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07.09.2015

12:43 Uhr

Aktiencrash

Chinas wackeliges Börsenversprechen

VonJulia Rotenberger

Der chinesische Notenbankchef beschwichtigt die Finanzmärkte: Die Börsenkrise sei im Griff. Allein: Der Markt hört nicht auf ihn. Chinesische Behörden werden daher energischer, um Panik an den Märkten zu verhindern.

Wunsch der chinesischen Regierung und die Wirklichkeit an den Märkten gehen aneinander vorbei.

Börsen in China

Wunsch der chinesischen Regierung und die Wirklichkeit an den Märkten gehen aneinander vorbei.

DüsseldorfDie Beruhigungstropfen für die Weltfinanzmärkte verbreicht der chinesisches Zentralbank-Chef höchstpersönlich. Beim Treffen der G-20-Finanzminister am Wochenende sagte Zhou Xiaochuan gleich dreimal, dass eine Blase am Aktienmarkt in seinem Land geplatzt sei, berichtete etwa sein japanischer Amtskollege Taro Aso. Wenig später legte Xiaochuan in einer offiziellen Mitteilung nach: Die Marktkorrektur in China sei mittlerweile annähernd abgeschlossen – nachdem die Aktiengesellschaften des Landes in den vergangenen Wochen fast fünf Billionen Dollar an Marktkapitalisierung verloren hatten.

Seit Mitte Juni hat der Chinesische Leitindex, Shanghai Composite, aber knapp vierzig Prozent verloren. Das hatte nicht nur die Märkte in China, sondern auch die Börsen weltweit nachhaltig erschüttert. Wegen Konjunktursorgen um China verlor der deutsche Aktienindex am 17. August zeitweise knapp acht Prozent. Auf dem Treffen der G20-Finanzminister war der Schwächeanfall der Volksrepublik daher eines der maßgeblichen Themen. Auch schürt die Furcht vor der Konjunkturabkühlung Zweifel an einer Anhebung der Leitzinsen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) im September. Chinas Aktienmärkte machen Angst – jetzt muss die Welt beruhigt werden.

Chinas Aktiencrash: Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt

Chinas Aktiencrash

Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt

Ein Reporter soll die Turbulenzen an Chinas Börsen verschlimmert haben. Im Staatsfernsehen wird er vorgeführt. Und gesteht. Er ist nicht der Einzige, den Chinesische Behörden als Sündenbock auserkoren haben.

Das Wirtschaftsressort der staatlichen chinesischen Zeitung „China Daily” ist am Montag voll von beruhigenden Überschriften: „Marktvolatilität begründet keine Sorgen über China”, steht da zum Beispiel unter Berufung auf Aussagen von Mitarbeitern des Internationalen Währungsfonds. Oder auch: „Der chinesische Aktienmarkt stabilisiert sich nach Achterbahnfahrt”. Gleichermaßen äußern sich die chinesischen Behörden. In einer Mitteilung am Sonntag beschreibt die chinesische Börsenaufsicht CSRC die gegenwärtige Lage auf den chinesischen Aktienmärkten als „stabiler als zuletzt”.

„In der Vergangenheit wuchsen die Gewinne an den Börsen zu schnell und zu stark, sodass Aktienblasen entstehen konnten”, sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. „Marktanpassungen sind da unvermeidlich.” Inzwischen sei aus den Blasen aber die Luft raus – zumindest größtenteils. Die Botschaft: Alles halb so schlimm, Chinas Aktiencrash soll nicht als Vorbote eines größeren Wirtschaftsabschwungs der Volksrepublik dargestellt werden.

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

Doch die Botschaft scheint nicht so recht anzukommen. Zwar eröffneten die Börsen am Montag nach einer Feiertagspause mit Gewinnen, drehten aber im Laufe des Tages ins Minus. Der Shanghai Composite-Index verlor rund 2,6 Prozent auf 3080 Punkte. Der CSI 300, der die größten an der Börse Schanghai und in Shenzen gelisteten Titel zusammenfasst, rutschte 3,4 Prozent nach unten auf 3250 Punkte.

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