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27.03.2013

10:37 Uhr

Aktie fällt

Drohende Herabstufung belastet Deutsche Bank

Warnschuss für die Deutsche Bank: S&P droht mit Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Die Bank sei schlechter kapitalisiert als die Konkurrenz. Zudem belaste die Euro-Krise. In Frankfurt gibt die Aktie kräftig nach.

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt. ap

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt.

Der Deutschen Bank droht eine Herabstufung durch Standard & Poor's, wie die Ratingagentur in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Das Kreditinstitut hatte am vergangenen Mittwoch seinen für 2012 berichteten Gewinn aufgrund steigender Rechtskosten reduziert.

Das Langfristrating "A+" der Deutschen Bank wurde auf "CreditWatch negative" gesetzt, teilte S&P mit. Vergangene Woche hatte die Deutsche Bank zusätzliche Rückstellungen bekanntgegeben, um Kosten im Zusammenhang mit US- Hypothekenklagen und anderen rechtlichen Untersuchungen zu decken. Der für 2012 berichtete Gewinn wurde um etwa 400 Mio. Euro auf 291 Mio. Euro reduziert.

"Wir gehen davon aus, dass die anhaltenden wirtschaftlichen, regulatorischen und rechtlichen Risiken die Entwicklung der Bank weiterhin belasten werden", teilte S&P mit.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Viele Risiken

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung – die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick.

Emissionsrechte

Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

Libor

Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Kirch

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) verurteilte die Bank zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch offen und soll von Gutachtern ermittelt werden. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

USA

Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

Stand: 13. Dezember 2012, Quelle: dpa

Für die Fähigkeit des Kreditinstituts, angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen in Europa - darunter auch der "jüngsten Spannungen" in Zypern - Kapital zu generieren, bestehen "erhebliche Risiken", erklärte S&P in der Stellungnahme. "Die Kapitalisierung der Deutschen Bank ist unserer Ansicht nach weiterhin niedriger als bei Konkurrenten, trotz einer signifikanten Verbesserung im zweiten Halbjahr 2012."

Die Aktie der Bank fiel am Mittwoch um drei Prozent auf 30,35 Euro und war größter Verlierer im Dax.

Kommentare (19)

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incredble

27.03.2013, 08:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe

Moika

27.03.2013, 08:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

incrdible

27.03.2013, 09:09 Uhr

Als vor 70 Jahren, die Leute in Deutschland konnen nicht sehen die Realität, weil sie von den politischen Führern manipuliert werden. Die deutsche Wirtschaftspolitik, bewirkt wieder auf das Elend der südlichen Länder .. .. ..

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