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15.01.2013

07:16 Uhr

Aktien

Die Chinesen kommen

VonFinn Mayer-Kuckuk

Bald dürfen die Chinesen ihr Geld im Ausland investieren. Das Vermögen beträgt knapp 2,5 Billionen Euro. Milliardeninvestitionen aus dem Reich der Mitte könnten die Aktienmärkte kräftig durcheinanderwirbeln.

Bald haben Privatanleger freie Bahn in China. Bislang können Chinesen nur mit heimischen Titeln spekulieren. ap

Bald haben Privatanleger freie Bahn in China. Bislang können Chinesen nur mit heimischen Titeln spekulieren.

PekingDie weltweite Geldanlage-Landschaft könnte kräftig in Bewegung geraten: China will seine Bürger künftig auch im Ausland investieren lassen. „Wir bereiten ein Pilotprogramm zur Zulassung von lizenzierten einheimischen Investoren vor“, heißt es im Protokoll einer richtungsweisenden Konferenz der chinesischen Zentralbank, das seit Montagmorgen online steht.

Chinas Privathaushalte haben geschätzte 20 Billionen Yuan (2,5 Billionen Euro) auf der hohen Kante. Sie sind begierig, ihre Vermögen divers anzulegen: Die Guthabenzinsen sind in China real negativ, der örtliche Aktienmarkt gleicht einem Kasino und der Immobilienmarkt ist schon zu teuer. Doch das kommunistische China lässt bisher keine Investments jenseits der Landesgrenze zu.

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China schottet sich mit diesen Kapitalmauern von den Turbulenzen der weltweiten Finanzmärkte ab, was Experten in der derzeitigen Entwicklungsstufe für sinnvoll halten. Doch andererseits gehen dem aufstrebenden Land damit Chancen verloren. Durch die Eigenbrötlerei kann es seinen Reichtum nicht nutzen, um seinen Einfluss weltweit auszuweiten. Auch gestreute, renditeträchtige Auslandsanlagen für die Bürger sind nicht möglich.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Das könnte sich nun ändern. Ende vergangener Woche hat sich Zentralbankchef Zhou Xiaochuan mit seinem Top-Personal und Abgesandten der Regierung auf die wichtigsten Ziele für das Jahr 2013 verständigt. Das Protokoll findet sich hier auf der Website der Peoples Bank of China.

Die Weichenstellungen sehen wie erwartet eine weitere Öffnung des chinesischen Finanzmarktes für internationale Banken vor – doch etwas überraschend findet sich dort auch der Vorstoß in die umgekehrte Richtung: Der Start eines Programmes mit dem kryptisch anmutenden Namen „QDII“. Die Abkürzung steht für „Qualified Domestic Individual Investors“. Gemeint ist damit: Ausgewählte Banken können das Geld von Privatanlegern im Rahmen eines Pilotprojekts an ausländischen Börsen anlegen.

Solchen Testprojekte führen in China erfahrungsgemäß innerhalb weniger Jahre in den Praxiseinsatz. Im streng quotierten Versuchsbetrieb sammeln die Institutionen Erfahrungen, auf deren Basis dann die Regulierung erfolgt. Chinas Privatinvestoren könnte also schon 2014 die Welt offen stehen.

Kommentare (11)

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vandale

15.01.2013, 08:08 Uhr

Die Deutsche Regierung saugt den Wohlstand der Bevölkerung ab um einen gewaltigen Sozialkomplex zu nähren und mittlerweile auch um überschuldete Südeuropäische Staaten zu alimentieren - und wird für Letzteres von den Empfängern beschimpft. Die Amerikanische Regierung nutzt den Wohlstand des Volkes und dessen Kreditwürdigkeit für einen grossen militärisch-indstriellen Komplex. Die Chinesische Regierung nutzt die Schaffenskraft des Volkes um überall in der Welt Firmen zu kaufen.

Am besten gefällt mir da die Schweizerische Politik. Dort belässt man den Menschen die Erträge ihres Schaffens. Das ist auch eines der wenigen Länder in denen Demokratie einen Stellenwert in der Gesellschaft hat.

Vandale

vandale

15.01.2013, 08:21 Uhr

Im Artikel ging es mehr darum dass die chinesische Regierung ihren Bürgern künftig private Ivestments im Ausland zu gestatten gedenkt. Das spricht sehr für die chinesische Regierung die damit den Menschen erlaubt selbst Investitionsentscheidungen zu treffen.

In D ist dies zwar aktuell noch unbeschränkt erlaubt. Allerdings werden immer mehr Schrauben angzogen um die Sparer in staatliche Anleihen zu drängen. Lebensversicherer müssen die Anlagen in Europäische Staatsanleihen nicht mit Kapital unterlegen. Bei Akten versteuert man die Kursgewinne, grösstenteils Inflation womit der Steuersatz über 100% beträgt.

Vandale

Account gelöscht!

15.01.2013, 09:38 Uhr

"Die Deutsche Regierung saugt den Wohlstand der Bevölkerung ab um einen gewaltigen Sozialkomplex zu nähren..."
Falsch!Sie saugt den Wohlstand der Mittel-und Unterschicht ab um ihn umzuverteilen,nämlich in Richtung der großen Vermögen.Die deutsche Regierung ist hierbei nur Handlanger der Banken.Und Ackermann ist deren "graue Eminenz".

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