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15.01.2008

07:00 Uhr

Aktienmarkt 2008

Die Billionen-Jongleure

VonIngo Narat

Die Anleger reiben sich verwundert die Augen. So einen spektakulären Jahresauftakt gab es an der Börse selten zu bestaunen. Und das trotz Turbulenzen.

FRANKFURT. Der Dollar schwächelt nach wie vor, einige Rohstoffe werden immer teurer, und die US-Leitzinsen könnten nochmals kräftig fallen. Auch mit den Größenordungen nehmen es die Ökonomen nicht mehr so genau: Ging es vor kurzem noch um erwartete Milliardenverluste aus dem US-Hypothekendebakel, werden jetzt weitere Nullen angehängt. Mittlerweile jonglieren die Ökonomen mit Billionen.

Die Zahl der Analysten, denen das ungeliebte "R"-Wort (für Rezession) locker über die Lippen kommt, steigt. US-Notenbankchef Ben Bernanke wird in die Enge getrieben. Er muss vor dem Hintergrund der Kreditkrise auf jeden Fall ein Abgleiten der Wirtschaft verhindern. Liquiditätsspritzen und niedrige Leitzinsen sollen es richten. Dabei ist die Geldflut äußerst schädlich. Sie heizt die Inflation an und untergräbt das Vertrauen in die bisherige Welt-Leitwährung Dollar.

Es ist kein Wunder, wenn die Anleger Anleihen kaufen, ihr Geld in sicheren Geldmarktpapieren parken, den Dollar meiden und neben Gold auch andere Rohstoffe kaufen, um die Risiken in ihren Depots zu begrenzen. Dabei ist die Dimension der Krise beim breiten Investorenpublikum noch nicht einmal angekommen. Ökonom Jan Hatzius von Goldman Sachs beispielsweise schätzt, dass die gesamten Ausleihungen im Kreditsystem um zwei Billionen Dollar schrumpfen werden. Ohne einen kräftigen Wirtschaftsabschwung wird das wohl kaum abgehen. Bill Gross, der Anleihe-Guru vom amerikanischen Bondhaus Pimco, ist ganz ähnlicher Meinung und spekuliert ganz offen über eine Rezession in den USA.

Vor allem an den Aktienbörsen sind die Ampeln auf Rot umgesprungen. Analysten werden ihre Gewinnerwartungen für die Aktiengesellschaften nach unten anpassen müssen. Das ist in den aktuellen Kursen noch nicht ausreichend berücksichtigt. Die meisten Anleger schwelgen weiter im Hochgefühl der eher optimistischen Börsenausblicke für 2008. Doch schon die nächsten Tage könnten für ein unangenehmes Erwachen sorgen. Die großen US-Banken legen in den kommenden Wochen ihre Ergebnisse für das abgelaufene Jahr vor - das birgt Potenzial für böse Überraschungen.

Bisher sind die Euro-Anleger trotz der eskalierenden Hypothekenkrise im Sommer 2007 glimpflich davon gekommen. In ihren Depotauszügen für das vergangene Jahr haben sie meist Gewinne stehen, wenn sie nicht gerade in Japan oder an der Wall Street investiert waren. Noch bleibt Zeit, die Buchgewinne zu sichern und die Aktienbestände zu senken. Das glaubt auch Nouriel Roubini. Der Wirtschaftsprofessor von der Universität New York macht aus seiner Skepsis keinen Hehl: "Eine lausige Börse 2007 wird noch gut aussehen im Vergleich zum hässlichen Aktienmarkt 2008."

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