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06.07.2016

13:00 Uhr

Aktien, Anleihen, Gold

Der Brexit rüttelt (wieder) die Weltfinanzmärkte durch

Das Pfund im Abwärtsstrudel, Bundesanleihen mit Minusrenditen, Gold so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht – und die Aktienkurse weltweit unter Druck: Wohin der Brexit die globalen Finanzmärkte treibt.

Frankfurter Börse

Pfund rutscht auf tiefsten Stand seit über 30 Jahren - Dax unter Druck

Frankfurter Börse: Pfund rutscht auf tiefsten Stand seit über 30 Jahren - Dax unter Druck

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Düsseldorf/FrankfurtDie politische Krise in Großbritannien und die Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft setzen den Finanzmärkten am Mittwoch erneut zu. Staatsanleihen und Gold sind gefragt, das britische Pfund und Aktien werden von Anlegern geschmäht.

In Deutschland rutscht der Dax mehr als zwei Prozent ins Minus, die Deutsche-Bank-Aktie gehört mit einem Rückgang von zwischenzeitlich mehr als sechs Prozent zu den größten Verlierern. Der Tagestiefwert von 11,38 Euro ist ein neues Rekordtief.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Ausgelöst hatte den zweiten Kursrutsch nach dem Brexit die Meldung über große britische Immobilienfonds, die Anlegern keine Rückgabe ihrer Anteile mehr gestatten. In der Nacht auf Mittwoch fiel dann das Pfund Sterling auf ein neues 31-Jahres-Tief von 1,2801 Dollar. Zuletzt war die Währung also im Jahr 1985 so billig.

Der Dax liegt am Mittag mehr als 200 Punkte im Minus bei 9318 Zählern, der Euro Stoxx 50 gibt um die zwei Prozent auf 2.757 Punkte nach. Der Londoner Auswahlindex FTSE 100 gibt ebenfalls nach, wenn auch weniger stark um etwa ein halbes Prozent. Der Index kann die Verluste begrenzen, da einige Wert vom schwachen Pfund profitieren, das die Käufe der Aktien attraktiver macht. Viele Rohstoffkonzerne an der Londoner Börse sind global tätig und rechnen in Dollar ab – der Brexit gilt für sie nicht als große Gefahr, anders als für Immobilienentwickler und Finanztitel. An der Londoner Börse taumelten die Immobilienwerte von einem Tief zum nächsten. Barratt Development und Taylor Wimpey um bis zu 5,7 Prozent ab.

Devisen: Britisches Pfund so billig wie seit 1985 nicht

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Britisches Pfund so billig wie seit 1985 nicht

Während die britische Regierung noch nach einem Umgang mit dem Brexit-Votum sucht, fallen die Devisenmärkte in die Nervosität zurück. Das Pfund stürzt ab. Anleger fliehen in Gold und Anleihen.

Gefragt sind am Mittwoch dagegen die als sicher geltenden Anlagen wie Gold oder Bundesanleihen. Das Edelmetall liegt mehr als 1,3 Prozent im Plus bei 1.373 Dollar. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt bei minus 0,196 Prozent. Das Kalkül vieler Anleihekäufer: Als Ausweichreaktion sind Staatsanleihen gefragt, das treibt die Kurse. Wer jetzt Anleihen kauft, kann diese nach weiteren Kursgewinnen teils mit beachtlichen Aufschlägen verkaufen.

Doch die Spekulation ist trügerisch. Denn geht die Spekulation auf Kursgewinne nicht auf, bleibt der Anleiheeigner auf Papieren sitzen, die bis zum Ende der Laufzeit negative Renditen bedeuten.

Kommentare (23)

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Frau Annette Bollmohr

06.07.2016, 13:12 Uhr

"(...) Wohin der Brexit die globalen Finanzmärkte treibt."

Dorthin, wohin die sich treiben lassen.

Okay, natürlich gibt es auch in der Ökonomie gewisse Gesetzmäßigkeiten.

Aber die Ökonomie ist KEINE Naturwissenschaft, sondern ihre Geschicke werden maßgeblich vom Handeln ihrer Akteure (also aller Menschen) bestimmt.

Herr Chris Woodley

06.07.2016, 13:13 Uhr

Die Frage nach Kostolany wäre: ZITTRIG oder HARTGESOTTEN ?

Account gelöscht!

06.07.2016, 13:15 Uhr

Die Weltfinanzmärkte rütteln sich schon selber durch. Da bedarf es nicht einmal einen Brexit dazu.
Man sotiert und richtet sich halt nach so einer Entscheidung (Brexit usw.) neu aus. Das hier und dort etwas rüttelt und schüttelt, dass ist ganz normal. Und manchmal auch ganz heilsam.
Danke!

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