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10.09.2012

08:54 Uhr

Aktien in Fernost

Asien-Börsen zwischen Hoffen und Bangen

Die japanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal schwächer gewachsen als angenommen. Die Euro-Schuldenkrise lastet auf der Exportwirtschaft. Enttäuschende China-Daten lasten auf den Aktienmärkten

Die Börsenkurse in Tokio dpa

Die Börsenkurse in Tokio

TokioDie Aktienmärkte in Fernost haben am Montag keine gemeinsame Richtung gefunden. Zum Auftakt einer Woche der Entscheidungen in der Euro-Krise machte sich die Schuldenmisere der Währungsunion deutlich beim Exportweltmeister China bemerkbar.

Die Volksrepublik konnte ihre Ausfuhren im August nicht so stark steigern wie erwartet, was auf dem Aktiengeschäft der Region lastete. Zugleich sahen Händler den wichtigen China-Kunden Europa aber nach der Ankündigung von EZB-Bondkäufen auf dem rechten Weg. Gestützt wurden die Märkte auch von der Hoffnung auf Konjunkturspritzen vor allem der Federal Reserve in den USA, wo zuletzt schwache Arbeitsmarktzahlen diese Erwartungen steigerten. Der Dollar gab daraufhin nach, der Yen legte zu. In Tokio gerieten damit Exportwerte unter Druck.

Der Tag an den Märkten (Stand: 18:00 Uhr)

Dax

+ 1,0 Prozent

Euro Stoxx 50

+ 1,25 Prozent

Dow Jones

+ 0,35 Prozent

Nikkei

- 0,58 Prozent (Schlusskurs vom 11.10)

Euro

1,2921 Dollar (+ 0,4 Prozent)

Gold

1.769 Dollar (+ 0,4 Prozent)

Öl (Brent)

116,48 Dollar (+ 1,3 Prozent)

Die japanische Wirtschaft ist wegen der Abkühlung der Weltwirtschaft im zweiten Quartal noch weniger gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen April und Juni lediglich um 0,2 Prozent zu, wie die Regierung am Montag mitteilte. In einer ersten Schätzung war sie im August noch von einem Plus von 0,3 Prozent ausgegangen. Das war schon nur die Hälfte des damals von Experten erwarteten Anstiegs und nur rund ein Viertel des Wachstums von 1,3 Prozent zu Jahresbeginn.

Gründe für das geringe Wachstum liegen sowohl im Export als auch im Binnenmarkt. Zum einen lasten die Folgen der Euro-Schuldenkrise auf der Exportwirtschaft. Firmen scheuen Investitionen. Zum anderen lässt der Sondereffekt des Wiederaufbaus nach dem Erdbeben und Tsunami im vergangenen Jahr nach. Dies legt nahe, dass die Regierung in den kommenden Monaten Maßnahmen ergreifen könnte, um die Wirtschaft anzukurbeln. Chef-Volkswirt Yuichi Kodama von Meiji Yasuda Life Insurance rechnet im dritten Quartal mit Stagnation.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio praktisch unverändert bei 8869 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,3 Prozent auf 737 Punkte. Fester notierten auch die Aktienmärkte in Shanghai und Taiwan, während die Börsen in Südkorea und Hongkong Abschläge hinnehmen mussten. Singapur trat auf der Stelle.

Marktteilnehmer hielten sich vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Donnerstag zurück, sagten Händler. Die Aussicht auf ein weiteres Anleihenkaufprogramm lastete auf dem Dollar, der erstarkte Yen wiederum machte Exporttiteln zu schaffen: Der Kamerahersteller Canon wurde 1,4 Prozent niedriger gehandelt, Nikon-Papiere verbilligten sich um 2,9 Prozent, für den Autokonzern Nissan ging es 0,4 Prozent abwärts und TDK büßte 2,3 Prozent ein.

Weiter im Aufwind befanden sich dagegen die Aktien von Baumaschinenherstellern. Sie profitierten von der Freigabe von Infrastrukturprojekten in China über mehr als 150 Milliarden Dollar. Komatsu-Papiere gewannen 3,2 Prozent an Wert und Hitachi Construction Machinery 2,1 Prozent.

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Mit den Infrastrukturprojekten stützt die chinesische Führung die heimische Wirtschaft, deren Industrie laut Zahlen vom Wochenende nicht mehr so schnell wächst wie erwartet. Am Montag zeigten dann die Ausfuhren, dass Exportweltmeister China die Wirtschaftsschwäche seiner Hauptkunden Europa und USA immer stärker zu spüren bekommt. Die Ausfuhren stiegen im August um 2,7 Prozent, die Prognose lag bei drei Prozent.

Der Euro gab nach seiner Rally vom Freitag im asiatischen Handel 0,2 Prozent auf 1,2787 Dollar nach. In der vergangenen Woche hatte die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einem neuen Anleihenkauf-Programm die Märkte in die Höhe getrieben. In dieser Woche stehen zentrale Entscheidungen in der Euro-Schuldenkrise an: Das Bundesverfassungsgericht entscheidet am Mittwoch über den Rettungsschirm ESM. Dieser ist auch zentral für das Bond-Programm, über dessen Konditionen das klamme Spanien in den nächsten Tagen sprechen will. Aktienstrategen in Asien erklärten, das EZB-Angebot löse zwar nicht die Probleme der Euro-Zone, gebe den schuldengeplagten Ländern aber wertvolle Zeit für ihre Sparbemühungen.


Von

rtr

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