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13.02.2015

15:16 Uhr

Aktien in der Euro-Krise

Griechenland für Zocker

VonSara Zinnecker

Die Verhandlungen im Schuldenstreit laufen, doch der Markt ist bereits optimistisch: Schon jetzt greifen die ersten wagemutigen Investoren bei griechischen Aktien zu. Privatanlegern raten Experten aber zur Vorsicht.

Schneller Gewinn? Griechische Aktien sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Getty Images

Alles setzen oder alles verlieren?

Schneller Gewinn? Griechische Aktien sind nichts für Anleger mit schwachen Nerven.

DüsseldorfEs ist ein Krimi, der sich derzeit in Brüssel abspielt: Nur noch bis Montag (16.2.) hat Griechenland Zeit, sich mit der EU auf einen Kompromiss zu einigen. Dann läuft die Frist für eine Verlängerung der EU-Hilfen aus. Griechenland droht dann die Staatspleite und ein Ausscheiden aus der Euro-Zone, auch „Grexit“ genannt. Doch zuletzt mehrten sich die Zeichen der Hoffnung. Seit heute sprechen Vertreter der griechischen Regierung mit Experten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Einzelheiten einer neuen Vereinbarung.

Schon setzen die ersten Zocker auf die Renaissance des griechischen Aktienmarkts. Der hatte in den letzten Monaten massiv unter der politischen Unsicherheit gelitten. Allein seit September büßte der Athener Leitindex der 60 größten Unternehmen ein Drittel seines Werts ein. In den vergangenen Wochen spiegelten große Schwankungen beim Leitindex die allgemeinen Nervosität der Investoren wider. Bankaktien hatten über Monate verloren. Doch seit einer Woche etwa geht es mit den Kursen wieder nach oben.

Aktienkultur in Deutschland

Aktienbesitz

Menschen mit Aktieninvestments im Jahr 2014: 8,4 Millionen

Vorjahr: 8,9 Millionen

Anteil der Bevölkerung über 14 Jahren im Jahr 2014: 13,1 Prozent

Vorjahr: 13,8 Prozent

Investitionsarten

Wie die deutschen Aktionäre investiert sind:

4,3 Millionen Menschen besitzen nur Aktienfonds.

1,6 Millionen Menschen besitzen Aktien und Aktienfonds.

2,5 Millionen Menschen besitzen nur Aktien.

Langfristige Entwicklung

Seit 2001 haben rund 4,4 Millionen Menschen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Aktionärsanzahl 2001: 12,8 Millionen

Aktionärsanzahl 2014: 8,4 Millionen

Aktienbesitz nach Altersgruppen

Das Interesse an Aktien hat in den vergangenen Jahren besonders bei den Jüngeren stark nachgelassen.

Anteil der Aktien- und Aktienfondsbesitzer nach Altersgruppen:

20-29 Jährige: 7,2 Prozent (2001: 17,5 Prozent)

30-39 Jährige: 12,1 Prozent (2001: 27,9 Prozent)

40-49 Jährige: 17,2 Prozent (2001: 25,5 Prozent)

50-59 Jährige: 17,1 Prozent (2001: 24,5 Prozent)

60-69 Jährige: 13,6 Prozent (2001: 14,4 Prozent)

Aktienbesitz nach Beruf

Anteil von Aktienbesitzer nach beruflicher Position:

Leitende Angestellte: 28,4 Prozent

Leitende Beamte: 30,1 Prozent

Selbstständige/Freie Berufe: 26,0 Prozent

Sonstige Beamte: 29,5 Prozent

Öffentlicher Dienst: 22,7 Prozent

Sonstige Angestellte: 14,8 Prozent

Rentner/Pensionäre: 12,3 Prozent

Studenten: 4,3 Prozent

Facharbeiter: 8,9 Prozent

Selbstständige Landwirte: 23,5 Prozent

Schüler: 1,9 Prozent

Sonstige Arbeiter: 4,2 Prozent

Auszubildende: 4,6 Prozent

Aktienbesitz nach Einkommen

Menschen mit höherem Einkommen, haben ein höhere Interesse an Aktien.

