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23.10.2015

12:15 Uhr

Aktien, Anleihen, Euro

Wie Draghi mit den Märkten spielt

VonSara Zinnecker

EZB-Chef Draghi hat unmissverständlich klar gemacht: Im Zweifel kann die EZB weitere Asse aus dem Ärmel ziehen, um die Konjunktur zu beleben. Der Aktienmarkt dankt es. Bei Anleihen und Euro ist die Lage verzwickter.

EZB-Chef Mario Draghi hat die Märkte fest in seiner Hand. Fotolia.com

Anleger als Marionetten?

EZB-Chef Mario Draghi hat die Märkte fest in seiner Hand.

DüsseldorfMit seiner „Whatever it takes“-Rede im Juli 2012 hat EZB-Präsident Mario Draghi bereits einmal die Märkte befriedet. Damals stand es spitz auf knapp. Die Staatsschuldenkrise hatte Europa fest im Griff. Renditen für Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten lagen im zweistelligen Bereich. Die Angst vor einem Kollaps war spürbar. Erst nachdem die EZB ihren unbeschränkten Handlungswillen bekundet hatten, beruhigten sich die Märkte.

Nun gibt es den Nachschlag. „Things have changed“ – „die Lage hat sich geändert“ – sagte Draghi bei der mit Spannung erwarteten Sitzung des EZB-Rats auf Malta. Die EZB sei gewillt und in der Lage zu handeln, indem sie „alle Instrumente nutzt“, so Draghi weiter. Die Worte lösten an den Märkten ähnliche Erleichterung aus wie damals die „Whatever it takes“-Formulierung.

Marktteilnehmer erwarten nun, dass Draghi alles unternimmt, um die Konjunktur in der Euro-Zone anzukurbeln und die Inflation zu befeuern. Wie bekannt wurde, kann der EZB-Rat sich vorstellen, das Anleihekaufprogramm sowohl zeitlich als auch im Umfangauszudehnen, künftig mehr Anleihen aus europäischen Peripheriestaaten zukaufen oder aber den Einlagenzins für Banken noch weiter ins Negative zu senken.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

4.7.2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

(Draghi legt sich nach der EZB-Sitzung vom 4.7.2013 erstmals in der Geschichte der Notenbank auf künftige Zinsentscheidungen fest)

7.11.2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht.“

(Draghi am 7.11.2013 nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent)

7.11.2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

(Draghi am 7.11.2013 in Hamburg bei einer Diskussion mit dem Altkanzler. Schmidt hatte gesagt, auf Draghi könne man sich verlassen)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

Die Zeit drängt. Gerade haben die von der EZB befragten „professionellen Beobachtern“ ihre Inflationsprognose für die Euro-Zone weiter gesenkt. Für dieses Jahr erwarten sie noch eine Preissteigerung von 0,1 Prozent. Noch im Juli rechneten sie mit einem Plus von 0,2 Prozent. Erst 2020 werde sich demnach die Teuerungsrate in der Euro-Zone mit 1,9 Prozent wieder der Zielmarke der Notenbank von knapp zwei Prozent annähern.

„Der EZB-Rat hat auf seiner dieses Mal in Malta stattfindenden Tagung die Weichen für eine neue Runde monetärer Lockerungen gestellt“, schrieb Volkswirte der LBBW in einem Beitrag zu der Sitzung. Marktteilnehmer gehen jetzt davon aus, dass der Startschuss für die Jahresendrally am deutschen, und möglicherweise auch an den europäischen Aktienmärkten, gelegt ist.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten - Teil 2

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

5.6.2014

„Die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen. Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch.“

(Draghi am 5.6.2014 nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Es gab aus unserer Sicht wenig Zweifel, dass wir handeln sollten.“

(Draghi am 22.1.2015 zum Beschluss der Notenbank, ab März monatlich 60 Milliarden Euro in Staatsanleihen und anderen Wertpapieren zu stecken - insgesamt gut 1,1 Billionen Euro bis September 2016)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

So konnte der deutsche Leitindex Dax am Donnerstag mehr als zwei Prozent zulegen und ging mit einem Plus von rund 2,5 Prozent aus dem Handel. Am Freitag hielt der Auftrieb an. Im Vormittagshandel zog das Barometer um weitere 1,36 Prozent an und kletterte auf über 10.630 Punkte. Das ist beachtlich angesichts der herben Verluste in den vergangenen Wochen.

Auch in der zweiten und dritten Reihe legten die Aktienkurse zu. Der Index der mittelgroßen Werte MDax gewann am Freitag bis zum späten Vormittag 1,67 Prozent auf 20.730 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 1,28 Prozent auf 1808 Punkte. Der Euro-Zonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um mehr als ein Prozent zu.

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