaltet heute rund zwei Billionen Dollar, was mehr als 80 Prozent der von der Allianz verwalteten Vermögenswerte ausmacht. Für den Mutterkonzern war Pimco lange Zeit ein wichtiger Ertragsbringer.

Kommentare (6)

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Herr Helmut Metz

26.09.2014, 15:26 Uhr

Bill Gross hat absolut Recht: Bonds (= Forderungen) sind Auslaufmodelle...

Account gelöscht!

26.09.2014, 15:33 Uhr

Der Streit mit El Erian, seinem Partner in der Geschäftsleitung, war ein Alarmzeichen. Nun folgt nach dem Abgang von Erian der von Gross.

Die Uneinigkeit sowohl in der Führung als auch der Anlagestrategie hatte seinen Grund - aber nur diese beiden wissen, was es genau war, das einen Neubeginn für PIMCO und seine beiden hervorragenden Bosse unumgehbar werden ließ.

Das Problem nicht gelöst zu haben, sich nicht zusammen zu raufen, in der Sache - der einen und der anderen - sich nicht einigen zu können, offenbart eine Unfähigkeit zum Kompromiß, damit einen Führungsmangel.
Oder war es nur Dickschädeligkeit? Besser wird es damit allerdings auch nicht.

Schade, aber notwendig. Hoffentlich stellt das nicht den Anfang vom Ende der einst glanzvollen PIMCO dar.

Account gelöscht!

26.09.2014, 15:43 Uhr

@ herr metz:
Wie Gross zitiert wird, wird er sich bei Janus vor allem um Anleihen kümmern. Also englische Bonds, US-Treasuries und weitere Staats- und Unternehmensanleihen.
Alle sind Forderungen - oft bester Qualität.

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