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02.02.2011

10:06 Uhr

Aktienmärkte

Arabische Börsen auf Talfahrt

VonKirsten Krumrey

Die Proteste beunruhigen auch Investoren. Viele Aktienindizes brachen in den vergangenen Wochen ein. Doch in Ägypten könnte der Markt die Talsohle bald erreicht haben. Die Zeichen für den Wiedereinstieg stehen gut

Die Proteste in Ägypten verschrecken internationale Investoren. DAPD

Die Proteste in Ägypten verschrecken internationale Investoren.

DÜSSELDORF. Die Unruhen in Ägypten und anderen arabischen Staaten verunsichern die Märkte und setzen die Aktienkurse unter Druck. Viele arabische Indizes brachen in den vergangenen Wochen ein. Die größten Kursverluste fuhr der ägyptische Leitindex EGX 30 mit einem Minus von mehr als 20 Prozent seit Beginn der Unruhen in der Region ein. Am vergangenen Donnerstag verlor der Index mehr als zehn Prozent, seither ist die Börse geschlossen.

Die Unruhen im Land beenden damit den Aufwärtstrend des vergangenen Jahres. Der Index EGX-30 hatte beflügelt durch die weltweit gute Börsenstimmung und das große Interesse an Schwellenländern 2010 rund 15 Prozent zugelegt.

Doch diese Gewinne sind nun weg, weil sich Investoren aus Sorge vor länger andauernden Unruhen und politischer Unsicherheit zurückziehen. Auch in den arabischen Nachbarländern sinken die Aktienwerte. Zweitgrößter Verlierer an den weltweiten Börsen ist im laufenden Jahr Tunesien, der dortige Leitindex verlor in den vergangenen drei Wochen gut 15 Prozent. In Dubai fiel die Börse auf einen Sechs-Monats-Tiefstand. Selbst Länder wie Katar, Abu Dhabi und Saudi Arabien befinden sich auf Talfahrt.

Investoren beunruhigt die Lage in Nordafrika – erst die Tumulte in Tunesien, jetzt die Demonstrationen in Ägypten. Und die Unruhen könnten auf andere afrikanische Staaten oder den Nahen Osten übergreifen. „Viele Investoren verkaufen jetzt panikartig“, sagt Patryk Jablonowski von Deka Investment. Vor allem breit in der Region investierende Fonds sind betroffen. Dabei sei die ägyptische Wirtschaft gesund. „Ägyptische Unternehmen haben eine gute Bilanzstruktur und die dortigen Banken gehören zu den stabilsten in den Emerging Markets“, sagt der Fondsmanager.

Aber ist jetzt schon die Zeit zum (Wieder-)Einstieg gekommen? „Diese Krise ist rein politisch bedingt und politische Korrekturen sind meist kurzlebig“, sagt Jablonowski, der für den Aktienfonds Deka-MiddleEast and Africa zuständig ist. Der ägyptische Markt sei derzeit der weltweit zweitbilligste. Seine Prognose: „Wir sind nicht mehr weit von den Tiefstständen entfernt.“ Er rechnet aber damit, dass der Handel in Ägypten noch mindestens eine Woche ausgesetzt bleibe.

Für den Wiedereinstieg in den ägyptischen Markt warte er nun auf ein politisches Zeichen wie die Neuaufstellung in der Politik. Eine günstige langfristige Kaufgelegenheit sieht Patryk Jablonowski für den Zeitpunkt nach vorgezogenen Präsidentschaftswahlen.

Von Investitionen in Tunesien und Marokko rät der Fonds-Experte derzeit eher ab. Vor allem Tunesiens Tunindex hatte in den vergangenen Wochen an Wert eingebüßt. Die Verluste an den Börsen in Kuwait und Katar seien deutlich weniger dramatisch, die Märkte würden sich schnell wieder erholen, sagt der Fondsmanager. „Da Ägypten geschlossen war, mussten einige Fonds dort verkaufen, um Liquidität zu schaffen.“ Für Ausschreitungen sehe er in diesen Ländern wegen des Wohlstands wenig Risiko. „Die politische Lage ist relativ stabil.“

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