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25.02.2013

18:15 Uhr

Aktienmarkt

Zu früh gefreut - Börse Mailand knickt ein

Nach Schließung der Wahllokale hatte die Börse in Mailand kräftig zugelegt. Die ersten Prognosen deuteten auf eine Niederlage von Berlusconi hin. Doch dann erschütterte eine neue Hochrechnung die Märkte.

Ein Händler verfolgt die Entwicklung italienischer Staatsanleihen. dapd

Ein Händler verfolgt die Entwicklung italienischer Staatsanleihen.

RomDer Jubel war groß - aber er hielt nicht lange. Die Börse in Mailand legte kurz nach Schließung der Wahllokale kräftig zu, zeitweise um vier Prozent. Alles deutete auf einen Wahlsieg von Pierluigi Bersani hin - so wie es sich die Anleger gewünscht hatten. Doch die erste Hochrechnung machte alles zunichte.

Innerhalb kurzer Zeit gab der italienische Leitindex seine Gewinne ab und fiel zweitweise ins Minus. Am Ende des Tages schloss die Börse mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Das Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi lag nach der neuen Hochrechnung im umkämpften Senat vorn. Das Berlusconi-Lager führte mit 31 Prozent vor dem Mitte-Links-Bündnis, das auf 29,5 Prozent kam. Die Bewegung „Fünf Sterne“ erreichte laut der Hochrechnung des Fernsehsenders Rai 25,1 Prozent.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

In den besonders umkämpften Schlüsselregionen wie der Lombardei mit der Finanzmetropole Mailand sowie Sizilien und Kampanien lagen Berlusconi und seine Bündnispartner den Hochrechnungen zufolge in Führung. Die Protestbewegung um den Komiker Beppe Grillo lag zumeist an dritter Stelle.

Sollte es bei dieser Konstellation bleiben, steht das Land, das dringend Reformen umsetzen muss, vor einer politischen Blockade. Endgültige Klarheit über die künftigen Machtverhältnisse dürfte erst nach Auszählung der Stimmen herrschen.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, glaubt, dass Bersani besser für das Land wäre, warnt aber vor überzogenen Erwartungen: „Ich erwarte auch unter Bersani keinen Reformdurchbruch - schon deshalb nicht, weil sich sein Bündnis auf verschiedene politische Kräfte stützt - von Ex-Kommunisten bis zu linken Christdemokraten. Aber alles ist besser als Berlusconi, der seine Glaubwürdigkeit verspielt hat.“

Eine Auktion italienischer Anleihen war am Vormittag erfolgreich verlaufen. Italien hat insgesamt 4,068 Milliarden Euro am Markt eingesammelt, die Zielspanne hatte zwischen 2,5 und 4,25 Milliarden Euro gelegen. Bei der Platzierung von zweijährigen Anleihen über 2,8 Milliarden Euro stieg die Rendite auf 1,68 Prozent von 1,43 bei der vorigen Emission im Januar.

Der wahre Test steht aber noch aus: Am Mittwoch wird Italien lang laufende Anleihen über fünf und zehn Jahre begeben. Sehr wahrscheinlich wird das Land dann mehr Zinsen für seine Schuldtitel zahlen müssen als im Januar.

Kommentare (4)

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EU-Diktatur-und-Finanzmafia

25.02.2013, 15:16 Uhr

Das Demokratie (welche ich in Italien bezweifle!) von der weiteren Handlung der „Märkte“ abhängig ist, ist schon pervers!
Politik und Wähler werden durch diese EU- und Finanzmafia erpresst!
Mit Demokratie und einer Volksherrschaft hat das rein gar nichts mehr zu tun.
Es regiert das Geld und alle schlafen, anstatt sich gegen dieses Diktat zur Wehr zu setzen.

Sebastian

25.02.2013, 15:35 Uhr

Dann dürfen sich die Wähler aber hinterher auch nicht beschweren.Die wählen Bersani und meckern trotzdem.Im Übrigen glaube ich nicht, das Berlusconi das Euroaus bedeutet hätte,der ist doch sicher selber dick an der Börse engagiert und würde sich nicht in´s eigene Fleisch schneiden,es sei denn er wäre short,aber auch das glaube ich nicht so richtig.

Account gelöscht!

25.02.2013, 15:42 Uhr

denn die Meinungsfreiheit, die wir meinen ist frei von jeder Meinung.

http://www.youtube.com/watch?v=iZiO9bqzHzg

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