Anteil von Aktien und Aktienfondsbesitzern nach Nettohaushaltseinkommen:

750-1.250 Euro: 2,5 Prozent

1.250-2.000 Euro: 6,9 Prozent

2.000-3.000 Euro: 24,6 Prozent

3.000-4.000 Euro: 18,5 Prozent

Über 4.000 Euro: 34,3 Prozent

Aktienbesitz nach Bundesländern

Alte Bundesländer: 13,8 Prozent besitzen Aktieninvestments

Neue Bundesländer: 10,3 Prozent besitzen Aktieninvestments

Gesamt: 13,1 Prozent

Offenbar sind Marktteilnehmer optimistisch, dass der Wille zur Einigung sich am Ende durchsetzen könnte. „Der Markt geht von keinem Grexit aus, da keiner der Beteiligten, einschließlich der neuen griechischen Regierung, dies will“, ist sich Günther Welter, Fondsmanager bei Union Investment, sicher. Auch die Mehrheit der Griechen wolle den Euro behalten. Zuletzt hatten sich 80 Prozent der Griechen für den Euro ausgesprochen. Drei Viertel stehen laut Umfragen hinter Ministerpräsident Tsipras.

Schließlich glauben auch Anlageexperten nicht an den Grexit. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, hält es für „unwahrscheinlich“, dass es unter Tsipras zu keiner Einigung kommt und Griechenland aus der Währungsunion aussteigt. François Gobron, Fondsmanager bei Generali, glaubt, dass die Spannungen „mittelfristig gelöst sein sollten“. Die Analysten der Bayerischen Landesbank erwarten „dass Griechenland im Euro-Raum bleibt“.

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Angenommen also, Griechenland könnte den „Grexit“ vermeiden. Dann dürfte es immer mehr Investoren in den griechischen Markt treiben. Für risikogeübte Anleger könnten sich dann Einstiegschancen auftun. Allerdings raten Experten zur Vorsicht. „Die griechische Börse ist definitiv ein Investment mit hohem Risiko-Ertrag-Profil“, erinnert Fondsmanager Gobron. Die griechische Regierung müsse erst ein „ein stabiles, wirtschaftsförderndes Umfeld schaffen.“ Dann könnten solche Anleger über griechische Aktien nachdenken, „die hohe Volatilität tolerieren können“.

Auch Anlagestratege Stephan kann griechischen Aktien grundsätzlich etwas abgewinnen. Doch will auch er griechische Aktien frühestens dann empfehlen, wenn „sich eine erkennbare Wendung in der prekären Lage ergeben sollte“. Vorher würden die Risiken die Chancen noch überwiegen.

Kommentare (7)

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Herr Fritz Yoski

13.02.2015, 16:08 Uhr

Der feine Unteschied

Herr Fritz Yoski

13.02.2015, 16:10 Uhr

Der feine Unterschied: "...der Markt ist bereits optimistisch: Schon jetzt greifen die ersten wagemutigen Investoren bei griechischen Aktien zu. Privatanlegern raten Experten aber zur Vorsicht."Der Markt wird ja auch regelmaessig vom Steuerzahler gerettet wenn er sich verspekuliert. Privat Anleger hingegen bleiben auf ihren Verlusten sitzen.

Herr Fritz Yoski

13.02.2015, 16:14 Uhr

@HB Progammierer. Ein Kommentar sollte nur abgeschickt werden wenn der User die "Kommentar abschicken" Taste anklickt, nicht wenn man die "Enter/Return" Taste der Tastatur betaetigt. Waere super wenn Ihr das in Ordnung bringen koenntet. Benutze Firefox 35.0.1 Danke.

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